Sandra Schwedler bei der Vorstellung der Aufsichtsratskandidaten des FC St. Pauli am 27.11.2018 (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance)

Fußball | Frauen-WM St.-Pauli-Chefin Sandra Schwedler fordert eine Frauenquote im Fußball

Profifußball wird ausschließlich von Männern auf die Beine gestellt. Im Spitzenfußball gilt eine Aufsichtsratschefin wie Sandra Schwedler vom Zweitligisten FC St. Pauli als ungewöhnlich.

"Menschen, die sich nicht für Fußball interessieren , würden nicht mitkriegen, dass momentan eine WM läuft."

Sandra Schwedler über die Bedeutung der Frauen-Fußball-WM
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Uli Hoeneß (67) kennt hierzulande jeder, der sich auch nur ansatzweise für Fußball interessiert. Hoeneß war Spieler, Manager, Präsident und ist aktuell Aufsichtsratsvorsitzender seines FC Bayern München.

Sandra Schwedler (38) ist in gleicher Funktion beim FC St. Pauli tätig. Seit 2014 ist sie Aufsichtsratschefin beim Zweitligisten. Im Dezember 2018 wurde sie auf der Mitgliederversammlung mit den meisten Stimmen wiedergewählt. Der Respekt und die Anerkennung sind ihr am Millerntor sicher. Ihr Bekanntheitsgrad nimmt außerhalb der Stadtgrenze trotzdem rapide ab. Sie berichtet von Veranstaltungen, bei denen sie nicht als Funktionärin und schon gar nicht als Vorsitzende des Aufsichtsrats eines Profifußballvereins wahrgenommen wird. Dafür aber "wahlweise für die Freundin, Frau oder Tochter von ... gehalten werde." Begrüßt werde sie öfter so: "Ich weiß nicht, ob Sie dazugehören, aber ich sage einfach mal Hallo." Fragt sich jetzt, für wen diese Situation peinlicher ist!?

"Frauenfußball wird immer als etwas spezielles dargestellt, was deshalb nicht so viele Zuschauer zieht."

Sandra Schwedler über die sprachliche Trennung von Fußball und Frauenfußball

Ganz schwierig und irgendwie befremdlich ist für Sandra Schwedler die sprachliche Trennung zwischen Fußball und Frauenfußball: "Ich erlebe das in keiner anderen Sportart und ich spiele selber Handball, dass da so stark sprachlich und inhaltlich getrennt wird. Es gibt immer den Fußball und dann gibt's übrigens noch Frauenfußball." Diese Trennung ist für Schwedler eine Form von Sexismus, die im Fußball so etabliert ist, dass es den Menschen gar nicht mehr auffällt: "Frauenfußball ist ja anders, langsamer und die können das gar nicht so gut." Soweit so nervig.


Zusätzliches Nervpotenzial für die Frau in Führungsposition befindet sich in der Tatsache, dass sie fast ausschließlich zu diesem Thema Auskunft geben soll. Und nicht etwa, wie in dem Falle von Sandra Schwedler, zum Thema Fußball. "Ich weiß, dass das wichtig ist, darüber zu reden, um dem auch eine Öffentlichkeit zu geben. Aber ich finde es schade, dass eben das Fachliche immer hinten runter fällt."

"Wenn wir keine Frauenquote einführen, dann wird es noch 50, 60 oder 80 Jahre dauern, bis eine Gerechtigkeit hergestellt ist."

Sandra Schwedler über eine Frauenquote im Profifußball

Nach einer Studie von Fare, Football Against Racism in Europe, sind lediglich 3,7 Prozent der Führungspositionen im europäischen Spitzenfußball von Frauen besetzt. Seit Jahrzehnten wird in Deutschland über Frauenquoten und geschlechtergerechte Einkommen gestritten. Seit 2016 müssen etwa hundert börsennotierte Unternehmen ihre freiwerdenden Aufsichtsratsposten mit Frauen besetzen, bis dreißig Prozent weiblich sind. Auch Parteien oder Redaktionen haben unterschiedliche Maßnahmen ergriffen. Im Fußball gibt es nur wenig Unterstützung für eine Frauenquote. Auch Sandra Schwedler war lange Zeit dagegen: "Ich war jahrelang ein Verfechterin von, "das wird sich schon ruckeln". Mittlerweile bin ich der Meinung, wenn wir nicht zumindest übergangsweise eine Frauenquote einführen, wird es noch 50, 60 oder 80 Jahre dauern, bis eine Gerechtigkeit hergestellt ist."

Eine Frau als DFB-Präsidentin?

Vielleicht würde es hierzulande schneller gehen, wenn eine Frau an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stehen würde. Vielleicht mit Sandra Schwedler? Sie lacht. "Ich weiß nicht, ob ich für die Verbandsspitze geeignet bin. Aber ich würde es sehr begrüßen, wenn es beim DFB im Vorstand und bei den Direktoren mehr Frauen geben würde. Und zwar auch Frauen, die nicht für ein typisches Frauenthema zuständig sind. Hannelore Ratzeburg hat da viel erreicht, aber sie ist für Frauen- und Mädchenfußball zuständig."

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