Walter Frosch im Januar 1978 (Foto: imago images, imago sportfotodienst)

Fußball | Historie

Zigaretten, Ouzo und gelbe Karten: 70 Jahre Walter Frosch

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Walter Frosch war ein echtes Pfälzer Original. Und er war ein Fußballer, den es so kein zweites Mal gab. Die Presse nannte ihn "Treter der Liga", er selbst sagte: "Mein schwerster Gegner war immer die Kneipe." Am Samstag wäre Walter Frosch 70 Jahre alt geworden.

Mit heutigem Blick auf den Lebensstil von Walter Frosch ist es kaum vorstellbar, dass dieser Mann einmal Profifußball gespielt hat. Kettenraucher, Kneipen-Stammgast – das klingt eher nach Amateurliga als nach Profisport. Doch Walter Frosch bewies, dass man es auch mit einer nicht zwingend gesunden Lebensgestaltung ganz nach oben schaffen kann. Und er lieferte Geschichten, die ihn zu einer Legende machen. Auf und neben dem Platz.

So soll Frosch, damals in Diensten des 1. FC Kaiserslautern, am Abend vor einem wichtigen Spiel gegen Schalke 04 noch auf "ein paar Ouzo" zum Griechen gegangen sein. Der Abend endete nachts um 3:00 Uhr mit einem 400-Meter-Wettlauf gegen seine Kneipenkumpels. Frosch gewann, obwohl er seinen Gegnern 100 Meter Vorsprung ließ. Einsatz: Zehn Liter Freibier. Als Frosch nur etwa zehn Stunden später von FCK-Trainer Erich Ribbeck auf seine Augenringe angesprochen wurde, hatte Frosch schon eine Erklärung parat: "Bindehautentzündung." Ob er trotz durchzechter Nacht seine Leistung bringen konnte? Dazu später mehr.

Frosch macht sich beim SV Alsenborn einen Namen

Walter Frosch wurde am 19. Dezember 1950 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Fußballerisch machte er in der Regionalliga Südwest auf sich aufmerksam. Von 1970 bis 1974 spielte der gelernte Schornsteinfeger für den SV Alsenborn, seine rustikale Spielweise und sein furchtloses Auftreten sprachen sich schnell herum. Die Presse nannte ihn "Frosch, der Treter" oder "Treter der Liga", gegnerischen Spielern drohte er schon mal Schläge im Rückspiel oder Aufenthalte im Krankenhaus an. Er selbst empfand sein Spiel allerdings nicht als übermäßig hart. Drei seiner vier Platzverweise habe er zu Unrecht erhalten, so Walter Frosch in einem SWR-Porträt aus dem Jahr 1974.

Kurios wurde es im Winter 1974. Frosch wurde vom benachbarten 1. FC Kaiserslautern verpflichtet, doch der beinharte Verteidiger unterschrieb auch beim FC Bayern München einen Vertrag. Während sich die beiden Clubs um die Dienste des gebürtigen Ludwigshafeners stritten, reiste Frosch nach Mallorca, um das Ergebnis abzuwarten. Der DFB entschied zu Gunsten des FCK, sperrte Frosch aber erstmal für vier Monate.

"Standing Ovations, Froschi bester Mann"

Frosch absolvierte insgesamt 50 Pflichtspiele für die Roten Teufel, unter anderem jenes gegen den FC Schalke 04. Mit "Bindehautentzündung". Sein Gegenspieler: Schalke-Legende und Nationalspieler Erwin Kremers. Frosch hatte alles unter Kontrolle und fasste das Spiel nach dem Abpfiff wie folgt zusammen: "In den ersten Spielminuten habe ich den dreimal über die Bande gehauen, damit da Feierabend war. Der Nationalspieler wurde nach 18 Minuten ausgewechselt. In den letzten zehn Minuten bin ich noch fünfmal nach vorne gelaufen, habe immer geschrien, dass ich den Ball haben wollte, und war froh, dass ich nicht angespielt wurde. Die Fans waren begeistert. Standing Ovations, Froschi bester Mann."

