Roger Wittmann (Foto: Imago, Joachim Sielski)

Fußball | Spielerberater Die Geschäfte des Roger W.

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Seine Arbeit wird im Hintergrund erledigt. Angeblich hat er großen Einfluss. Parallel dazu genießt sein Berufstand einen zweifelhaften Ruf. Roger Wittmann ist Spielerberater – einer der einflussreichsten der Branche weltweit.

"Wer bei ROGON ist, will zu den Besten gehören. We take you to the Max." Kein Iota weniger ist der Anspruch von Mitbegründer Roger Wittmann und seiner rund 70 Mitarbeiter starken Firma ROGON. So zementiert und publiziert auf der Homepage der Berateragentur.

Der 58-Jährige ist seit Jahrzehnten im Geschäft, international bestens vernetzt und gilt in der Szene als ausgebuffter Profi. "Da wird eine Symbiose hergestellt zwischen Menschen und die ist überprüfbar ob der Spieler erfolgreich oder weniger erfolgreich ist", so Wittmann.

Wittmann eckt an. Zuletzt beim FC Schalke 04. Sein Klient Max Meyer hatte in der Boulevard-Presse Mobbing-Vorwürfe gegen den Bundesligisten geäußert. Darauf wurde der Spieler bis zum Saisonende vom Verein suspendiert. Wittmann sprang seinem Klienten bei Seite und beklagte höchstpersönlich im TV-Sender Sky eine mangelnde Wertschätzung für den im Sommer ablösefreien Nationalspieler bei Schalke und attackierte wortgewaltig dessen Sportvorstand Christian Heidel: "Heidel kann Weltklasse gar nicht beurteilen."

Apropos Weltklasse, mit Hochkarätern wie Julian Draxler (Paris Saint-Germain) und Roberto Firmino (FC Liverpool) hat Wittmann schon viel Geld verdient. Wenn er über den Kern seiner Arbeit spricht, wird Roger Wittmann äußerst pragmatisch. "Ja, wir handeln mit Menschen."

"Wir handeln mit Menschen"

Roger Wittmann, Spielerberater

Moderner Menschenhandel mit Millionenrendite. Für Wittmann ist das moralisch nicht im Geringsten verwerflich. Sein Anspruch ist, neben dem Profit, verantwortungsbewusst mit und für seine Kunden zu arbeiten:  "Ich habe immer wieder das Bedürfnis zu sagen, ich möchte den Besten finden. Es würde mir Freude bereiten, so einen zu finden, entwickeln, rauszubringen, begleiten zu dürfen und auch das menschliche Geschick von jemandem mit leiten zu dürfen. Das ist einfach was Besonderes."


In die Kritik kam er alle Jahre wieder mal, weil er es geschafft hat, bei Vereinen wie z.B. dem FC Schalke 04, der TSG 1899 Hoffenheim oder dem 1. FC Kaiserslautern mehrere Spieler aus seinem Portfolio gleichzeitig unterzubringen. Der häufigste Vorwurf dabei: Wittmann würde versuchen Einfluss auf die Transferpolitik von Vereinen zu nehmen.

FC Schalke 04

Mit Hilfe der Enthüllungsplattform "football leaks" veröffentlichte "der Spiegel" die Hintergründe um die Vertragsverlängerung anno 2013 von Julian Draxler, damals 19 Jahre alt, bei Schalke 04. Hier hat ROGON kräftig mitverdient. Anbei die Kurzversion: die Königsblauen überwiesen der Beraterfirma allein für die Verlängerung 1,2 Millionen Euro und 450.000 Euro für jede weitere Saison – netto versteht sich.

Außerdem ließ sich ROGON im Falle eines späteren Wechsels 15 Prozent der gesamten Transfersumme zusichern. In weiser Voraussicht. Als sich 2015 Draxler tatsächlich für ca. 36 Millionen Euro von Schalke zum VfL Wolfsburg veränderte, kassierte ROGON deshalb 5,4 Millionen Euro. Insgesamt hatte ROGON so rund 7 Millionen Euro an einem einzigen Vertrag verdient.

