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Der VfB Stuttgart will beim Tabellenführer FC Bayern sein Spiel durchziehen. Die Ausgangslage für einen mutigen Auftritt könnte für die Schwaben tatsächlich kaum besser sein. Zusätzliche Hoffnung macht ein Rückkehrer.

Der VfB Stuttgart lässt sich auch vom großen FC Bayern München nicht einschüchtern. Trainer Pellegrino Matarazzo will im einstigen Südschlager der Fußball-Bundesliga an diesem Samstag (15:30 Uhr, live in SWR 1-Stadion) auf die größten Stärken seiner jungen Mannschaft setzen: Mut und Offensivdrang. "Wenn wir nicht den Mut haben, Fußball zu spielen, dann haben wir keine Chance", sagte Matarazzo am Donnerstag. "Wir wollen Vollgas geben."

Falls sogar die große Überraschung gegen den Tabellenführer gelingen sollte, wäre es der 750. Bundesligasieg der Vereinsgeschichte.

Der Stuttgarter Gerhard Wanner (hinten) bestaunt den Fallrückzieher des Hertha-Spielers Hans Eder während des Fußballbundesligaspiels VfB Stuttgart - Hertha BSC am 31.08.1963 im Stuttgarter Neckarstadion.  (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance/ dpa | Schirner Sportfoto-Archiv)
Da half auch alle Akrobatik der Berliner nichts: Am zweiten Spieltag der frisch gegründeten Bundesliga gewann der VfB Stuttgart 1963 mit 2:0 gegen Hertha BSC. Der erste Sieg in der Bundesliga-Geschichte des VfB. Einen der ersten Fallrückzieher der Bundesliga versuchte hier Hans Eder, während Gerhard Wanner vom VfB zuschaute. Der erste VfB-Torschütze in der Bundesliga war Rolf Geiger, das zweite Tor schoss Erwin Waldner. Bei den Berlinern damals in der Abwehr übrigens Otto Rehhagel, genau wie... picture-alliance/ dpa | Schirner Sportfoto-Archiv Bild in Detailansicht öffnen
... beim 100. Sieg des VfB 1971 gegen den 1. FC Kaiserslautern. Im Bild der Stuttgarter Horst Köppel (3. v.l.), wie er an FCK-Schlussmann Josef Elting scheitert. Später machte er es besser, traf zum 1:0, die beiden anderen Treffer erzielten Karl-Heinz Handschuh und Manfred Weidmann. Die Saison lief dann eher durchwachsen, am Ende wurde der VfB hinter dem FCK Achter. Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
1983. Bilder waren noch schwarz-weiß, Fußballschuhe auch und Walter Kelsch vom VfB Stuttgart köpfte dem jungen Armin Veh von Borussia Mönchengladbach den Ball vor der Nase weg. Der 3:2-Sieg am 30. Spieltag der Saison 82/83 war der 250. Bundesligasieg in der Vereinsgeschichte des VfB und der Auftakt zu einer Serie von fünf Siegen in Folge. Am Ende stand Stuttgart auf Platz drei hinter Werder Bremen und dem Hamburger SV, der seinen bis heute letzten Meistertitel in der Bundesliga holte. Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Zweiter Spieltag der Saison 2000/2001: Stuttgart gewinnt überraschend deutlich mit 4:1 gegen Leverkusen. Thomas Schneider , Krisztian Lisztes , Heiko Gerber und Krassimir Balakov (v.l.n.r) ließen sich für den 500. VfB-Bundesligasieg ausgiebig feiern. Es war der Anfang einer turbulenten Saison, in der der VfB sich über den UI-Cup noch für den UEFA Pokal qualifizierte, bis ins Achtelfinale kam, im DFB-Pokal das Halbfinale erreichte, aber in der Bundesliga nur gerade so die Klasse hielt. Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Ausgerechnet gegen die Bayern könnte der VfB nun seinen 750. Bundesligasieg einfahren. Im Hinspiel ging man trotz Flugstunden für Thomas Müller (und großer Ähnlichkeit zum Bild vom ersten Bundesligasieg) nach 1:0-Führung noch mit 1:3 unter. Dieses Mal soll alles besser werden. Ein Überraschungssieg wäre jedenfalls Gold wert im Kampf um die Startplätze für Europa. Imago IMAGO / Sven Simon Bild in Detailansicht öffnen

