Atakan Karazor steht nach der Niederlage des VfB Stuttgart gegen den BVB vornübergebeugt auf dem Rasen der Mercedes-Benz-Arena. Er hat die Hände auf die Knie gestützt und schaut mit leerem Blick zu Boden. (Foto: IMAGO, IMAGO/Eibner)

Fußball | Bundesliga

Chancenwucher gegen den BVB - Déjà-vu beim VfB Stuttgart

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Michael Richmann

Nach der 0:2-Niederlage will sich der VfB Stuttgart lieber auf die gute Leistung gegen Borussia Dortmund konzentrieren. Das ist nicht die einzige Parallele zum Hinspiel.

Nach der Niederlage gegen Borussia Dortmund war Florian Müller bedient: "Wir haben die Konter-Absicherung in jedem Training angesprochen. Dann ist es doppelt ärgerlich, wenn man so ein Tor kassiert", sagte der Keeper des VfB Stuttgart. "Da müssen wir da sein und dranbleiben, dass wir solche Situationen unterbinden können." Auch Pellegrino Matarazzo war verärgert: "Leider haben wir es nicht geschafft, schnell sechs, sieben Mann hinter den Ball zu bekommen." Kommt Ihnen bekannt vor? Stimmt! Die Sätze stammen aus dem Hinspiel, das der VfB Stuttgart nach einer starken Leistung mit 1:2 verloren hat.

Allerdings wies die 0:2-Niederlage am Freitag einige Parallelen zum Hinspiel auf. Wieder zeigte der VfB Stuttgart eine gute Leistung. Wieder wäre ein Punkt gegen eine Spitzenmannschaft möglich gewesen. Und wieder waren die Schwaben vorne zu inkonsequent und hinten zu fehleranfällig. Denn die Entstehung des frühen 0:1 von Julian Brandt (12.) erinnerte auf fatale Weise an den entscheidenden Gegentreffer im November: Diesmal war es Konstantinos Mavropanos, der den Ball bei der Annahme nicht kontrollieren konnte und ihn dann relativ planlos nach vorne köpfte - genau vor die Füße von Jude Bellingham. Dessen Steilpass hebelte die komplette VfB-Defensive mit einem Mal aus. Mavropanos' Verteidiger-Kollege Hiroki Ito hatte vergeblich versucht, Erling Haaland ins Abseits zu stellen und konnte anschließend den BVB-Stürmer nicht mehr an seinem Querpass auf Brandt hindern. Auch Mavropanos konnte nicht mehr eingreifen, da er unmittelbar nach seinem Kopfball mit Atakan Karazor zusammenprallte. Schon wieder musste der VfB einem frühen Rückstand hinterherrennen.

Konter-Strategie des VfB Stuttgart geht nur teilweise auf

Trotzdem kamen die Schwaben zu Chancen. Omar Marmoush hätte schon in der ersten Halbzeit zweimal den Ausgleich machen können (23. & 30.) - traf jedoch erst die falsche Entscheidung und dann den Ball nicht richtig. Auch Tiago Tomas hatte das 1:1 mehrfach auf dem Fuß (52. & 54.), doch auch ihm fehlte die nötige Ruhe am Ball. Borna Sosa hatte bei seinem Lattentreffer (61.) schlicht Pech. "Das Problem hatten wir auch letzte Woche schon gegen Bielefeld", ärgerte sich VfB-Antreiber Atakan Karazor im Interview mit SWR Sport, "da müssen wir uns definitiv belohnen."

Dennoch war Karazor mit der Leistung insgesamt zufrieden: "Es sah passiv aus. Aber das war auch teilweise der Matchplan. Wir wussten, dass Dortmund eine Mannschaft ist, die auf Ballbesitz geht und den Gegner teilweise hinten reindrücken kann", sagte Karazor. "Darauf haben wir uns vorbereitet und wollten Nadelstiche setzen. Und ich denke, das haben wir hinbekommen."

Gute Leistung nützte dem VfB Stuttgart letztlich nicht

Dass der VfB Stuttgart laut Karazor das gesamte Spiel über "nicht schlecht verteidigt" hat, nützte jedoch nichts, da es in den entscheidenden Situationen dann doch nicht gut genug war. In der 72. Minute war es Torwart Florian Müller, der einen eher unplatzierten Schuss von Julian Brandt nicht abwehren konnte.

Stuttgart gab trotzdem nicht auf. Doch Sosa (80.), Mavropanos (81.) und Roberto Massimo (85.) konnten den ehemaligen VfB-Keeper Gregor Kobel zum Anschlusstreffer überwinden. "Da braucht man einfach auch ein bisschen mehr Konsequenz", meinte Trainer Pellegrino Matarazzo, "Bei dem Schuss vom Omar, statt den Chip, das lange Eck anvisieren - einfach flach und scharf. Oder dass [Mavropanos, Anm. d. Red] den Kopfball im Strafraum richtig trifft. Das hat auch mit Präzision zu tun."

VfB Stuttgart in Mainz wieder unter Druck

Trotz der Niederlage verließ der VfB Stuttgart das Stadion mit einem guten Gefühl - immerhin ging es gegen einen Champions-League-Kandidaten: "Wir wissen, dass die Glocken läuten. Aber es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken", meinte Karazor. "Und auch, wenn wir hier 0:2 verlieren, konnten wir wieder zeigen, dass wir eine gute Mannschaft sind." Auch Chefcoach Matarazzo wollte sich nicht lange mit dem Ergebnis aufhalten: "Klar, dass ich mich ärgere nach dem Spiel. Aber es ist sofort der nächste Gegner im Blick."

Der heißt Mainz 05. Bei den Rheinhessen (Samstag, ab 15:30 Uhr, live im Audiostream auf Sportschau.de) steht der VfB Stuttgart im Abstiegskampf wieder gehörig unter Druck. Dann würden sich die Schwaben jedoch über Parallelen zum Hinspiel freuen, denn das gewann der VfB mit 2:1.

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