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In der Pfalz geboren und beim 1. FC Kaiserslautern fußballerisch groß geworden. Aktuell erlebt Willi Orban mit der ungarischen Nationalmannschaft sein erstes großes Turnier. FCK Nachwuchstrainer Gunther Metz, wusste schon immer – der „Willi will’s wissen“.

Willi Orban ist Pfälzer durch und durch. In Kaiserslautern geboren und aufgewachsen, beim 1.FC Kaiserslautern fußballerisch ausgebildet und groß geworden. Wenn der 28-jährige Verteidiger spricht, hört man den pfälzischen Dialekt klar heraus. Ungarisch, die Muttersprache seines Vaters, spricht er nicht mehr so gut, er versteht aber alles. Die Kommunikation mit den Nationalteamkollegen klappt bestens. "Die Mitspieler helfen mir, wenn ich etwas nicht verstehe. Zumal wir unter den Bundesliga-Spielern meistens Deutsch sprechen und der Trainer die Ansprachen auf Englisch hält“, erklärte der Defensivmann von RB Leipzig im Interview mit Sport BILD.

Entscheidung für Ungarn zu spielen

Erst mit 26 Jahren gab Orban sein Debüt für die ungarische Nationalmannschaft. Eine späte Entscheidung, aber sein früherer U19-Trainer beim 1. FC Kaiserslautern, Gunther Metz, glaubt, "dass er sich irgendwann die Frage gestellt hat, wie weit wird es reichen für Deutschland? Habe ich Chancen in die A-Nationalmannschaft zu kommen. Das wird er abgewogen haben und sich dann entschieden haben, in Ungarn kann ich vielleicht eine sichere Rolle spielen. Wenn du die Möglichkeit hast, eine Europameisterschaft zu spielen, dann ist das eine tolle Sache. Und dann war seine Entscheidung auch richtig."

EM bislang mit Licht und Schatten

Ungarn startete mit einer 0:3-Niederlage gegen Portugal in die EM. Abwehrchef Willi Orban hatte mit einem abgefälschten Schuss und einem verursachten Foulelfmeter maßgeblich Anteil an der Auftaktpleite, zeigte aber über die meiste Zeit des Spiels trotzdem eine starke Leistung. Auch gegen Frankreich unterlief ihm vor dem Ausgleich des Weltmeisters ein Fehler. Sein Klärungsversuch misslang und landete unglücklich vor Antoine Griezmann, der zum 1:1-Endstand traf. Für Gunther Metz kein Grund, Orban zu hinterfragen. "Ich glaube, das, was er im zweiten Spiel gezeigt hat, diese Präsenz und die Stärke, die Mannschaft mitzuführen, das ist das, was er kann. Das wird er auch gegen Deutschland wieder zeigen."

"Willi ist sehr ehrgeizig"

Ungarns Kapitän und Orbans Teamkollege in Leipzig, Péter Gulácsi, hebt die Wichtigkeit des Innenverteidigers hervor: "Willi ist sehr ehrgeizig, sehr fokussiert, sehr zuverlässig. Er ist ein absoluter Leader und für mich eine wichtige Person. Es ist ein großer Vorteil, dass wir auch in Leipzig zusammenspielen." So hat ihn auch Gunther Metz in Kaiserslautern erlebt. Er und Orban standen gemeinsam im Endspiel 2011 um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft. "Willi war damals schon von seiner Persönlichkeit sehr weit. Das zeichnet ihn auch heute aus. Er hat sich in Leipzig, in einer sehr starken Mannschaft, immer wieder behauptet und eine Führungsrolle übernommen. Er hat eine gewisse Ruhe, er hat eine brutale Zweikampfstärke, ein sehr gutes Kopfballspiel und ist ein Teamplayer. Das zeichnet ihn alles aus", schwärmt der 53-Jährige auch heute noch im Interview mit SWR Sport.

Der Ex-Klub bleibt im Herz, trotz Anfeindungen

Willi Orban ist ist bei RB und auch in der Stadt Leipzig total angekommen. Sechs Jahre sind seit seinem, mit vielen (unschönen) Nebengeräuschen begleiteten, Transfer aus der Pfalz vergangen. Vor allem die FCK-Fans nahmen ihm seinen Wechsel zum ungeliebten "Retortenclub" in den Osten sehr übel. Orban galt als einer von ihnen. Als Pfälzer Bub mit großem Talent ruhten die Hoffnungen auf ihm. Orban hätte seinem Heimatverein auch gerne die Treue gehalten, "aber das ließ sich mit meinen sportlichen Ambitionen leider nicht vereinbaren", gibt er zu. Dass die Reaktionen der Lauterer Anhänger heftig ausfallen würden, war ihm klar. "Ich stand bei Lautern jahrelang selbst in der Kurve und wusste über die Meinung der Fans zu RB Leipzig Bescheid", verriet er dem Internetportal Spox. Trotzdem verfolgt der 28-Jährige weiter mit großer Aufmerksamkeit und Spannung die Geschehnisse auf dem Betzenberg. Langfristig gehöre Kaiserslautern auch wieder in die Bundesliga, findet er.

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