Gute Stimmung beim VfB

Die Ausgangslage für diese Herangehensweise könnte für die Schwaben kaum besser sein. Mit dem Abstieg haben die Stuttgarter in dieser Saison längst nichts mehr zu tun. Alles, was jetzt noch kommt, ist gewissermaßen Bonus. Nach dem jüngsten 2:0-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim könnte der VfB sogar noch ins Rennen um die Europapokalplätze eingreifen. Auch deshalb ist die Stimmung unter den Spielern aktuell gelöst, wie Matarazzo berichtete. "Wie sie lachen, wie sie reden, die Kommunikation vor dem Training - da merkt man schon eine Freude." Die Partie beim Rekordmeister dürfte für viele der jungen Profis die vorläufige Krönung einer bislang außergewöhnlichen Saison sein.

Serge Gnabry und Joshua Kimmich bejubeln einen Treffer des FC Bayern München (Foto: Imago, imago images / PRiME Media Images)
Serge Gnabry (links) und Joshua Kimmich trugen in der Jugend das Trikot des VfB Stuttgart. Für die Profimannschaft der Schwaben liefen sie allerdings nie auf. Dafür zählen sie beim FC Bayern München mittlerweile zu den absoluten Leistungsträgern. SWR Sport stellt acht weitere Spieler vor, die sowohl für den FC Bayern als auch den VfB Stuttgart am Ball waren. Imago imago images / PRiME Media Images Bild in Detailansicht öffnen
Jürgen Klinsmann spielte von 1984 bis 1989 beim VfB Stuttgart und erzielte in dieser Zeit 94 Tore in 186 Spielen. Unvergessen bleibt sein Fallrückzieher-Tor aus der Saison 1987/88 beim 3:0-Sieg gegen den FC Bayern München. Die Bayern sicherten sich seine Dienste von 1995 bis 1997. Seiner Torquote blieb der gebürtige Göppinger treu: In 84 Spielen erzielte er 48 Tore. Imago imago images / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
In der Saison 2004/05 schaffte Torjäger Mario Gomez (links) den Sprung aus der VfB-Jugend in den Profi-Kader. Dort erzielte er Tore wie am Fließband. Die Bayern kauften ihn daher zur Saison 2009/10 für ca. 30. Mio Euro. Dort blieb Gomez bis 2013 und erzielte in 174 Spielen 113 Tore. Über Umwege landete er dann 2018 wieder beim VfB und beendete dort im Sommer 2020 seine Karriere. Insgesamt lief er in 230 Spielen (110 Tore) für Stuttgart auf. Imago imago images / ULMER Pressebildagentur Bild in Detailansicht öffnen
Philipp Lahm wurde mit den Bayern Triple-Sieger, insgesamt achtmal Deutscher Meister und sechsmal DFB-Pokalsieger. Doch seine ersten Bundesliga-Minuten sammelte er beim VfB. Die Bayern liehen ihn von 2003 bis 2005 nach Stuttgart aus. Für die Schwaben absolvierte 71 Spiele (3 Tore). Imago imago images / Claus Bergmann Bild in Detailansicht öffnen
Giovane Élber kam 1994 zum VfB Stuttgart und wurde mit den Schwaben 1997 DFB-Pokalsieger. In 96 Spielen erzielte er 44 Tore, woraufhin es auch ihn in die bayerische Landeshauptstadt zog. Bei den Bayern erzielte er in sechs Jahren (1997-2003) 140 Tore in 266 Einsätzen. Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Innenverteidiger Markus Babbel durchlief sämtliche Jugendmannschaften des FC Bayern München und brachte es zwischen 1991 und 2000 auf 261 Spiele (17 Tore) für die Bayern. Zur Saison 2004/2005 landete er dann schließlich beim VfB Stuttgart. Nach 63 Einsätzen (2 Spiele) beendete er 2007 seine Spielerkarriere. Zwischen 2008 und 2009 kehrte er als Trainer nochmals nach Stuttgart zurück. Imago imago images / ExSpo Bild in Detailansicht öffnen
Dieter Hoeneß machte sich mit seinem "Turban-Kopfballtor" im DFB-Pokalfinale 1982 unsterblich bei den Bayern-Fans. Doch seine ersten Schritte im Profibereich machte er beim VfB Stuttgart. Zwischen 1975 und 1979 ging er in Cannstatt auf Torejagd. Nach 116 Spielen und 57 Toren zog es ihn dann nach München. Imago imago images / Horstmüller Bild in Detailansicht öffnen
Bereits in der Jugend lief Holger Badstuber sowohl für den VfB, als auch für den FCB auf. Zwischen 2009 und 2017 trug er dann in 177 Spielen (zwei Tore) das Trikot der Bayern-Profis. Über Schalke 04 landete er im Sommer 2017 dann wieder in Stuttgart. Seitdem bringt er es auf 61 Spiele (vier Tore) für die VfB-Profis. Aktuell spielt er in der zweiten Mannschaft der Stuttgarter. Imago imago images / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Aktuellster "Überläufer" ist Benjamin Pavard. Zur Saison 2019/20 tauschte er Brustring gegen Lederhose. Ein Wechsel der sich gelohnt hat: In seiner ersten Saison mit dem FC Bayern holte er direkt das "Triple". Für den VfB Stuttgart stand Pavard zwischen 2016 und 2019 in 88 Spielen (zwei Tore) auf dem Platz. Imago imago images / Poolfoto UCL Bild in Detailansicht öffnen

