Die D-Jugend des FV Plittersdorf jubelt im Fußballtraining. (Foto: SWR)

Neue Corona-Verordnung in BW, 16.9.21

Das sind die neuen Corona-Regeln für Kinder und Jugendliche im Sport

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REDAKTEUR/IN

Dürfen ungeimpfte Jugendliche beim Training mitmachen? Wann müssen Kinder vor dem Sport getestet werden? Die neue Corona-Verordnung in BW wirft Fragen auf. Wir haben die Antworten.

Sie rennen, lachen, schreien und spielen. Mehr als 50 Kinder und Jugendliche trainieren am Dienstagabend auf dem Sportplatz des FV Germania Plittersdorf bei Rastatt. Bevor das Training hier wieder so stattfinden kann, arbeitet sich der Jugendleiter Tobias Groß zu Hause am Küchentisch durch unzählige Mails. Seitenweise Konzepte, Empfehlungen oder Verordnungen liegen bei ihm ausgedruckt auf dem Küchentisch. Das frisst "enorme Zeit" für alle Ehrenamtlichen in den Vereinen.

In den Papieren ist zum Beispiel vorgesehen, dass sich zuschauende Eltern per App registrieren oder dass Trainer und Trainerinnen die Teilnehmerlisten checken.

"Jetzt gerade mit diesen neuen Verordnungen, wenn sowas kommt, dann sind mal locker in der Woche zehn Stunden weg."

Die neue baden-württembergische Corona-Verordnung trat am 16. September in Kraft und unterscheidet drei Pandemie-Stufen, die sich an der sogenannten Sieben-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz und an der Auslastung der Intensivbetten (AIB) mit Corona-Patienten orientiert: Basisstufe, Warnstufe und Alarmstufe.

Welche Regelungen gelten für Kinder und Jugendliche in BW?

Grundsätzliches vorab: Es gilt noch eine Maskenpflicht. Sie ist für Kinder unter fünf Jahren, bei einem dauerhaften Abstand von mindestens 1,5 Metern im Freien und beim Sporttreiben selbst aufgehoben.

Ansonsten gelten momentan die Bestimmungen der Basisstufe: Für Sportstätten im Freien gibt es keine Zutrittsbeschränkung für das Training - weder für Kinder und Jugendliche, noch für Erwachsene. In geschlossenen Räumen, zum Beispiel in der Kabine, gilt die 3G-Regelung, also Zutritt nur für geimpfte, genesene oder getestete Sportler. Einige Vereine, mit denen SWR Sport gesprochen hat, halten ihre Mannschaftssitzungen deshalb draußen ab und verlegen die Umkleidekabine ins Freie - solange das Wetter noch mitspielt.

Wegen Testpflicht: Schüler gelten als getestet

Weil Schüler und Schülerinnen in Baden-Württemberg im Präsenzunterricht sowieso zweimal pro Woche getestet werden, gelten sie auch für das Training im Verein als getestet. Wie das Gesundheitsministerium auf Nachfrage von SWR Sport bestätigt, reicht der Schülerausweis, ein Zeugnis oder eine Schulbescheinigung, um den Schülerstatus auszuweisen. Schüler und Schülerinnen erhalten so grundsätzlich Zutritt zu Sportstätten - im Freien und in der Halle - und das in allen drei Pandemiestufen.

Auch wenn die Ständige Impfkommission (STIKO) für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren bereits eine Impfempfehlung ausgesprochen hat, können mit dieser Regelung auch ungeimpfte Schüler und Schülerinnen unter anderem am Sport teilnehmen.

Was gilt in der Warnstufe?

In der sogenannten Warnstufe gilt im Freien für Erwachsene die 3G-Regel. In geschlossenen Räumen muss der Test ein PCR-Test sein. Für Schüler und Schülerinnen aber gilt weiterhin: der Test aus der Schule zählt genauso. Kinder unter fünf Jahren müssen sowieso keine Nachweise erbringen. Bei Jugendlichen, die nicht mehr zur Schule gehen, reicht bis zu ihrem 18. Geburtstag ein Antigen-Test, sie müssen in der Warnstufe keinen aufwendigeren PCR-Test vorweisen.

Was gilt in der Alarmstufe?

