Mainz Fans mit Choreo gegen Homophobie (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Gegen Homophobie im Sport

LSB Rheinland-Pfalz und QueerNet setzen Zeichen

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Homophobie ist leider auch im Sport immer noch ein Thema. Der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) und das Netzwerk QueerNet wollen in Zukunft kooperieren, um langfristige Maßnahmen gegen Diskriminierung zu entwickeln.

"Neuer trägt die Schwuchtelbinde statt unseren Nationalfarben"

Diese homophobe Zeile stammt aus einem inzwischen gelöschten Tweet des ehemaligen rheinland-pfälzischen AfD-Fraktionschefs Uwe Junge. Sie bezog sich auf die regenbogenfarbene Kapitänsbinde von Manuel Neuer, dem Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, während der Europameisterschaft im vergangenen Sommer. Die Regenbogenfahne steht für Toleranz und Vielfalt - diese Werte sollen in Rheinland-Pfalz nun durch eine neue Zusammenarbeit in den Fokus des Sports rücken.

Die Regenbogenfahne hält inzwischen Einzug in zahlreiche Sportstätten dieser Welt. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Die Regenbogenfahne hält inzwischen Einzug in zahlreiche Sportstätten dieser Welt. Picture Alliance

Ressourcen bündeln im Kampf gegen Homophobie

Oliver Kalb leitet die Abteilung für Gesellschaftspolitik des Landessportbundes (LSB) Rheinland-Pfalz. Er lud zur Online-Fortbildung "Gegen Homophobie im Sport" ein. Bereits vorab informierte der LSB in einer Pressemitteilung über den neuen Kooperationsvertrag mit dem Netzwerk QueerNet - ein Zusammenschluss von queeren Vereinen und Initiativen in Rheinland-Pfalz, der damals eine Strafanzeige gegen Junge stellte.

Jenem Netzwerk gehört Vincent Maron an. Er führte die Teilnehmenden der Fortbildung als Referent in das Thema "Gegen Homophobie im Sport" ein und gab Einblicke in die Gefühlswelt von queeren Menschen im Sport. Er berichtete von jungen Sportler:innen, die nach ihrem Outing im Verein "aus den Umkleidekabinen geworfen werden, weil sich niemand mit ihnen umziehen will".

Das diskriminierende Zitat von Junge ist kein Einzelfall. "Mit dieser schwulen Sau spiele ich nicht in einer Mannschaft", "Dieser Schwuchtel soll unser Kapitän sein?" oder "Warte mal ab, was passiert, wenn die Seife in der Duschkabine fällt!" Diese Sätze begegnen nicht selten Menschen, die sich in ihrem Sportverein outen. Ein solches Outing sei im Bereich Sport nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel, so Maron.

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Studie zeigt Handlungsbedarf

In seinem rund neunzigminütigen Vortrag nahm er regelmäßig Bezug auf die großangelegte Studie "Outsport - Sexuelle Vielfalt und Geschlechteridentität im Sport". Diese wurde unter anderem von der Deutschen Sporthochschule Köln durchgeführt. 5.524 Probanden aus ganz Europa machten in einer Umfrage Angaben zu ihren Erfahrungen als queere Personen im Sport. 

Differenz zwischen den einzelnen Sportarten

Die Ergebnisse offenbaren, dass insbesondere Sportarten, die männlich konnotiert werden und hierarchische Strukturen aufweisen, ein schwieriges Pflaster für offen queere Menschen sind. Im Fußball fühlten sich 27 Prozent der Befragten schon einmal ausgegrenzt. Im Tanzen wiederum machten deutlich weniger Sportler:innen diese Erfahrung. 

Die Studie offenbart noch mehr: Eine von fünf Personen sieht sich aufgrund der eigenen sexuellen Identität nicht in der Lage, den Sport auszuüben, den sie möchte. Zudem sehen 90 Prozent der Befragten Homophobie als aktuelles Problem im Sport an. “Hier müssen wir tätig werden”, verkündete Oliver Kalb. 

Kooperationsvereinbarung zwischen LSB und QueerNet

Queer denken für die Zukunft

Kalb sieht die neue Zusammenarbeit mit QueerNet als ersten Schritt in die richtige Richtung: "Mit der Kooperationsvereinbarung wollen wir entschieden gegen jedwede Form der Diskriminierung vorgehen und vor allem dafür sensibilisieren, dass Vielfalt der Schlüssel für ein friedvolles Miteinander ist."

Darüber hinaus vergleicht Kalb den "weiteren Startschuss für einen vielfältigeren Sport in Rheinland-Pfalz" mit den ersten Projekten im Jahr 2010 zum Thema "Sexualisierte Gewalt im Sport" - seitdem habe sich viel getan. Ähnliches erhofft sich Kalb auch für den Kampf gegen Homophobie im Sport. 

Für Maron gibt es kein allgemein gültiges Rezept, um den Sport toleranter und vielfältiger zu machen. Allerdings müsse erst die gesamte Gesellschaft diverser denken: "Wenn die Gesellschaft sich verändert, dann verändert sich auch der Sport." Anschließend stehe das Thema Geschlechtergerechtigkeit im Sport auf der Agenda: "Wir müssen an die Grundmauern des Sports und das bedeutet, dass die Geschlechter gleich behandelt werden müssen."

Wie wird sich der Sport entwickeln?

Das Ziel des LSB sei es, "Maßnahmen für eine wertschätzende und vielfältige Kultur im rheinland-pfälzischen Sport zu entwickeln". Das QueerNet soll den LSB dabei unterstützen und weiter aufklären. Der Grundstein ist gelegt, die Frage wird sein, welche Maßnahmen im Sport folgen könnten? 

Wie so oft, hilft ein Blick über den eigenen Tellerrand: "In den Niederlanden haben beispielsweise Amateurvereine angefangen, gar nicht mehr getrennt nach Geschlechtern zu trainieren", beschreibt Maron. "Einfach zu sagen, hier kommen Menschen zusammen, die gerne eine Sportart machen." 

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