Bob-Pilotin Charlotte Candrix aus Hachenburg (Foto: SWR)

Wintersport | Bob

Charlotte Candrix und das Bob-Experiment

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Charlotte Candrix aus Hachenburg ist erst 16 Jahre alt, aber jetzt schon ein hoffnungsvolles Talent im Bobsport. Ihr Weg hin zu dieser Sportart war allerdings ein ungewöhnlicher.

Es ist ein Experiment, aber eins, das vielversprechend ist: Wie wird man eine herausragende Bob-Fahrerin? Charlotte Candrix aus Hachenburg (Westerwaldkreis) war gerade mal 13 Jahre alt und eine gute Leichtathletin, als sie nach einem Casting eingeladen wurde, in der Eisarena Winterberg doch einfach mal die Fahrt auf Kufen zu probieren. Skeleton war nix für sie, aber Bob: "Es hat richtig, richtig Spaß gemacht, die Geschwindigkeit war echt neu. Nach der ersten Fahrt wollte ich direkt nochmal fahren. Ich hatte in meinem ersten Training fünf Fahrten. Und ich glaube, die Trainer haben auch gemerkt, dass mir das Spaß gemacht hat."

Ferienwohnung in Winterberg

Dazu muss man wissen, dass Bob-Piloten normalerweise erst so mit 18 bis 20 Jahren einsteigen. Charlotte aber war infiziert. Heute ist sie 16, immer noch verdammt jung, aber längst im Bundeskader. Für das Training nach Winterberg wird sie jedesmal von Papa gefahren. Timo Candrix leitet nicht nur ihr Athletik-Training zuhause, er sorgt auch dafür, dass sie in Winterberg regelmäßig trainieren kann. Sie hat dort eine Ferienwohnung, gemeinsam mit ihrer Anschieberin Sophie Schiffmann.

Wunschberuf Polizistin

Dass sie deswegen oft die Schule verpasste und viel selbständig nachholen musste, ist jetzt in Corona-Zeiten ein Vorteil für Charlotte. "Ich bin halt schon darauf eingestellt, das ist nichts Neues für mich", bekennt sie. Und die Schule ist ihr wichtig. Zur Zeit geht sie in die 10. Klasse. Doch sie hat schon ziemlich klare Vorstellungen davon, was sie nach dem Abitur machen will: "Ich will den Sport auf jeden Fall weiterführen – und da gibt es ja ziemlich gute Förderungen." Nein, Bundeswehr ist eher nichts für sie – aber: "Polizei kann ich mir tatsächlich gut vorstellen."

Enorme mentale Belastung beim Bobfahren

Sie wäre eine Polizistin, der die Geschwindigkeit liegt. Denn genau das fasziniert sie am Bobsport, wo sie mit knapp 130 Sachen durch den Eiskanal rauscht. "Es ist eher für den Kopf anstrengend. Ich könnte nicht zehn Fahrten hintereinander machen", schildert sie die mentale Belastung als Bob-Pilotin.

Olympia ist das große Ziel

Dankbar ist sie ihrem Trainer, Andy Neagu, der seine Schützlinge zur Selbständigkeit erzieht. Das Video-Studium ihrer Läufe macht Charlotte alleine, bevor sie alles mit ihm durchgeht. Dankbar ist sie aber auch ihren Eltern. Denn ohne deren Unterstützung wäre sie aufgeschmissen. Auch wenn Papa und Mama manchmal mit mulmigem Gefühl sehen, was ihre Tochter da treibt. Denn ungefährlich ist das ja alles nicht. Und Stürze hat Charlotte natürlich auch schon hinter sich gebracht.

Ihr Ziel: "Jeder Sportler möchte in seiner Sportart mal zu Olympia", sagt sie. Dabei will sie sich nicht unter Druck setzen. "Ich bin ja erst 16." Aber eine 16-Jährige, die schon sehr, sehr erwachsen daherkommt. Und wenn sie es tatsächlich zu Olympia schaffen sollte, dann wäre das vielversprechende Experiment mit Charlotte Candrix geglückt.  

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