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Während die Regionalliga Südwest seit Dezember die Saison fortsetzt, wird in den Oberligen weiterhin nicht gespielt. Daraus ergibt sich eine verzwickte Situation. Dem Amateurfußball droht eine Klagewelle.

In den Oberligen Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz/Saar und Hessen ruht der Ball seit knapp fünf Monaten. Normalerweise würden aus diesen Ligen am Ende der Saison jeweils die Tabellenersten als Aufsteiger sowie die Tabellenzweiten für eine Aufstiegsrelegation in die Regionalliga Südwest abgestellt werden.

Das gestaltet sich in dieser Saison schwierig, denn in den drei Oberligen wurden teilweise nur acht Spieltage absolviert. In der nächsthöheren Regionalliga Südwest wird die Saison mit sechs vorgesehen Absteigern seit letztem Dezember weiterhin ausgespielt. Eine Zwickmühle: Denn die Absteiger würden normalerweise von vier Mannschaften aus den genannten Oberligen ersetzt.

Doch kann eine Oberligasaison mit acht Spieltagen gleich bewertet werden, wie eine Saison mit 42 Spieltagen in der Regionalliga?

Württembergischer Fußballverband erwägt Aufstieg

Ursprünglich gab es auf diese Frage eine klare Antwort. Zur Erklärung: Für jede der genannten Oberligen gibt es verschiedene Verbandsträger. In der Oberliga Baden-Württemberg sind das drei Fußballverbände (Württemberg/wfv, Baden/bfv, Südbaden/sbfv), die vor der Saison eine Spielordnung erstellen.

Für die Oberliga Baden-Württemberg gilt die Spielordnung des wfv, die vor dieser Saison geändert wurde und die besagt: "Bei einem Saisonabbruch unter einer 50%-Spielqoute, wird es in der Regel keine Auf-/Absteiger geben."

Der Zusatz "in der Regel" wurde vor dieser Saison hinzugefügt und könnte für chaotische Zustände sorgen. Denn dadurch hat der Verband in der Satzung ein juristisches "Hintertürchen" eingebaut.

Offener Brief sorgt für Spannung

Und genau darüber ärgert sich Rafael Kowollik in einem offenen Brief. Der von den Regionalligavereinen gewählte Ligasprecher handelt unabhängig von der Liga und vertritt die Interessen der Vereine in der Regionalliga. Der offene Brief ist im Namen "eines Großteils der Vereine" aus der Regionalliga an die Träger der Oberligen und der Regionalliga Südwest adressiert.

Anlass dafür ist eine kürzlich veröffentlichte Pressemitteilung des Württembergischen Fußball Verbands mit dem Titel "Aufstiegsmöglichkeiten in der Oberliga BW werden geprüft".

In der Erklärung des Verbands heißt es: "Durch die Absteiger aus der Regionalliga, sind anders als auf Verbandsebene, die Grundlagen für einen Aufstieg in die der Regionalliga Südwest nachgeordneten Oberligen gelegt".

Kritik an Verband

In dem offenen Brief kritisert Kowollik daher die Verbände scharf. Zentral geht es um die Frage. "Warum es plötzlich für die Oberligen und Regionalligen fragwürdige Ausnahmen geben soll?", denn in allen Ligen abwärts der Oberliga wird die Saison ohne Auf- und Absteiger annulliert.

Kowollik verweist außerdem auf den "enormen finanziellen Kraftakt und die Mammutsaison mit 42 Spieltagen", die die Vereine in der Regionalliga derzeit bewältigen. Das könne man mit einer "Rumpfsaison in der Oberliga mit nur zwei Monaten Spielbetrieb" nicht vergleichen.

Der Stein rollt

Ursprünglich erklärten die Verbände in Baden-Württemberg im Februar den Vereinen in der Oberliga, sollte die Saison bis zum 09. Mai nicht fortgesetzt werden können, wird sie ohne Auf- und Absteiger annulliert. Darüber wurden auch die Regionalliga Vereine informiert.

Die Spielordnung der Regionalliga Südwest besagt: "steigen weniger als die vorgesehene Anzahl von Vereinen aus nachgeordneten Spielklassen auf, so vermindert sich die Zahl der Absteiger aus der Regionalliga". Das würde bedeuten: Gibt es keine Aufsteiger aus der Oberliga, steigen anstatt sechs, nur zwei Mannschaften aus der Regionalliga ab.

Unheinheitliche Vorgehensweise

Außerdem wird in dem Brief die uneinheitliche Vorgehensweise der Verbände kritisiert. Denn die Vertreter der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar haben trotz nur acht absolvierten Spieltagen bereits verlauten lassen, den Tabellenführer und Tabellenzweiten für einen möglichen Aufstieg in die Regionalliga Südwest zu melden. Das setzt die Vertreter in Baden-Württemberg unter Druck.

Laut Kowollik seien die Verbändsträger in Baden-Württemberg dadurch gezwungen, im Sinne der Gleichbehandlung Aufsteiger zu stellen, wenn aus anderen Verbänden Aufsteiger benannt werden.

Vereine wollen Aufstiegsrecht juristisch geltend machen

Um laut eigener Aussage "die Meinung der Vereine anzuhören", hatte der wfv alle Vereine aus der Oberliga Baden-Württemberg dazu aufgefordert, bis zum 01.04. schriftlich zu der bevorstehenden Wertung der Saison Stellung zu nehmen. Ein Ergebnis dieser Auswertung wollte der Verband auf SWR-Nachfrage nicht veröffentlichen. Es dürfte jedoch klar sein, dass die Vereine an der Tabellenspitze für einen Aufstieg plädieren.

Mit dem SGV Freiberg und den Stuttgarter Kickers haben sich bereits der Oberliga-Erste und Zweite für eine solche Wertung ausgesprochen. Beide Vereine signalisierten, ihr Aufstiegsrecht juristisch geltend machen zu wollen.

Kickers und Freiberg wollen aufsteigen

Die Stuttgart Kickers antworteten zudem umgehend in einer Stellungnahme auf den offenen Brief. Präsident Prof. Rainer Lorz kritisiert die Vorgehensweise von Kowollik scharf. Ein Ligasprecher könne ganz sicher nur für die gesamte Liga sprechen, aber niemals polemisch für "einen Großteil der Vereine".

Die Blauen von der Waldau hoffen auf eine Teilnahme an einer möglichen Aufstiegsrelegation, um nach drei Jahren in der Oberliga wieder zurück in den Profifußball zu gelangen. Auch der SGV Freiberg hat mit hohem finanziellem Aufwand bereits vor der Saison einen Aufstieg in die Regionalliga angestrebt.

Juristischer Marathon droht

Andere Oberligisten sind mit den geplanten Aufstiegsregelungen ebenfalls unzufrieden. Der SSV Reutlingen bezeichnet in einem Schreiben die Prüfung des Aufstiegs von Seiten der Verbände als "Vertrauensmissbrauch" und plädiert dafür den Aufstieg in die Regionalliga von allen Oberligisten generell auszuschließen.

Bisher haben die Verbände eine klare Positionierung abgelehnt. Der Auf- und Abstieg in der Regionalliga Südwest könnte zu einem juristischen Marathon werden.

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