Saeid Fazloula (Foto: Imago, imago/Aleksandar Djorovic)

Sporthelden | Saeid Fazloula Kanute Saeid Fazloula: Flucht statt Gefängnis

Der Kanute Saeid Fazloula war erfolgreich. Er hatte alles in seinem Leben. Genügend Geld, eine Wohnung, ein Auto und viele Freunde. Er wollte nicht flüchten, doch er musste. Um nicht ins Gefängnis zu kommen, gab er alles auf – auch seine Familie.

Als dem heute 26 jährigen Iraner nach dem Besuch des Mailänder Doms während der Kanu-Weltmeisterschaften 2015 von seinem Heimatland vorgeworfen wurde, er wolle zum Christentum konvertieren und er deshalb sogar kurzzeitig im Gefängnis saß, verhalf ihm sein Vater mit Hilfe eines Schleusers zur Flucht.  Es war für den Sportler die einzige Alternative zu Freiheit.

 "Das war meine schlimmste Situation in meinem Leben. Ich habe viele Menschen gesehen, auch viele tote Menschen. Viele Kinder und viele alte Menschen. 2015 war einfach ganz schwer. Ganz, ganz schwer."

Dauer

Drei Jahre ist Saeid Fazloula nun in Karlsruhe - glücklich, wie er sagt. Auch wenn er seine Familie vermisst. Doch er ist angekommen, auch dank der Hilfe seines Kanuvereins, der Rheinbrüder Karlsruher und dem Bundestrainer des Deutschen Kanuverbandes Detlev Hofmann, der ihm von Anfang an zur Seite stand.

"Da kommt jemand, der braucht deine Hilfe und das haben wir hier in unserem Verein alle sofort gemerkt und Saeid selbst spricht auch immer davon, wir sind seine Familie", so der Bundestrainer.

Saeid Fazloula feiert mit seinem Trainer Weihnachten

Im Iran war Saeid Fazloula schon ein erfolgreicher Paddler, aber durch die Rheinbrüder Karlsruhe gelang ihm der Sprung an die Weltspitze. Im Juli dieses Jahres wurde er bei den Weltmeisterschaften in Portugal Achter im Zweier. Fuhr für Deutschland, auch wenn er noch nicht deutscher Staatsbürger ist. Seit Mitte Oktober macht er in einem Karlsruher Fitnessstudio eine Ausbildung zum Sport – und Fitnesskaufmann. Verdient nun sein eigenes Geld, ist vollkommen integriert und beliebt. Und an Weihnachten?

"Da gehe ich zu meinem Trainer und wir feiern zusammen und ich bekomme auch Geschenke, das freut mich", so Saeid Fazloula, der mit dem deutschen Weihnachtsfest aufgrund seiner Religion eigentlich nichts zu tun hat. Dennoch freut er sich über das familiäre Fest. Seine Familie hat er seit seiner Flucht übrigens nur einmal kurz gesehen – zu einem Wettkampf in Belgrad konnten seine Mutter und seine Schwester kommen. Seinen Vater hat er seit drei Jahren nicht mehr gesehen. Da eine Rückkehr in sein Heimatland nahezu unmöglich ist gibt es für Saeid Fazloula jetzt nur noch ein Ziel. Er hofft auf die deutsche Staatsbürgerschaft, um dann für Deutschland an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio teilzunehmen.

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