Das neue Sturmtalent beim VfB Stuttgart: Der 18-jährige Wahid Faghir. (Foto: Imago, IMAGO / Gonzales Photo)

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Top-Talent Wahid Faghir: "Wenn er den Ball bekommt, dann schießt er Tore"

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Aus der dänischen Provinz an den Neckar: Mit dem 18-jährigen Wahid Faghir kommt ein Top-Talent zum VfB Stuttgart. Aber ist er auch akute Hilfe in der Stürmer-Not?

Es ist der 31. August 2021, irgendwo in Jütland, Dänemark. Auf einem tribünenlosen Sportplatz zwischen Autobahn und Einfamilienhaussiedlung verlieren Waris Faghir und sein Amateurteam mit 1:4. Sein jüngerer Bruder Wahid schaut bei fast jedem Spiel von ihm vom Spielfeldrand aus zu. Dieses Mal nicht. Und auch künftig wird er die Partien von Waris verpassen, denn 800 Kilometer südlich unterschreibt er einen Fünfjahresvertrag beim VfB Stuttgart.

Kurz vor Ende der Transferphase wechselte der 18-jährige Stürmer Wahidullah - kurz Wahid - Faghir vom dänischen Erstligisten Velje BK zum VfB Stuttgart und war damit der letzte Sommertransfer der Schwaben. Dabei ist Faghir ein Spieler, der eher früh als spät aufkreuzt, weiß der dänische Sportjournalist und Podcaster Anders Møllenberg: "Das erste Mal habe ich Wahid bei den Profis in einem Testspiel gesehen. Da war er gerade einmal 15 Jahre alt." Bei seinem Heimatverein Velje BK wurde er kurz darauf mit 16 Jahren Stammspieler, stieg in die Superligaen, die erste dänische Liga, auf und schaffte in der vergangenen Saison den Klassenerhalt.

"Hygge gekigge" - schönes Gekicke

"Jütlands Rubin", so wird Velje BK von seinen Fans stolz genannt. Klar, dass das "Diamantenauge" Sven Mislintat da genauer hinschaut. Wie Anders Møllenberg muss ihm dort der junge Stürmer aufgefallen sein: "Es ist lange her, dass ich zuletzt so einen talentierten jungen Spieler in Dänemark gesehen habe. Eigentlich kann ich mich an keinen erinnern."

Faghir zeichnete sich bei Velje BK trotz seines jungen Alters durch seine starke Physis und Schnelligkeit auf. "Das Besondere an ihm ist seine Abschlussstärke", betont Møllenberg. "Egal ob mit dem Kopf, dem linken oder dem rechten Fuß: Er braucht kaum Chancen. Wenn er den Ball bekommt, dann schießt er Tore."

Diamantenauge fürs Detail

In der letzten Saison gelang ihm das fünf Mal. Damit landete er zwar nicht ganz oben auf der Liste der Top-Torjäger, dafür aber auf der von Sven Mislintat. Denn ihm fiel auf: Velje BK erzielte in der gesamten Saison nur 25 Tore. Faghir schoss also ein Fünftel aller Tore. Das ist für einen damals noch 17-Jährigen eine beachtliche Quote. Die Stärke, in offensivschwachen Teams eine Großzahl der Treffer zu verbuchen, schätzt der Stuttgarter Sportdirektor. Auch Silas überzeugte ihn einst mit dieser Qualität, der mit 30 Prozent in seiner letzten Saison beim Pariser FC sogar noch besser abschnitt.

Chance und Druck

Doch der Kongolese fehlt dem VfB, genau wie seine Offensiv-Kollegen Sasa Kalajdzic und Mohamed Sankoh, verletzungsbedingt noch länger. Diese Ausfälle kompensierte der VfB nicht mit einem Routinier, sondern mit dem entwicklungsfähigen Skandinavier. Obwohl der 4,5-Millionen-Euro-Transfer mutmaßlich auch ein Vorgriff auf einen möglichen Kalajdzic-Abgang im nächsten Sommer war, soll der Sohn afghanischer Eltern die Lücke im Sturm zügig stopfen.

Als Herausforderung macht Anders Møllenberg den Leistungsunterschied zwischen der dänischen und der deutschen Liga aus: "Er muss sich daran gewöhnen, mit und gegen bessere Spieler zu spielen." Auch bei der Ausdauer hat der dänische U21-Nationalspieler Entwicklungspotential. In der letzten Saison spielte er nur sechs von 20 Partien über 90 Minuten. Hinzu kommt, dass ihn sein erster Transfer weg von der dänischen Kleinstadt, seinen Brüdern und der Familie führt. "Das wird schwer für ihn", vermutet der Journalist. "Ich glaube nicht, dass er selbst kochen kann." Eines der vielen Dinge, die Wahid Faghir schnell lernen muss.

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