Landesligist FT Kirchheim wirbt auf der Brust mit dem Eroscenter "Bienenstock" (Foto: SWR)

Fußball | Landesliga Streit um Bordell-Werbung auf Kirchheimer Landesliga-Trikots

Der Fußball-Landesligist Freie Turner Kirchheim wirbt auf seinen Trikots für ein Heidelberger Bordell. Für die Stadt Heidelberg und den badischen Fußballverband ein grobes Foul.

Philipp Richter ist immer auf der Suche nach einer Einnahmequelle für den Landesligisten. Und die hat der Geschäftsführer des FT Kirchheim bei einem Heidelberger Bordell-Betreiber gefunden. Der passionierte Triathlet hat beim "HeidelbergMan" gesehen, dass ein Teilnehmer für den "Bienenstock" Werbung macht. Daraufhin hat Richter das im Verein abgeklärt und dann das Eroscenter kontaktiert. "Neue Bälle müssen angeschafft werden, Hallenzeiten müssen finanziert werden, wir wollen den Jugendbereich ausbauen. Die Zuschauer werden immer weniger, weil die Bundesliga permanent übertragen wird. Entsprechend muss man um jeden Euro kämpfen."

SV Sandhausen warb auch mit dem "Bienenstock"


Anfang 2016 warb auch der Zweitligist SV Sandhausen mit den Schriftzügen "Bienenstock Eroscenter" auf Banden am Spielfeldrand und auf dem Stadionheft. Aufgrund der überraschenden umfangreichen Berichterstattung der Medien beendete der SVS damals das Experiment, "einem nicht alltäglichen Partner eine Werbemöglichkeit zu bieten".

Vor diesem Hintergrund haben die Kirchheimer die Rechtslage geprüft und waren ganz erstaunt, das sich Mitte vergangenen Jahres der Badische Fußballverband (BFV) meldete. "Nach den allgemeinverbindlichen Vorschriften über die Beschaffenheit und Ausgestaltung der Spielkleidung, ist Werbung auf der Spielkleidung gestattet, aber durch den zuständigen Landesverband zu prüfen und zu genehmigen. Dabei darf die Werbung nicht gegen die allgemein im Sport gültigen Grundsätze von Ethik und Moral verstoßen. Die Trikotwerbung der FT Kirchheim widerspricht nach dem allgemeinen Verständnis des Verbandes den Grundsätze von Ethik und Moral."

Philipp Richter verweist gegenüber SWR Sport darauf, dass "ethisch und moralisch nicht genauer definiert ist in der Satzung. Weil Tippspiele, Alkoholwerbung und Zigarettenwerbung könnten darunter ja auch fallen." Es würde zwar stimmen, dass sich die Vereine die Trikotwerbung vom Verband genehmigen lassen müssen, in der Praxis würde das aber so gut wie keine Anwendung finden.

Stadt und Verband ziehen an einem Strang

Die Stadt Heidelberg argumentiert ganz im Sinne des Verbandes: "Die Werbung für ein Eroscenter durch die FT Kirchheim sorgt bei der Stadt Heidelberg für große Verwunderung und Unverständnis. Die Stadt Heidelberg hat sich zum Ziel gesetzt, aktiv gegen Werbung für sexistische und jugendgefährdende Inhalte vorzugehen. Werbung für ein Eroscenter hat im Amateurfußball nichts verloren. Die Stadt Heidelberg hat daher den Verein aufgefordert, die Werbung für das Eroscenter zukünftig zu unterlassen."

Inzwischen ist der FT Kirchheim in persona von Philipp Richter zu Zugeständnissen bereit. Die Werbebande im Stadion werde, wie von der Stadt gewünscht, abmontiert und der Schriftzug "Eroscenter" ist bereits auf dem Trikot entfernt worden. Dem Verband geht das aber nicht weit genug: "Sollte die Trikotwerbung ohne Genehmigung des Verbandes weiterhin verwendet werden, kann ein Verfahren eingeleitet werden."

Kondom-Affäre in der Saison 1987/88

Anfang Februar wollen Verein, Stadt und Verband sich zusammensetzen und versuchen, eine Lösung zu finden. Es ist anzunehmen, dass der Fall ähnlich ausgehen wird wie in der Saison 1987/88, als der FC Homburg mit dem Kondom-Hersteller "London" auf der Brust werben wollte: Der DFB verhängte 50.000 DM Geldstrafe und die Saarländer mussten den Schriftzug schwarz überkleben.

Der FC Homburg hat 198788 für einen Kondom-Hersteller geworben (Foto: Imago, imago sportfotodienst)
Der FC Homburg hat 1987/88 für einen Kondom-Hersteller geworben Imago imago sportfotodienst
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