Polizeieinsatz bei einem Bundesligaspiel des VfB  (Foto: Imago, imago/Sportfoto Rudel)

Fußball | Interview SWR-Rechtsexperte Bernd Wolf zur Entscheidung

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Tür geöffnet für eine Kostenbeteilung der Bundesliga an Polizeieinsätzen bei Risikospielen. SWR-Rechtsexperte Bernd Wolf gibt im Interview mit SWR Sport eine Einschätzung.

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Heißt das: künftig müssen die Profivereine sich an den Kosten für den Mehrbedarf an Polizei beteiligen?

"Die Grundsatzfrage ist geklärt: Ja, die Deutsche Fußballliga DFL darf zu Mehrkosten bei Hochrisikospielen herangezogen werden. Das Bremische Gebührengesetz, aufgrund dessen der Stadtstaat Bremen die gut 400.000 Euro von der DFL eingefordert hat, ist nicht verfassungswidrig, wie von DFL behauptet. Es steht mit Bundesrecht in Einklang, dass grundsätzlich Gebühren für kommerzielle Hochrisikoveranstaltungen erhoben werden dürfen. Denn: der Veranstalter hat einen wirtschaftlichen Nutzen davon , einen Sondervorteil, wenn die Spiele im Stadion friedlich bleiben, aber auch am Bahnhof oder auf dem Weg um Stadion die Polizei für Ruhe sorgt. Und noch was: Ja, das Land kann auch die DFL verklagen, muss also nicht an den Verein gehen. Die DFL hat ja behauptet, die Vereine seien Veranstalter, nicht sie als Verband. Doch beide Akteure sind Veranstalter, das Land Bremen durfte es Werder Bremen und der DFL überlassen, wie sie sich intern einigen."

"Ich hoffe, die DFL erkennt, dass sie dieses Spiel verloren hat"

Ulrich Mäurer, Innensenator des Bundeslandes Bremen
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Wieso hat das Bundesverwaltungsgericht dann doch nicht abschließend geurteilt?

"Da geht es nur um die Höhe des Gebührenbescheides für das Spiel Bremen-Hamburger SV im Jahr 2015. Das Oberverwaltungsgericht muss noch mal hineinschauen, ob die Kosten für die vielen ganz schlimmen Hooligans, die auch eingebuchtet wurden von der Polizei, auch vom polizeilichen Mehraufwand gedeckt sind oder nicht. Denn, auch das hat das Gericht klargemacht: die Gebührenbescheide dürfen nicht willkürlich sein, und es darf auch keine Kostenüberdeckung zu Lasten der DFL geben."

Was könnte sich jetzt für die BuLi-Vereine oder die DFL ändern?

"Rechtlich betrachtet könnte jedes Bundesland mit einem Erst- oder Zweitligisten entsprechende Gebührengesetze erlassen, um die Vereine oder die DFL zur Kostenerstattung heranzuziehen. Für Dritte Liga und die Regionalligen siehts etwas anders aus, weil die unter DFB-Flagge spielen. Ob die Länder das tun werden ist noch fraglich. Neben Bremen hat nur Rheinland-Pfalz Verständnis gezeigt.

Im politischen Raum könnte es einen neuen Anlauf für eine Fondslösung geben. Obwohl auch da die DFL gesagt hat: freiwillig zahlen wir auch nicht. Einige Innenminister haben die Kostenbeteiligung ja abgelehnt, in Bayern auch Joachim Herrmann von der CSU. Wobei es sich gerade da mit dem großen FC Bayern im Lande mit vielen Hochrisikospielen lohnen würde. Kostenbeteiligung wäre sicher anständig. In Frankreich, England und Italien bezahlt übrigens der jeweilige Ligaverband.

Und man darf auch nicht vergessen: 90 Prozent befragter Deutscher sind für Kostenbeteiligung der DFL. Die erzielt über vier Milliarden Euro Erlöse, lehnt das aber ab."

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