Schiedsrichter - Symbolbild (Foto: Imago, Norbert Schmidt)

Fußball | Hintergrund Schiedsrichter-Mangel im Südwesten

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Immer weniger Menschen lassen sich zum Schiedsrichter ausbilden. Das Hauptproblem: mangelnder Respekt. Alleine im Südwesten fehlen etwa 500 Unparteiische - mit Folgen für unterklassige Amateurclubs.

Die deutsche Amateurfußball-Szene hat ein Schiedsrichter-Problem: Immer weniger Menschen lassen sich zum Spielleiter ausbilden, mit der Folge, dass viele Partien nicht besetzt werden. Mehr als 500 Schiedsrichter fehlen dem Südwestdeutschen Fußballverband (SWFV), wie Erhard Blaesy, Schiedsrichterausschuss-Vorsitzender, erklärt. Die Gründe für den Mangel sind vielfältig, das Hauptproblem: fehlender Respekt vor den Unparteiischen. "Sich auf den Platz zu stellen und sich beschimpfen zu lassen - unter Umständen noch tätlich angreifen zu lassen - für ein paar Euro Spesen, die sie bekommen, da ist kaum mehr einer bereit, das zu machen. Vor allen Dingen nicht von den jüngeren Leuten", so Blaesy.

"Schmerzgrenze häufig überschritten"

Zwar hat es schon immer Unzufriedenheit mit den Entscheidungen der Schiedsrichter gegeben, die Art und Weise des Protests habe sich in den vergangenen Jahren allerdings verschärft: "Es gab früher diese Schmerzgrenze, wo die Spieler gemerkt haben: Bis hierhin und nicht weiter. Diese Grenze wird heute häufig überschritten", bemerkt Blaesy. Was potenziell Interessierte zudem abschreckt, sind die schlechten Aufstiegschancen. Einige wenige Schiedsrichter pfeifen in den Profi-Ligen vor Tausenden von Zuschauern, der Großteil steht jedoch ehrenamtlich bei unterklassigen Vereinen auf dem Rasen. "Wir haben bundesweit vielleicht 50.000 Schiedsrichter, im Männer-Bereich gibt es 20/22, die in der ersten Bundesliga pfeifen", weiß Blaesy.

Dauer

Heimat-Vereine bestimmen "Aushilfsschiris"

Für viele Vereine stellt der Schiri-Schwund ein großes Problem dar, was zur Folge hat, dass sie oft keine Spielleiter mehr stellen können. In der C-Klasse Birkenfeld im Kreis Nahe beispielsweise muss in der aktuellen Spielzeit vollständig auf "richtige" Schiris verzichtet werden. Stattdessen wird auf Unparteiische ohne fachgerechte Ausbildung zurückgegriffen, die vom jeweiligen Heim-Verein bestimmt werden. "Vielleicht ist hier und da mal eine Situation, wo man den Unterschied merkt. Dennoch kann man froh sein, für jeden, der sich da zur Verfügung stellt", so Amateur-Fußballer Kai Scholz, der beim SV Oberhausen kickt.

Argument der Persönlichkeitsentwicklung

Doch wie kann der Negativ-Trend aufgehalten werden, wie macht man das Schiri-Amt wieder attraktiver? Was junge Menschen überzeugen könnte, ist das Argument der Persönlichkeitsentwicklung. Das sieht auch Spielleiter Jan-Erik Breuer so: "Wenn ich jetzt mal schaue: die letzten fünf Jahre, wo wir neue Schiedsrichter bekommen haben. Junge Kerlchen, die den Mund nicht aufbekommen und dann, nach drei, vier Jahren richtig lebendig werden und richtig schön mitsprechen. Da merkt man: Die haben in der Persönlichkeit eine richtig gute Entwicklung genommen." Zum Anderen sollten aber auch Amateur-Fußballer und Zuschauer ihren Umgang mit den Unparteiischen überdenken.

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