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Geisterspiele während der Corona-Pandemie sind dem Virologen Alexander S. Kekulé zufolge machbar. Aber wie sinnvoll wären sie und was bedeutet das für die Vereine aus dem Südwesten?

Am Donnerstag treffen sich die Vertreter der 36 Profivereine aus Bundesliga und 2. Liga virtuell zur wahrscheinlich entscheidenden "Corona-Sitzung". Diese könnte als eine der wichtigsten Versammlungen in die Geschichte des deutschen Fußballs eingehen. Wenn die Politik grünes Licht für die Austragung der verbleibenden neun Spieltage in Form von Geisterspielen geben soll, bedarf es eines schlüssigen Konzepts der DFL. Zu diesem Zweck muss der Fußball glaubhaft aufgezeigen können, dass keine Ansteckungsgefahr besteht und es durch den Fußballsonderfall keinen negativen Effekt für die Allgemeinheit gäbe.

Virologe Alexander S. Kekulé hält die mit den Geisterspielen verbundenen Probleme für lösbar

Als er Anfang März 14 Tage Corona-Ferien für alles nicht Systemrelevante empfahl, wurde er zunächst nur belächelt. Das öffentliche Leben liegt nun still, doch der durch die Coronakrise bekannt gewordene Virologe Alexander S. Kekulé (ein in Fachkreisen hochgeschätzer Experte), fährt mittlerweile einen anderen Kurs. Bei den Fußballprofis handle es sich um "medizinisch durchdeklinierte junge Männner", die laut dem deutschen Arzt nicht zur Risikogruppe gehören. Der Ligabetrieb soll nach aktuellem Stand am 9. Mai fortgesetzt werden. "Machbar ist es! Die Frage ist nur, ob wir ihnen den roten Teppich ausrollen wollen", so der 61-Jährige im MDR Podcast.

Der Experte schätzt das Infektionsrisiko bei Geisterspielen als gering ein. Das Personal sei bekannt und erfassbar, die sozialen Kontakte ließen sich ebenfalls gut kontrollieren. Ein Minimum wären Tests vor jedem Spiel. "Dabei muss nicht jeder Kameramann auf dem Spielfeldrand getestet werden. Wichtig ist, dass die Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden", erklärt Kekulé.

Saisonfortsetzung als Pilotprojekt

Der Virologe hält eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs sogar für sinnvoll: "Die Bundesliga zeigt uns, ob das Smart Distancing Konzept aufgeht. So würden unsere Athleten auch was für die Gemeinschaft tun."

Braucht man die Tests nicht in anderen Bereichen?

Laut DFL benötigt man für eine Beendigung der laufenden Fußballsaison um die 20.000 Tests. Die Kosten dafür liegen bei ungefähr vier Millionen Euro. Bei einer steigenden Testkapazität von derzeit 650.000 Tests pro Woche wäre das laut DFL vertretbar.

FSV Mainz 05 finanziell gut organisiert

Mainz 05 galt als einer der Vereine, der durch die Corona-Krise in Gefahr geraten könnte. Der kaufmännische Vorstand Jan Lehmann sagt jedoch: "Wir sind durch unsere drastischen Sparmaßnahmen auf alles vorbereitet, könnten jedes Szenario auch ohne Entlassungen wirtschaftlich bewältigen." Durch Gehaltskürzungen und Kurzarbeit spart der Verein demnach etwa zehn Millionen Euro.

In Freiburg rechnet man unerwarteten Spielergebnissen

Vincenzo Grifo vom SC Freiburg geht davon aus, dass es bei Geisterspielen "überraschende Ergebnisse geben wird, weil der Heimvorteil wegfällt". Jetzt käme es laut dem italienischen Nationalspieler auf Qualität an. Coach Christian Streich glaubt, "dass es für alle emotionalen Trainer schwierig wird, wenn man es gewohnt ist, auch mal herumzuschreien".

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