In der Alarmstufe haben nur noch Genesene und Geimpfte Zutritt zu den Sportstätten. Dennoch gibt es auch hier Sonderregelungen für Kinder und Jugendliche: Kinder unter 5 Jahren und bis zu Einschulung sind von der Nachweispflicht ausgenommen, bei Schülern und Schülerinnen reicht wieder der Test aus der Schule und Jugendliche bis 18 Jahre müssen nur einen Antigen-Test machen.

Wie realistisch sind Warn- und Alarmstufen in BW?

Mit dem Blick auf die aktuelle Impfquote in Baden-Württemberg könnte sich das Infektionsgeschehen in den kommenden Herbst- und Wintermonaten so entwickeln, dass die Warnstufe erreicht wird (Sieben-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz von acht oder Auslastung der Intensivbetten von 250). Szenarien des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen allerdings auch, dass mit den aktuell zirkulierenden Varianten des Coronavirus die höchste Stufe, die Alarmstufe, eher unwahrscheinlich ist (Sieben-Tage-Hospitalisierungs-Inzidenz von 12 oder Auslastung der Intensivbetten von 390).

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Warum gibt es die Sonderregelung für Jugendliche?

Die Regelungen für Kinder und Jugendliche gelten nicht nur für den Sport, sondern überall dort, wo der Zutritt und die Teilnahme über 3G beziehungsweise 2G geregelt ist. Trotzdem haben sie gerade für den Vereinssport eine große Bedeutung. Sie ermöglichen einen regelmäßigen Trainingsbetrieb im Juniorenbereich - auch wenn die Coronazahlen wieder steigen sollten.

Dass Jugendliche unter 18, die nicht mehr in der Schule sind, keinen aufwendigen PCR-Test vorlegen müssen oder im 2G-Fall trotzdem mit einem Schnelltest am Sport teilnehmen können, begründet das baden-württembergische Gesundheitsministerium damit, dass diese Jugendlichen zum Teil auch in sozial benachteiligten Verhältnissen leben. "Diesen soll der Zugang zu Sportangeboten, nicht zuletzt wegen der sozialen Rolle des Sports, ermöglicht werden." Und weiter: "Für andere Personengruppen besteht diese Sachlage nicht, diese können sich allerdings auch ohne größere Umstände impfen lassen, um Zutritt zu den Sportstätten zu erhalten.

Ist der Spielbetrieb der Erwachsenen gefährdet?

Für erwachsene Sportler und Sportlerinnen gelten die 3G- und 2G-Regelungen ohne Ausnahmen. Deshalb riskieren ungeimpfte Personen "den Fortlauf des Spielbetriebs im Amateurfußball", heißt es in einer Pressemitteilung des Württembergische Fußballverbands. 32 von insgesamt 1.270 Spielen mussten im Verbandsgebiet demnach abgesetzt werden. Es bestünden vor allem dort Gefahren für Infektionen, wo viele Personen nicht geimpft seien. Das Ziel sei, den Spielbetrieb im Verband auch dann aufrecht zu erhalten, wenn in Baden-Württemberg die Warn- oder gar Alarmstufe eintritt. Damit verbunden ist ein Appell des Verbands an die Vereine, für die Impfung zu werben, um weiterhin genügend spielberechtigte Sportler und Sportlerinnen zu haben - auch für den Fall, dass die Regeln in der Warn- und Alarmstufe verschärft werden.

FV Plittersdorf spürt Erleichterung

Tobias Groß vom FV Plittersdorf, hat die neue Corona-Verordnung durchgearbeitet und ist über die angepassten Corona-Regeln für Kinder und Jugendliche froh. Dass der Schülerstatus oder ein Antigen-Schnelltest für alle unter 18-Jährigen in allen Pandemiestufen reicht, um ein Training zu ermöglichen, erleichtert die Organisation für den ehrenamtlichen Jugendleiter.

Jugendliche sind "weg von der Straße"

Tobias Groß und alle Trainer und Trainerinnen wissen auch, wie wichtig ihre Arbeit ist: "Die Kinder sind weg von der Straße, im Dorf sagt man, die sitzen nicht auf der Kirchentreppe, die haben hier eine entsprechende Aufgabe, eine entsprechende Gemeinschaft und auch die Eltern wissen, dass sie gut aufgehoben sind und wo sie unterwegs sind."

So genießt der FV Plittersdorf mit Trainern und Trainerinnen, Eltern und vor allem den Spielerinnen und Spielern das regelmäßige Training - das wieder verlässlich und mit viel Spaß stattfinden kann.

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