Kinder beim Fußballtraining. (Foto: imago images, IMAGO / penofoto)

Besonders für Kinder und Jugendliche

Deshalb sind feste Trainingszeiten nach der Corona-Pause so wichtig

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Struktur schafft Verbindlichkeit. Das gilt auch für den Sport. Gerade für Kinder und Jugendliche ist das entscheidend - vor allem nach der langen Corona-Pause und in Zeiten zunehmender digitaler Kommunikation.

Die Corona-Pandemie hat Folgen für den Breitensport. Mitgliederzahlen nehmen ab und Trainer aus dem Jugendbereich, mit denen SWR Sport gesprochen hat, berichten, dass Kinder und Jugendliche an Kondition und Fitness verloren haben. Selbst, wenn sie sich weiterhin zuhause bewegt haben, ist der Unterschied zu festen Trainingszeiten und Sport im Team enorm - körperlich, aber auch psychologisch und in Bezug auf das Miteinander.

Struktur schafft Halt

Schon Kleinkinder lernen, die Welt zu strukturieren. Ganz grundsätzlich helfen feste Anhaltspunkte dabei, sich in der Welt zurechtzufinden, sagt Professor Ansgar Thiel, Sportsoziologe an der Universität Tübingen: "Wenn wir es zum Beispiel auf den Sport beziehen, dann ist natürlich so eine feste Struktur im Tages- und Wochenablauf hilfreich, um überhaupt bei der Sache zu bleiben."

Fehlende Struktur führt zur Orientierungslosigkeit

Fallen - wie während der Corona-Pause - feste Trainingseinheiten unter der Woche aus, führe das bei Kindern zur Orientierungslosigkeit, sagt der Experte: "Gerade wenn man keine Lust hat auf Dinge. Und dann fehlt die Struktur, dann macht man es erst recht nicht. Und es gibt schon erste Studien, die zeigen, dass tatsächlich dieses Fehlen von Strukturen ein großes Problem ist."

Es war unter Corona ganz besonders so, dass letztendlich die Möglichkeiten, sich dem zu entziehen, was man machen soll, größer geworden sind.

Und so besteht auch eine Gefahr, sich an einen Wochenplan ohne Sport zu gewöhnen. Vereine hatten es nach Corona-Pause teils schwer, die Kinder wieder zum Training zu motivieren.

Sicherheiten im Leben fallen weg

Wenn die Ankerpunkte, die Orientierung und die Struktur fehlt, die regelmäßiger Vereinssport eigentlich bringt, hat das auch psychologische Konsequenzen. Denn damit geht die Sicherheit, die diese Strukturen vor allem den Kindern geben, verloren, so Prof. Ansgar Thiel. Der Halt, sich in der Welt zurechtzufinden, sich wohl zu fühlen und mit Belastungen klarzukommen, sei dann nicht mehr da. Zudem entfällt die Möglichkeit soziales Verhalten zu lernen. Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft oder der Umgang mit Niederlagen - all das, was der Sport vermitteln kann.

Sport statt Handy: Körpersignale erkennen

Prof. Ansgar Thiel beschreibt im Gespräch mit SWR Sport, dass wir ohnehin in einer individualisierten und digitalisierten Welt leben. Nahezu bei jedem Heranwachsenden laufe ein schon nicht unbeträchtlicher Teil der Kommunikation über Smartphones. "Das heißt, das Problem ist im Grunde schon da, von einer gewissen Vereinzelung." Face-to-Face-Treffen hätten durch die Pandemie nochmal abgenommen. Die "analoge soziale Realität" sei weggebrochen. Dadurch sei das Lesen der Körpersprache fast unmöglich geworden. "Wenn ich beispielsweise nur über Computer, über den Bildschirm kommuniziere und ich sehe nur das Gesicht, dann sehe ich vielleicht die Mimik, aber ich sehe die ganze Körpersprache nicht."

Bei der Kommunikation über Chats beispielsweise falle oft sogar die Mimik weg. "Das heißt vieles, was wir im Grunde als Heranwachsende gelernt haben, nebenbei Körpersignale zu erkennen, Signale von Gesichtsausdrücken zu erkennen, das geht natürlich verloren."

Wichtige Aufgabe für den Sport

Darauf müsse man achten, sagt der Experte. Gerade beim Sport, vor allem beim Mannschaftssport, kann man das lernen. Denn das Erkennen von Körpersignalen und die non-verbale Kommunikation sind dabei wesentlich. "Ich denke, Schulen und Vereine sind die Institutionen, die das in den Mittelpunkt rücken müssen, was natürlich bisher vollkommen vergessen wird. Das wird gar nicht diskutiert. Aber ich glaube, dieses soziale Leben im analogen Raum, das andere zu lesen sozusagen, wird eine viel wichtigere Bedeutung haben als früher."

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