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Der Corona-Lockdown trifft natürlich auch den Amateursport hart. Bereits seit Anfang November dürfen zum Beispiel fußballbegeisterte Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz nicht mehr trainieren oder spielen. Aber selbst wenn es erlaubt wird: Der Weg zurück auf den Platz wird nicht ganz leicht.

Seit drei Monaten ist Ruhe auf den Fußballplätzen in Deutschland. Im Amateurbereich darf unterhalb der Regionalliga niemand kicken, auch nicht die Jugendmannschaften. Wann es weitergeht ist unklar, man muss auf die Politik warten. Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland steht trotzdem hinter den Maßnahmen: "Wir wollen jetzt nicht irgendwelche besonderen Vergünstigungen oder sonst irgendetwas einforden. Es ist einfach mal so und man muss jetzt glaube ich den Durchhaltewillen haben." Desch hofft, dass es rund um Ostern in Kleingruppen weitergehen darf.

Viel Stillstand in den Vereinen

Duchhalten müssen die Kinder- und Jugendlichen jetzt schon zum zweiten Mal. Patrick Izquierdo, Jugendleiter und Trainer beim SV Wiesenthalerhof in Kaiserslautern, tut etwas dagegen. Unter anderem opfert an jedem Wochenende seine Freizeit und bietet seinen Spielern Einzeltrainings an, um ihnen Abwechslung zu bieten. "Beim ersten Lockdown war der Vorteil: Die Kinder konnten raus in die Parks, die konnten auf die Straße, in den Garten", sagt Izquierdo. Jetzt aber sei die Situation noch schlimmer: "Die haben einen Bewegungsradius zu Hause: Badezimmer - Küche - Wohnzimmer - Schreibtisch - Sofa. Das war's. Die haben gar nichts mehr." Viele Eltern spiegeln Izquierdo wieder, dass die Kinder auch psychisch darunter leiden.

Behutsame Rückkehr ist wichtig

Diese Erfahrung macht auch Martin Imruck, Jugendleiter des 1.FC Nackenheim. In seinem Verein wird Onlinetraining angeboten. Anfangs zweimal in der Woche, inzwischen nur noch einmal, weil die Nachfrage nicht groß genug ist. Eine baldige Rückkehr auf den Platz wäre für ihn wichtig, muss aber vorsichtig passieren: "In den Videoeinheiten ist schon zu beobachten, dass viele der Kids auch mental sehr darunter zu leiden haben. Die machen sich natürlich auch ihre Gedanken. Wir haben viele denen das unangenehm ist, dass sie merken, dass sie nicht mehr so gut sind, wie sie vielleicht vor einem halben Jahr waren, weil einfach die Übung weg ist. Deswegen muss man da sehr behutsam vorgehen, dass da keiner den Eindruck hat, er hätte jetzt einen großen Rückstand den anderen gegenüber."

Imruck ist der Meinung, dass es erstmal irrelevant ist, ob die jeweilige Saison zu Ende gespielt werden kann oder nicht. Für ihn ist wichtig, die Gemeinschaft, die Verein und Mannschaftssport ausmacht, nach der langen Pause wieder zu festigen. Bei den jüngeren Kindern macht er sich wenig Sorgen, aber gerade die Jugendlichen hätten mehr Möglichkeiten sich andere Beschäftigungen zu suchen. Dort müsse man nach dem Lockdown erstmal durchzählen, wie viele den Weg zurück finden. Bisher ist sein Verein aber noch nicht von vielen Austritten geplagt. Imruck hofft genauso auf eine baldige Rückkehr auf den Platz, wie Patrick Izquierdo. Denn das, was die Kinder und Jugendlichen jetzt verpassen, muss auch wieder aufgeholt werden. Bereits nach einem Monat ohne seine Einzeltrainings hat Izquierdo bei seinen Spielern schon Defizite bemerkt. Auf einem Bein stehen, das konnten vorher alle, aber "nach vier Wochen Pause hatten die wirklich Probleme damit dann auch still zu stehen auf einem Bein. Da war so ein Wackeln drin, weil das Muskelsystem rapide abbaut. Das ist nicht beansprucht." Izquierdo sieht das als großes Problem für die Rückkehr auf den Platz. Körperlich und auch emotional erwartet er, dass es dauern wird, bis alle wieder auf normalem Niveau sind.

Auch die beiden Jugendleiter sind der Meinung, dass es in der aktuellen Situation richtig ist, auf den Fußball zu verzichten, dass die Gesundheit vorgeht. Aber das, was zum Beispiel Patrick Izquiero mit seinen Einzeltrainings macht, können nicht viele ehrenamtliche Trainer leisten. Auch deswegen wünscht er sich mehr Unterstützung von zum Beispiel dem DFB. Denn bis die Trainer mit ihren Mannschaften wieder auf dem Platz stehen können, wird es wohl noch einige Wochen dauern.

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