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Der VfB Stuttgart hat beim DFB Einspruch gegen die Wertung der Niederlage in Wiesbaden eingelegt. Richtig so, sagt SWR-Sportreporterin Julia Metzner. Aber auch: bloß nicht wieder alles in Frage stellen. Ein Kommentar.

Schade! Ich hätte gerne auch diesmal den Videobeweis gegenüber meinen immer-kritisch-mosernden Kollegen verteidigt. Aber diesmal tu‘ ich mich auch schwer, nachdem ich mir jetzt zum x-ten Mal diese Szene beim VfB-Spiel in Wiesbaden angeguckt habe.

Corona macht das Zuhören möglich

Dank Corona-Geisterspiel mit akustischem Kommentar von Schiedsrichter Sascha Stegemann. "Robert", fragt Stegemann dort seinen Assistenten im Kölner Keller via Funk, "Robert, ist der Ball an der Hand von dem Al Ghaddioui?". Denn "Robert", also Dr. Robert Kampka, will das ja gesehen haben. Stegemann dagegen hatte auf dem Platz nichts gepfiffen. Auch anschließend tut er sich beim wiederholtem Blick auf den Video-Bildschirm schwer. "Da erkenne ich gar nix", höre auch ich im überall veröffentlichten Videomitschnitt. Dass "Robert" am Ende noch den "klaren" Bildbeweis dank Hintertorkamera findet, stimmt Stegemann um. Der DFB wird den Elfmeter nachher als "regeltechnisch korrekt" ansehen.

Keine klare Fehleinschätzung - keine Einmischung!

Was aber selbst in meinem, eigentlich in Sachen Videoassistenten wohlwollend eingestellten Kopf hängen bleibt ist: es riecht nach Entscheidung aus Köln und nicht aus Wiesbaden, es hat etwas von Überredung. Vielleicht wäre ja auch mein Eindruck anders, wenn wir nicht alles mitgehört hätten? Wenn Sascha Stegemann in diesem Moment überzeugter gewirkt hätte.

Egal. Stuttgart hat bei der Erklärung des DFB genau zugehört. Der "Nicht-11-Meter-Pfiff" war "keine klare Fehleinschätzung" vom Schiedsrichter. Also hätte sich Köln nicht einmischen sollen. So soll es nämlich sein. Und deswegen war diese Einmischung auch für den DFB "nicht angebracht". Der VfB nennt es einen "Skandal".

Es geht um Glaubwürdigkeit...und ums Geld!

Ich werde trotzdem weiter die Einführung des Videobeweises verteidigen. Denn ich glaube auch an die vielen guten Seiten und richtige Entscheidungen. Wer mir jetzt mit Fußball-Romantik kommt, der hat wohl gerade verpasst, dass die Profifußballer – VfB inklusive – uns in den letzten Wochen immer wieder erzählt haben, dass die Bundesliga und 2. Liga ein Geschäft sei. Wer es also noch nicht wusste, weiss es jetzt. Es geht ums Geld. Auch beim Einspruch des VfB, denn es geht auch um Punkte im Aufstiegskampf. Also ist der Einspruch folgerichtig. Und er ist wichtig. Für den VfB und für die Glaubwürdigkeit des Videobeweises mitsamt der Assistenten im Kölner Keller. Dass in Stuttgart die Stimmung aktuell im Keller ist, das kann auch ich verstehen!

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