Integration durch Sport (Foto: SWR, SWR)

Inklusion als gesellschaftlicher Auftrag

SV Spesbach: Gemeinsam Sport treiben mit und ohne Beeinträchtigung

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REDAKTEUR/IN

Sport kann so viel mehr als nur Wettkampf: Er kann Vorurteile verschwinden lassen, Ängste abbauen und Lebensfreude bringen. Inklusion ist deshalb eine ganz wichtige gesellschaftliche Aufgabe des Sports.

Gemeinsam - mit und ohne Beeinträchtigung. Kein Problem beim SV Spesbach. Auch Philipp Nageldinger ist mit Leib und Seele Fußballer. Als Baby hatte er ein Blutgerinsel im Kopf, ist seitdem etwas schwächer im Lernvermögen und hat leichte körperliche Einschränkungen. Doch das eigentliche Handicap waren erstmal die anderen. "Als Bambini habe ich angefangen, wurde aber viel gehänselt und ausgelacht. Das hat mir richtig weh getan", erinnert sich Philipp Nageldinger.

Fußballtraining für alle

Das war vor 18 Jahren - und der Auslöser für Philipps Vater Fred, ein inklusives Fußballteam zu bilden. Mittlerweile treffen sie sich beim SV Spesbach jede Woche, jung und alt, gehandicapt oder nicht. "Ich bin mächtig stolz, hier etwas erreicht zu haben. Es macht immer wieder Spaß zu sehen, was man erreichen kann, wie hilfsbereit alle untereinander sind. Das ist sehr beeindruckend und schön", beschreibt Fred Nageldinger, der immer noch Trainer des Inklusionsteams ist, die Treffen.

Schulung für Übungsleiter

Für den Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) war damit der perfekte Ort gefunden, um im Rahmen einer "Aktionswoche Sport lebt Vielfalt" eine Fortbildung zum Thema Inklusion anzubieten. Wie wichtig und richtig diese Maßnahme war, beschreibt Teilnehmer Patrick Partenheimer vom TSV Ebertsheim, dessen behinderter Stiefsohn bislang nirgendwo ohne Probleme mit kicken konnte: "Es dauert fünf Minuten, dann wissen alle Kinder über meinen Stiefsohn Bescheid und es findet eine Ausgrenzung statt. Ich mache den Kindern keinen Vorwurf, aber es zerreißt einen. Es ist ein Herzenswunsch von ihm, Fußball zu spielen, einfach nur Fußball zu spielen."

Inklusion macht Spaß

Kein Zweifel: Es braucht mehr Vereine wie den SV Spesbach. Sogenannte Sport-Inklusionslotsen helfen mittlerweile beim Aufbau neuer Angebote - ein Projekt des LSB Rheinland-Pfalz. 14 Lotsen sind bereits aktiv im Land. "Tendenziell kann man schon sagen, dass viele Vereine sich noch vor der Inklusion scheuen. Wir sind dann da und wollen Mut machen, sagen den Vereinen: Wir helfen Euch, wir unterstützen Euch, traut euch einfach. Es tut nicht weh, es macht Spaß" sagt Linda Becker, Sport-Inklusionslotsin Süd- und Südwestpfalz.

Projekt hat schon viel erreicht

Grundsätzlich sind die Lotsen in Zweierteams bestimmten Regionen zugeteilt und unterstützen so die Menschen direkt vor Ort. Seit 2019 gibt es das Projekt mittlerweile. Dabei wurden zunächst die Lotsen an mehreren Wochenenden auf ihre Aufgabe vorbereitet, bevor sie 2020 an den Start gingen und einen richtigen Run erlebten. "Die Telefone haben am Anfang gar nicht mehr stillgestanden", beschreibt Silvia Wenzel von der Koordinierungsstelle Inklusion beim LSB. "Zwar hat Corona das alles ein bisschen gebremst, aber es sind tolle Netzwerke entstanden, und es konnten schon viele Projekte umgesetzt werden."

Studie belegt Wichtigkeit des Projekts

Jetzt konnte die Universität Mainz die Wichtigkeit eines solchen Projektes auch in einer Studie belegen, die die zahlreichen positiven Ansätze unterstreicht. "Es braucht jemanden vor Ort, der sich kümmert, dann funktioniert es", weiß Silvia Wenzel. Deshalb hofft sie auch auf die Fortsetzung des Projektes, das zunächst bis Dezember 2022 geplant ist. "Wir werden alles daran setzen, dass es auch danach weiter geht", verspricht Wenzel.

Fest steht: Inklusion baut Vorurteile ab. Für Philipp Nageldinger sind die Hänseleien jedenfalls Vergangenheit. "Ich bin immer froh, wenn Samstag Training ist. Ich kann es kaum erwarten." Der Sport als Inklusionshelfer - ein Gewinn für alle.

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