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Wer dachte, es ginge nach dem 1:1 des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC mal hauptsächlich um das Sportliche, sah sich getäuscht. Mit der Trennung von gleich zwei Vorstandsmitgliedern spitzt sich die Führungskrise weiter zu. Wer muss als Nächstes gehen?

Wenigstens sportlich herrscht beim VfB Stuttgart größtenteils Ruhe, auch wenn der angepeilte Klassenerhalt noch lange nicht erreicht ist. Vereinspolitisch ist es nach der Trennung von zwei Vorständen nur eine Frage der Zeit, wann die nächsten Turbulenzen folgen. Es müssen nicht nur wichtige Positionen neu besetzt werden, es muss nicht nur endlich geklärt werden, ob Präsident Claus Vogt zur Wahl zugelassen wird.

Es werden im Zuge der Führungskrise und der Datenaffäre ganz offensichtlich weitere Funktionäre gehen müssen. "Schnellstmöglich" werde Vorstandschef Thomas Hitzlsperger weitere Personalentscheidungen herbeiführen, kündigte der VfB-Aufsichtsrat kurz nach dem 1:1 gegen Hertha BSC am Samstag an. Wie groß der Umbruch wird? Unklar.

Während der frühere Nationalspieler Hitzlsperger vom Aufsichtsrat mit seinem Widersacher Claus Vogt an der Spitze "uneingeschränktes Vertrauen" ausgesprochen bekam, steht er nun erst einmal ohne Vorstandskollegen da. Die Hintergründe für die Trennung von Marketingvorstand Jochen Röttgermann und Finanzvorstand Stefan Heim verschwieg der Aufsichtsrat in seiner kurzen Mitteilung vom Samstag. Nicht mal ihre Namen wurden erwähnt. Über die Nachfolge soll kurzfristig beraten werden.

Er vertraue dem Aufsichtsrat, dass auch neue Vorstandsmitglieder "an einer tollen Zusammenarbeit interessiert sind", sagte Sportdirektor Sven Mislintat am Sonntag. Was die Zukunft bringt oder unter wem er künftig arbeitet, weiß auch er nicht. "Ich muss mich auf neue Menschen einstellen, aber ich werde das ganz offen angehen", sagte der 48-Jährige.

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Unklar, ob Vogt als Kandidat zugelassen wird

Vogt dürfte sich durch die Abberufung der zwei Vorstände bestätigt fühlen. Der Präsident hat die lückenlose Aufklärung der Weitergabe von Mitgliederdaten, mit der die Ausgliederung 2017 beeinflusst werden sollte, früh zur Chefsache gemacht. Der doppelte Rauswurf von Heim und Röttgermann dürfte damit in Verbindung stehen. Und die nächsten brisanten Personalentscheidungen könnten zeitnah folgen. Noch immer ist unklar, ob der Vereinsbeirat Vogt für die anstehende Präsidentenwahl zulässt.

Im beispiellosen Machtkampf des Clubs galt der Unternehmer lange als isoliert. Nun, da die ersten mutmaßlich im Zusammenhang mit der Datenaffäre stehenden Führungskräfte freigestellt wurden und weitere Konsequenzen angekündigt sind, dürfte sich Vogt im Recht sehen. Eine Nicht-Zulassung des 51-Jährigen für die Wahl wäre den Mitgliedern kaum zu vermitteln.

Am 28. März soll die Mitgliederversammlung stattfinden, obwohl Vogt zuvor für einen deutlich späteren Termin plädiert hatte. Doch seine Widersacher im Präsidium, die Vize-Präsidenten Bernd Gaiser und Rainer Mutschler, überstimmten ihn. Weitere personelle Konsequenzen könnten nun auch Mutschler treffen, der als Projektleiter maßgeblich an der Ausgliederung 2017 beteiligt war. Zuletzt forderten einige Mitglieder sogar seinen Vereinsausschluss.

Kann eine virtuelle Mitgliederversammlung funktionieren?

Die Entscheidung des Präsidiums, die Mitgliederversammlung digital und nicht als Präsenz-Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr durchzuführen, hatte bei vielen Fans - und auch bei Präsident Claus Vogt - für Kritik gesorgt. Wie eine solche Online-Veranstaltung technisch ablaufen kann und welche Probleme auftreten können, hat SWR Sport im Gespräch mit Steffen Haschler vom Chaos Computer Club in Heidelberg besprochen. So weist Hallscher auf die Betrugsanfälligkeit bei Wahlen hin, die ausschließlich online abgehalten werden.

VfB steht mit 26 Punkten im Soll

Der Unmut von Fans über die geplante digitale Mitgliederversammlung und die Datenaffäre war am Samstag auf Plakaten vor und im Stadion deutlich zu lesen. Auf dem Rasen zeigte sich zumindest die Mannschaft davon wenig beeindruckt. Abgesehen vom Führungstor durch Sasa Kalajdzic (45.+1) machte der VfB aber zu wenig aus seiner Überlegenheit in der ersten Hälfte. Dass dem 17-jährigen Luca Netz nach Vorlage von Rückkehrer Sami Khedira der späte Ausgleich gelang (82.), fand Trainer Pellegrino Matarazzo ein "Stück weit frustrierend".

Insgesamt sieht sich der VfB mit 26 Punkten und angesichts des noch klaren Abstands auf den Abstiegsrelegationsrang im Soll. "Es war wichtig, das Spiel grundsätzlich erst mal nicht zu verlieren, dann halten wir sie auf Distanz. Das gleiche gilt für die Spiele gegen Köln und Schalke", sagte Sportdirektor Mislintat. Doch der Sport dürfte auch in den kommenden Wochen immer wieder überlagert werden.

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