"Das entscheiden immer noch selbst die Vereine, wie viel Mitspracherecht sie zulassen"

Roger Wittmann, Geschäftsführer ROGON

Roger Wittmann hat in den letzten Jahren verhältnismäßig viele Spieler auf Schalke betreut. Mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ist er befreundet und auch sein Draht zum ehemaligen Manager Horst Heldt galt als sehr vertrauensvoll. Der antwortete in einer Sportclub Reportage des NDR im Jahr 2013 noch auf die Frage: wie viel Einfluss Spielerberater auf den Verein haben folgendermaßen: "Ich glaube das entscheiden dann immer noch selbst die Vereine, wie viel Mitspracherecht sie zulassen und wie viel sie nicht zulassen. Von daher denke ich, muss man da selbst bei sich anfangen, wenn man so was in Frage stellt."

Der Standpunkt von Roger Wittmann zu diesem Thema ist glasklar: "Der Spieler hat Leistung zu bringen und wir verwerten die Leistung. Unsere Rolle ist, das Beste was wir denken, gemeinsam mit dem Spieler, zu machen. Und das ist halt manchmal gegen die Interessen von jemand anders."

Vielleicht arbeitet der aktuelle Schalker Manager Christian Heidel restriktiver als sein Vorgänger? Vielleicht wird auch deshalb ROGON-Kunde Max Meyer nach dieser Saison kein Knappe mehr sein!?

TSG 1899 Hoffenheim

Auch bei den Hoffenheimern war und ist Roger Wittmann bestens vernetzt und zwar nach ganz oben. Wittmann und Mehrheitseigener Dietmar Hopp pflegen seit Jahrzehnten einen engen freundschaftlichen Umgang. "Man kann mit Freunden Geschäfte machen", so Hopp 2012 in der Rhein-Neckar-Zeitung. Ein sehr gutes Geschäft für beide Seiten waren sicher die Verpflichtungen von Carlos Eduardo (2007) und Luiz Gustavo (2008) für insgesamt acht Millionen Euro. Beim Verkauf der beiden, für insgesamt 37 Millionen, machten Verein wie Berater ihren Profit.

"Man kann mit Freunden Geschäfte machen"

Dietmar Hopp, Mehrheitseigner TSG Hoffenheim

Die Anzahl von ROGON-Spielern wurde insbesondere in der kurzen Amtszeit von Trainer Markus Babbel (10.02.12 – 03.12.12) intensiver beleuchtet. Damals haben sahen sich Hopp und Wittmann sogar genötigt, sich mit Fans von 1899 zu treffen um Irritationen auszuräumen. Mit Tobias Weis, Sejad Salihovic, Tim Wiese, Chris, Roberto Firmino, Joseph-Claude Gyau und Kevin Conrad standen damals gleich sieben Spieler von ROGON bei der TSG unter Vertrag.

Aktuell hat Roger Wittman mit Lukas Rupp, Nico Schulz, Stefan Posch, Robert Zulj, Meris Skenderovic, Maximilian Waack, Corey Anton und Benjamin Wallquist sogar acht Spieler unter Dach und Fach. Roger Wittmann hat übrigens in der Hoffenheimer Rhein-Neckar-Arena eine eigene Loge. Und wie es der Zufall oder ROGON will, ist auch Max Meyer bei 1899 für die neue Saison im Gespräch.   

1. FC Kaiserslautern

Auch beim aktuellen Zweitligaabsteiger hatte ROGON Anfang der Nullerjahre zahlreiche Spieler untergebracht. 2002 stürzte der FCK mit rund einem Duzend von Wittmann betreuten Profis, inklusive seinem ehemaligen Schwager Mario Basler, fast in die Insolvenz. Außerdem flossen unter dem damaligen Präsidenten Jürgen Friedrich stattliche Provisionen an die Beraterfirma.

So bezahlte der Verein in dieser Zeit rund 1,8 Millionen Euro allein für die Vermittlung von Christian Timm, Selim Teber und Markus Anfang.  Auf der FCK-Mitgliederversammlung 2002, die den Abgang von Friedrich und Co. perfekt machte, prangerte Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig als Aufsichtsrat die Provisionen für Wittmann an. Fast unnötig zu erwähnen, dass daraufhin der FCK-Vorstand nicht entlastet wurde.

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