Saeed Mollaei im Kampf für den Iran (Foto: Imago, kyodo)

Judo | Hintergrund Nach Mollaei-Skandal: Weltverband schließt Irans Judoka aus

Saeid Mollaei, der in der Judo-Bundesliga für Esslingen startet, war während der WM in Tokio vom iranischen Verband bedroht worden. Jetzt hat der Judo-Weltverband IJF den Iran komplett gesperrt.

Iran war zuvor bis zu einem endgültigen Urteil provisorisch suspendiert worden. Die Iraner können nun gegen den Ausschluss Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS einlegen. Der Weltverband begründete seine Entscheidung mit einem Verstoß der Iraner gegen den IJF-Ethikcode und die Olympische Charta.

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22:05 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Titelverteidiger Mollaei hatte bei der WM nach eigener Aussage absichtlich verloren. Er hatte berichtet, er sei von seinem Verband mit Drohungen gegen ihn und seine Familie gezwungen worden, im Halbfinale absichtlich dem Belgier Matthias Casse zu unterliegen, um im Finale nicht gegen den Israeli Sagi Muki antreten zu müssen.

Iran bezichtigt Mollaei der Lüge

Der iranische Judoverband hatte in einer Stellungnahme hingegen erklärt, alle Erklärungen Mollaeis seien falsch und seien gemacht worden, um seinen Staatsangehörigkeitswechsel zu beschleunigen. Der Judo-Weltverband IJF hingegen stellte fest, es bestehe kein Zusammenhang zwischen den Aussagen des Weltmeisters von 2018 und seinem Wunsch, die Staatsangehörigkeit zu wechseln. Außerdem benannte die IJF einen Zeugen, der die Behauptungen Mollaeis stützten.

Der Iran ist damit von allen Wettbewerben sowie von jeglicher Mitbestimmung in der IJF ausgeschlossen. Der iranische Verband hatte bereits die vorläufige Sperre kritisiert. "Ich denke, die Suspendierung des iranischen Judos war ein lang geplantes Szenario, und leider war einer unserer Athleten jetzt darin involviert", sagte Verbandspräsident Arash Miresmaeili der iranischen Nachrichtenagentur IRNA. Die Entscheidung sei "unfair".

Rückendeckung für Mollaei durch Freunde und IJF

Mollaei hält sich derzeit im Großraum Mannheim auf, wo auch seine deutsche Freundin und deren Familie leben. In der Judo-Bundesliga kämpfte der Iraner in dieser Saison für den KSV Esslingen. Am vergangenen Wochenende belegte er mit seinem Team bei der Bundesliga-Endrunde Rang zwei.

IJF-Präsident Marius Vizer gab dem Athleten Rückendeckung und stellte ihm in Aussicht, bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio im Flüchtlingsteam des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) antreten zu können. Die Entscheidung darüber liegt in den Händen des IOC und dessen Präsidenten Thomas Bach.

REDAKTION
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