Granulat wirbelt beim Fußball in die Luft  (Foto: SWR)

Hintergrund | Umwelt Mikroplastik: Die Gefahr im Kunstrasen

Kunstrasenplätze sind kostengünstig, ganzjährig bespielbar und leicht zu pflegen. Für die Umwelt ist das darauf verstreute Gummi-Granulat jedoch eine tonnenschwere Belastung.

Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts sind Sportplätze die drittgrößte Quelle für Mikroplastik in Deutschland. Den größten Anteil daran haben vor allem die Fußball-Kunstrasenplätze. Den Wissenschaftlern zufolge gelangen in Deutschland dadurch jährlich rund 11.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Das ist sieben Mal so viel wie durch die oft kritisierte Kosmetikindustrie.

Kleine Körnchen – großes Problem

Das Problem der Kunstrasenplätze liegt weniger in den Plastikgrashalmen, sondern vielmehr im Kunststoffgranulat, mit dem der Rasen aufgefüllt wird. Diese Füllung hat eine ähnliche Funktion wie Erde auf natürlichen Plätzen, sie dämpft und schützt Spieler vor Verletzungen. Auf jedem Quadratmeter landen im Schnitt fünf Kilo Gummigranulat - auf einem ganzen Fußballplatz liegen etwa 35 Tonnen. Das Granulat muss immer wieder nachgefüllt werden, um Löcher zu stopfen. Vom Platz geraten die Körnchen durch Wind und Wetter in die angrenzende Umwelt. Außerdem bleiben viele der kleinen Plastikstücke an der Kleidung der Spieler haften und gelangen nach dem Waschen ins Grundwasser.

Sportverbände suchen nach Lösungen

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) und beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) hat man dieses Problem mittlerweile auch erkannt. Beide Verbände haben in einer gemeinsamen Stellungnahme im Mai die Verantwortung und die Einflussmöglichkeiten des Sports für die Umwelt betont: "Der DOSB und der DFB setzen sich gemeinsam dafür ein, dass Sportanlagen möglichst umweltfreundlich betrieben werden. Beide Sportorganisationen sind sich bewusst, dass der Sport einen Beitrag leisten kann, um die Umweltverschmutzung durch (Mikro-)Plastik zu reduzieren." Dazu wurde eine Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern und Sportfunktionären gegründet, die sich dem Thema widmet. Konkrete Maßnahmen sind bisher aber nicht ergriffen worden.

Verbot von Mikroplastik: Was sind die Alternativen?

Prof. Dr. Franz Brümmer ist Teil dieser Arbeitsgruppe. Der Biologieprofessor und Vorsitzende der Kommission für Sport und Umwelt des Landessportverbandes in Baden-Württemberg sieht keine Zukunft des Gummigranulats im Sport: „Es muss möglich sein, einen Naturstoff zu finden, der die gleichen Eigenschaften wie Gummigranulat hat und die gleiche Qualität des Rasens sicherstellt.“

Womöglich gibt es in Zukunft auch keine andere Möglichkeit mehr: Die Europäische Union plant ein Verbot von Mikroplastik ab 2022. Danach dürfte kein neues Gummigranulat mehr auf Sportplätzen verwendet oder nachgefüllt werden. Die Sportverbände bitten jedoch um eine Übergangszeit von sechs Jahren, damit eine Suche nach natürlichen Alternativen möglich ist.

Eine dieser Alternativen wäre ein natürlich abbaubares Korkgranulat, wie es beispielsweise Zweitligist Greuther Fürth bereits benutzt. Allerdings weist Kork nicht dieselben Spieleigenschaften wie Gummi auf und ist außerdem deutlich teurer. Daneben wäre auch ein Hybridrasen aus Kunst- und Naturrasen denkbar, der allerdings im Winter einfrieren könnte und damit den größten Vorteil eines Kunstrasenplatzes, die ganzjährige Bespielbarkeit, verlieren würde. Auch wären Sandfüllungen möglich, jedoch besteht damit eine höhere Verletzungsgefahr und der Unterschied des Ballverhaltens zum Naturrasen wäre größer.

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