Fußballer Daniel Engelbrecht (Foto: Imago, Pressefoto Rudel)

Fußball | Gesundheit Engelbrecht: "Beim Herz geht es um Leben und Tod"

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Der plötzliche Herztod von Davide Astori (31), Kapitän des AC Florenz, hat die Fußballwelt schockiert. Daniel Engelbrecht, ehemaliger Profi der Stuttgarter Kickers, hat selbst drei Mal eine schwere Herzattacke überlebt. Der 27-Jährige fordert daher intensivere Untersuchungen.

Den 20. Juli 2013 wird Daniel Engelbrecht nie vergessen. Beim Drittliga-Spiel gegen RW Erfurt bricht der damalige Stürmer der Stuttgarter Kickers ohne Fremdeinwirkung plötzlich zusammen. Bei ihm werden Herzrythmusstörungen und eine Herzmuskelentzündung festgestellt. Dennoch setzt der Profi seine Karriere fort. Engelbrecht wird der erste deutsche Profifußballer, der mit einem eingepflanzten Defibrillator spielt. Drei Mal bewahrt dieser eingebaute Lebensretter ihn vor dem Tod. Im SWR-Gespräch fordert er intensivere Herzuntersuchungen für Fußballprofis.

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SWR Sport: Kaiserslauterns Trainer Jeff Strasser musste wegen Herzrhythmusstörungen seinen Job aufgeben, Davide Astori starb mit 31 Jahren den plötzlichen Herztod. Was macht das mit Ihnen, wenn Sie solche Nachrichten hören?

Daniel Engelbrecht: "Das schockiert mich jedes Mal. Ich weiß ja genau, was in den Menschen vorgegangen ist. Ich kann genau nachvollziehen, wie Davide Astori gespürt hat, dass sein Herz aufgehört hat zu schlagen. Dass er langsam das Bewusstsein verloren hat und spürte, jetzt gehen zu müssen. Er hatte leider nicht das Glück, dass er wieder zu sich gekommen ist oder einen Defibrillator hatte."

Welche Konsequenzen sollte man aus diesen schlimmen Vorfällen ziehen?

"Man müsste das Herz viel intensiver untersuchen. Das ist kein Knochenbruch, der nach einiger Zeit wieder ausgeheilt ist. Beim Herz geht es um Leben und Tod. Wenn ein Spieler von einem Verein verpflichtet werden soll, müsste bei jedem Medizincheck das Herz komplett untersucht werden - und zwar nicht nur per Ultraschall, sondern auch per MRT (Magnetresonanztomographie, d. Red.). Außerdem sollte unbedingt ein Defibrillator am Spielfeldrand stehen."

Warum hört oder liest man so wenig über das Thema?

"Im Profisport herrscht ein unglaublicher Druck. Selbst wenn da mal was beim Training passieren würde, dann wird das eher unter den Teppich gekehrt, damit dem Verein und dem Spieler nicht geschadet wird. Über mich war nach meinem Zusammenbruch in den Medien zu lesen, dass ich Herzprobleme habe. Als ich damals die Stuttgarter Kickers verlassen habe, hörte ich von jedem interessierten Verein: "Ach, das ist doch der mit den Herzproblemen." Sportlich wäre ich für sie zwar interessant gewesen, aber den Klubs war das Risiko zu groß, dass sowas wieder passieren könnte."

In den vergangenen Monaten hatte die Influenza halb Deutschland im Griff. Trotz Grippe haben sich dennoch viele Menschen zur Arbeit geschleppt. Wie häufig wird im Fußball trotz Grippe trainiert?

"Oft. Ich war früher auch so ein Verrückter, der immer zum Training gegangen ist - egal, ob ich erkältet war oder mich nicht gut gefühlt habe. Der Druck im Fußball wird aber auch immer größer. Es wird immer mehr gefordert von den Spielern, die Nachwuchsabteilungen schießen immer mehr talentierte Kicker rein. Das Angebot an guten Spielern wird immer größer, aber die freien Plätze werden ja nicht mehr. Da kann sich keiner einen Ausfall leisten. Deshalb trainieren viele trotz Grippe und hoffen, dass es schon gut geht."

Bei Ihnen ist es nicht gut gegangen...

"Nein. Ich werde es mein Leben lang bereuen, dass ich damals in Stuttgart offensichtlich mit einer Grippe trainiert habe. Ich muss mein Leben lang dafür bezahlen."

Wie geht es Ihnen heute sportlich und gesundheitlich?

Ich hatte vor dieser Saison bei RW Essen unterschrieben. Den Belastungstest hat mein Körper auch gut überstanden. Aber am Tag danach bin ich beim Training wieder zusammen gebrochen. Seitdem bin ich wieder raus aus dem Geschäft. Also seit acht Monaten. Mittlerweile habe ich den Trainerschein (B-Lizenz) gemacht und hospitiere momentan bei der U19 von Bayer Leverkusen. Aber im Dezember will ich dann noch mal einen Versuch starten, um wieder auf den Platz zu kommen."

Im Ernst? Sie wollen trotz Ihrer Vorgeschichte noch mal kicken?

"Naja. Meine Freunde und Bekannten halten mich auch für bekloppt. Sie sagen: "Lass es endlich sein!" Auch die Ärzte haben mir schon mehrmals geraten, aufzuhören. Sie meinen: "Irgendwann kippst du um, der Defibrillator schockt dich und dann bleibst du tot!" Aber das ist leichter gesagt als getan. Ich werde ja nichts über's Knie brechen. Jetzt schone ich mich erst mal. Und im Dezember schaue ich dann, wie es meinem Körper geht."

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