Die Spieler des VfB Stuttgart bejubeln den Treffer zum 1:0. (Foto: Imago, imago images / Sportfoto Rudel)

Fußball | Bundesliga

Zoff um Doppelpacker Wamangituka: Stuttgart siegt in Bremen

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Silas Wamangituka hat den VfB Stuttgart mit zwei Toren zum 2:1-Sieg bei Werder Bremen geführt. Nach Spielende gab es Wortgefechte wegen einer umstrittenen Aktion des Matchwinners.

Er ließ sich alle Zeit der Welt. Provozierend langsam schubste Silas Wamangituka den Ball in der Nachspielzeit wie ein Sonntags-Spaziergänger in Richtung des leeren Bremer Tores - erst, als Werder-Torwart Pavlenka heranrauschte, knallte er den Ball ins Netz. Es war die Entscheidung beim 2:1 (1:0)-Erfolg des VfB Stuttgart bei den Hanseaten, und um den Doppeltorschützen gab es danach mächtig Zoff. "Das war respektlos! Da brauchen wir gar nicht drumherum zu reden", schimpfte Selke, Schütze des einzigen Bremer Treffers, bei Sky: "Der Junge soll den Ball einfach reinschießen und hier nicht rumlaufen wie sonst irgendwie einer."

Wamangituka sah Gelb wegen Unsportlichkeit und musste sich von Werder-Trainer Florian Kohfeldt nach dem Abpfiff noch eine Standpauke anhören. Auch Gonzalo Castro, Kapitän des VfB Stuttgart, war von der Aktion seines Teamkollegen nicht sonderlich begeistert. Der Kongolese wisse selbst, dass sich so etwas nicht gehöre. "Das hat er auch während des Spiels an den Reaktionen gemerkt - von uns und den Bremern. Wenn er den Ball einfach reinschießt, sagt keiner was. Ich glaube, er hat sich aber direkt entschuldigt bei den Bremern, auch bei Kohfeldt, von daher ist die Sache gegessen."

"Trainer, Zeitspiel, Zeitspiel"

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo nahm seinen 21-jährigen Stürmer dagegen in Schutz. "Silas ist ein sehr schüchterner Junge, sprüht keine Arroganz aus. Als er die Aktion gemacht hat, wusste ich, dass das keine Unsportlichkeit ist, sondern eher ein Zeitspiel war. So wie wenn man zur Eckfahne geht um den Ball zu schützen. Ich habe ihn auch nach dem Spiel noch mal gefragt, was da seine Absicht war mit dieser Aktion: Er meinte 'Trainer, Zeitspiel, Zeitspiel'. Das glaube ich ihm auch. Wenn man ihn aber nicht kennt, dann sieht das nicht gut aus."

Vor dieser Aktion bei seinem fünften Saisontreffer hatte Wamangituka im Spiel bereits einen Foulelfmeter verwandelt (31.) Durch diesen Sieg klettert das Team des Stürmers in der Bundesliga-Tabelle vorerst auf Platz acht. Es war der dritte Saisonsieg für die auswärtsstarken Schwaben.

Werder Bremen war in der Partie stets bemüht, kam über gute Ansätze und ein zu spätes Tor von Davie Selke (90.+3) aber nicht hinaus. Stuttgart zeigte sich vom 1:3 zuletzt gegen Bayern München gut erholt und gewann erstmals seit 2006 an der Weser.

Der VfB Stuttgart musste ohne die Verletzten Daniel Didavi (Hüfte) und Nicolas Gonzalez (Knie) antreten. Bei Bremen sorgten zunächst Tahith Chong und Joshua Sargent für ein frühes Pressing, Yuya Osako hatte nach einer schönen Kombination schon nach fünf Minuten die große Möglichkeit zur Führung - doch der Japaner schoss knapp über das Tor.

Stuttgart stellte sich mit der Zeit aber besser auf das aggressive Anlaufen ein und kam selbst wuchtiger ins Spiel. Borna Sosa (14.) sorgte aus der Distanz für Gefahr, Wamangituka blieb in der 31. Minute beim fälligen Strafstoß eiskalt, nachdem Chong Wataru Endo am Fuß getroffen hatte. Es war bereits der vierte Saisontreffer des Kongolesen. Trotz aller Bemühungen, der Dynamik und einiger guter Ansätze der Bremer wirkte das Spiel der Stuttgarter insgesamt reifer und ausgeglichener.

Castro und Endo zogen die Fäden

Kapitän Gonzalo Castro und Endo zogen im Zentrum geschickt die Fäden. Die Schwaben mischten immer wieder überraschende Aktionen ein, wie Sosa (48.) bei seinem frechen Distanzschuss, der das Ziel knapp verfehlte. Zudem erwischte VfB-Keeper Gregor Kobel einen guten Tag, der einen Schuss von Woltemade (67.) sicher parierte. Vor der Entscheidung stibitzte Wamangituka dem Bremer Torhüter Pavlenka den Ball.

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