Marvin Büyüksakarya (Foto: SWR)

3. Liga | Gesichter der Liga Büyüksakarya: Kein einfacher Nachname, keine einfache Karriere

AUTOR/IN

Sein Nachname ist so lang wie so mancher Doppelname: Marvin Büyüksakarya. Junioren-Nationalmannschaft, dann vereinslos mit 19 Jahren. Der Mann mit den komplizierten zwölf Buchstaben hat schon einiges erlebt.

Auf etwa 40 Quadratmetern lebt, schläft, regeneriert und studiert Marvin Büyüksakarya aktuell. Der Rechtsverteidiger des VfR Aalen hat sich in seiner neuen Heimat nur sporadisch eingerichtet - im Sommer ging alles ganz schnell. "Am Anfang war es wichtig, dass ich erst einmal ein Bett habe", lacht der ehemalige Stuttgarter. Schließlich ging es um den Aufstieg: vom SC Wiedenbrück zurück in den Profifußball, zum VfR Aalen.

Mit 19 Jahren plötzlich vereinslos

Der 24-Jährige hat in seiner Karriere schon viel erlebt: Gefeiert in Stuttgarts Jugendmannschaften, an der Seite von späteren Nationalspielern wie Joshua Kimmich. Unter Horst Hrubesch wurde er in den Nachwuchs der Nationalmannschaft berufen und plötzlich - war er vereinslos. "Das war eine komplett neue Erfahrung, vor allem für mein Alter damals." 19 Jahre war er jung, als er auf einmal ohne Verein war.

Doch Marvin Büyüksakarya ist zu ehrgeizig, um einfach aufzugeben. "Ich habe mir gesagt: Das kann es nicht gewesen sein. So viele halten viel von mir. Vielleicht habe ich mich in der Situation ein bisschen verzockt. Aber ich bin noch jung, warum sollte ich es also nicht versuchen?" Ein halbes Jahr ist er ohne Verein, dann schließt er sich dem SSV Reutlingen an. "Kurzzeitig habe ich in der Bezirksliga bei Reutlingen gespielt und mich dann - Step für Step - wieder hochgekämpft. Ich glaube, das zeichnet mich aus. Dass ich dran geblieben bin und nicht aufgegeben habe", sagt er heute rückblickend.

Nach sechs Monaten bei den Reutlingern wechselt der gebürtige Nürtinger zum SC Wiedenbrück, in die Regionalliga. Von dort aus kämpft er sich zurück in den Profi-Fußball und schließt sich zwei Jahre später dem VfR Aalen an. Doch auch dort muss er kämpfen - Aalen steckt tief im Abstiegskampf, ist von vielen schon abgeschrieben. Seine Motivation und seine positive Einstellung ist Büyüksakarya dennoch nie abhanden gekommen.

"Sonst verdummt man irgendwie ein bisschen"

Vielleicht liegt es auch daran, dass Fußball nicht sein kompletter Lebensinhalt ist. Neben der Karriere studiert der Rechtsverteidiger Sportmanagement. "Ich wollte neben dem Fußball irgendetwas machen, sonst verdummt man irgendwie ein bisschen. Einfach mal etwas für den Kopf." Mit einem klaren Ziel vor Augen geht er seit einem Semester zwischen den Trainingseinheiten die Online-Tutorien des Fernstudiums durch. "Als Fußballer ist es jetzt nicht so schwer, nebenher noch irgendetwas zu machen. Man hat meistens einmal, manchmal zweimal am Tag Training. Deswegen habe ich genug Zeit und auch einen klaren Kopf dafür." Marvin Büyüksakarya möchte nach seiner aktiven Zeit im Fußball bleiben, ein möglicher Berufswunsch wäre Sportdirektor oder Manager.

Ein Nachname - 1.000 verschiedene Varianten

Sein Lachen hat der Fußballer auch auf dem Platz nicht verloren - zum Beispiel, wenn der aktuelle Trainer Rico Schmitt Aalens Nummer 14 mit "Büyüks-Kara" zu sich ruft. "Allein bei dem jetzigen Trainer waren schon viele wilde Kombinationen dabei. Das hat sich teilweise ein bisschen indisch angehört", lacht Marvin Büyüksakarya. Rico Schmitt ist allerdings nicht der einzige, dem der lange Nachname Probleme bereitet: "Auch ganz früher schon auf Turnieren, wenn ich ein Tor geschossen hab. Da war es ziemlich wild, was sie da alles gesagt haben. Das war schon sehr witzig teilweise."

Gerade erst angekommen - und schon wieder weg?

Ob es für Marvin Büyüksakarya im Fall eines Abstiegs in Aalen weitergeht, ist noch unklar. "Wenn man jedes Jahr oder auch jedes zweite Jahr, umzieht, ist es nicht so einfach, sich wohlzufühlen. So wie es jetzt hier ist, vielleicht gehe ich nach einem Jahr wieder. Du bist gerade erst angekommen, dann musst du schon wieder weg." Vielleicht gelingt dem VfR Aalen doch noch das Wunder und der Verein hält die Klasse; dann würde sein Vertrag bis 2020 laufen. Marvin Büyüksakarya wäre wahrscheinlich der letzte, der den Glauben daran verliert.

AUTOR/IN
STAND