Gonzalez vor der Rückkehr - direkt in die Startelf?

Matarazzo kann das Spiel sogar noch etwas offensiver angehen als zuletzt, da Angreifer Nicolas Gonzalez am Samstag direkt in die Startelf des VfB Stuttgart zurückkehren könnte. "Er ist voll im Mannschaftstraining dabei und fühlt sich gut", sagte der VfB-Trainer über den argentinischen Fußball-Nationalspieler. "Wenn wir das Gefühl haben, dass er 60 Minuten gehen kann, dann ist er eine Option für die Startelf. Ansonsten wird er von der Bank kommen." Gonzalez hatte sich Anfang Februar einen Muskelfaserriss zugezogen und wochenlang gefehlt.

Baden-Württemberg

SWR Sport in BW | Sonntag, 21:45 Uhr SWR Sport in Baden-Württemberg mit Dieter Hoeneß

1975 bis 1979 spielte der "Schwabenpfeil" Dieter Hoeneß für den VfB Stuttgart. Am Sonntag ist er zur Gast in der Sendung SWR Sport in Baden-Württemberg.  mehr...

Kalajdzic könnte Vereinsrekord aufstellen

Der Coach hat auch noch nicht entschieden, wer den verletzten Orel Mangala im Mittelfeldzentrum ersetzen wird. Atakan Karazor und der 18-jährige Naouirou Ahamada sind Optionen. Sasa Kalajdzic dürfte auf jeden Fall starten. Wenn der Österreicher im achten Bundesliga-Spiel nacheinander trifft, würde er einen Vereinsrekord aufstellen. Es wird für den VfB also auch in München darauf ankommen, den Zwei-Meter-Mann in Szene zu setzen.

Matarazzo warnt vor Lewandowski

Auf der anderen Seite weiß Matarazzo, dass mehr als sonst die eigene Defensive gefordert sein wird. 74 Treffer haben die Bayern bereits erzielt, fast die Hälfte davon geht auf das Konto von Superstürmer Robert Lewandowski. Matarazzo traut dem Polen zu, den 40-Tore-Rekord von Gerd Müller aus der Saison 71/72 zu knacken. "Acht Tore fehlen noch. Er ist ein Spieler, der in der Lage ist, vier Tore in einem Spiel zu schießen. Hoffentlich nicht gegen uns", sagte der US-Amerikaner. Es sei keine einfache Aufgabe, den Weltfußballer zu stoppen. "Aber wir werden es versuchen."

Wie genau sein Plan für die Bayern aussieht, hat der Coach noch nicht entschieden. Möglicherweise stellt er auf eine Viererkette um, um schnelle Außenbahnspieler wie Leroy Sané, Serge Gnabry oder Kingsley Coman besser kontrollieren zu können. Aber der erste Blick soll den eigenen Stärken gelten: "Es ist kein Zufall, dass wir schon 47 Tore geschossen haben", sagte er. "Deswegen wollen wir auch immer angreifen."

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