Gelbe Karten ohne Ende

Im Sommer 1976 wechselte Walter Frosch zum FC St. Pauli in die 2. Bundesliga. Frosch wurde Stammspieler und hatte großen Anteil daran, dass die Mannschaft am Ende der Saison in die Bundesliga aufstieg. Berühmtheit erlangte Frosch in dieser Spielzeit vor allem dadurch, dass er gelbe Karten sammelte wie ein Philatelist Briefmarken.

Walter Frosch im Jahr 2008 (Foto: imago images, imago/Strussfoto)
Walter Frosch während der Hamburger Sportgala 2008 imago/Strussfoto

Als Frosch zwei Spieltage vor dem Saisonende bei 18 gelben Karten (eine andere Quelle berichtet von 19 gelben Karten, Anm. d. Red.) stand, zitierte ihn die Hamburger Presse mit den Worten: "Gegen Solingen und im letzten Spiel bei Wacker Berlin hole ich mir noch je eine Gelbe, dann bin ich auf 20, und das ist doch eine runde Sache, oder?" Dieses Ziel verfehlte Walter Frosch, dennoch hatte seine Sammelleidenschaft für gelbe Karten Folgen. Zur Saison 1979/1980 führte der DFB die Gelbsperre ein. Damals musste ein Spieler nach vier gelben Karten ein Spiel pausieren, heute nach fünf.

Derwall ruft – Frosch lehnt ab

Ebenfalls legendär ist eine Geschichte aus dem Jahr 1976. Der damalige Bundestrainer Jupp Derwall wollte Frosch in den Kader der B-Nationalmannschaft berufen, doch der Pfälzer lehnte ab. Begründung: "Ein Walter Frosch spielt nur in der A-Mannschaft oder in der Weltauswahl." An Selbstvertrauen mangelte es Frosch nie. Und auch nicht an Glimmstängeln.

60 Zigaretten am Tag

Nach eigener Aussage rauchte Walter Frosch auch zu seiner aktiven Profi-Zeit 60 Zigaretten am Tag. Sein ehemaliger Trainer in Kaiserslautern, Erich Ribbeck, sagte einst zu ihm: "Wenn Sie solider leben, könnten Sie viel höher spielen!" Doch Frosch konnte nicht anders, legendär ist seine Aussage: "Mein schwerster Gegner war immer die Kneipe."

Das zeigte sich auch nach seiner Karriere. Walter Frosch führte mehrere Gaststätten, unter anderem das Vereinslokal des SC Victoria Hamburg. Beim "Tag der Legenden" 2007 lief Frosch noch einmal im Stadion des FC St. Pauli auf. Seine wallende Mähne und sein buschiger Schnauzer waren unverkennbar, und auch ein weiteres Detail stach beim Ex-Profi heraus: Als Walter Frosch zu einem Interview an den Spielfeldrand kam, hatte er eine Packung Zigaretten dabei. Verstaut im Stutzen. Das anschließende Interview ist seit Jahren ein Hit auf sämtlichen Social-Media-Kanälen.

Walter Frosch lebte nach dem Motto "Niemals aufgeben". Doch sein Lebensstil blieb nicht ohne Folgen. Nach jahrelangem Kampf gegen eine Krebserkrankung mit mehreren Operationen verstarb Frosch am 23. November 2013 im Alter von 62 Jahren.

70 Jahre Walter Frosch

Viele Fakten und Erzählungen über das Leben von Walter Frosch sind belegt. Ob aber wirklich alle Geschichten exakt so stattgefunden haben, wie sie über die Jahre transportiert wurden, ist nicht mehr hunderprozentig nachzuvollziehen. Entscheidend ist, dass sie wahr sein könnten. Und so werden die Mythen und Legenden rund um das Pfälzer Original immer wieder erzählt werden. Besonders anlässlich des 70. Geburtstags, den Walter Frosch am 19. Dezember gefeiert hätte.

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