Pellegrino Matarazzo (VfB Stuttgart) (Foto: Imago)

Fußball | Bundesliga

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo: "Ich bin mal aufbauend, mal kritisch-zerstörend"

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Nach fünf sieglosen Spielen gewann der VfB Stuttgart gegen die TSG Hoffenheim mit 3:1. Am Sonntagabend war Trainer Pellegrino Matarazzo zu Gast bei SWR Sport BW und gab den Blick auf seine Arbeit frei.

Es war ein höchst eindrückliches Bild. Während das Team des VfB Stuttgart vor der Cannstatter Kurve hüpfte und tanzte, stand der Trainer weit dahinter und betrachtete ruhig und genüsslich die emotionale Szenerie. "Es war ein Stück Erleichterung zu spüren, auch Bestätigung", gab Pellegrino Matarazzo als Studiogast bei SWR Sport in Baden-Württemberg einen Einblick in sein Seelenleben vom vergangenen Samstag, "wir sind auf gutem und richtigem Weg. Wir sind ruhig geblieben, und die Jungs haben sich belohnt", so der 43-Jährige.

Matarazzo: "Wenn die Leistung stimmt, dann passen auch die Ergebnisse"

Nach dem 3:1 im brisanten Nachbarschaftsduell gegen die TSG Hoffenheim, nach zuvor fünf sieglosen Spielen, war auch beim Coach der Stuttgarter ein gewisser innerer Druck gewichen. Weniger allerdings in diesem Fall der Druck des "Gewinnenmüssens": "Ich mache mir Druck, dass die Leistung passt", sagte Matarazzo, "denn dann passen auch die Ergebnisse." Und die Leistung passte diesmal in der Stuttgarter Arena vor den 24.000 Zuschauern ebenso wie am Ende auch Erlebnisse und Ergebnisse.

Stuttgart ist wieder da, Stuttgart zeigte vor allem viel Herz und Leidenschaft und erdrückte damit die spielstarken Hoffenheimer, die deutlich mehr Ballbesitz hatten: "Wir konnten die Energie vom Training von der ersten Minute an auf den Platz übertragen", freute sich Matarazzo, der mit dem taktischen Kniff und der Rückkehr zur defensiven Dreierkette goldrichtig lag. Auch was das Offensivspiel anging, denn mit Marc Oliver Kempf (1:0) und Konstantinos Mavropanos (2:0) führten ausgerechnet zwei Innenverteidiger mit ihren Treffern die Mannschaft auf den Weg zum erlösenden Sieg.

"Die Energie von Mavropanos gibt uns Mut"

Beeindruckend und stellvertretend für die körperliche Präsenz des VfB-Teams war dabei vor allem der Treffer von Abwehr-Hüne Mavropanos. Der Grieche hatte sich mit aller Kraft durch die Reihen der staunenden Hoffenheimer getankt und wuchtig sein Tor erzielt. Für den Trainer keine große Überraschung: "Dinos zeigt das immer wieder im Training, dass er das kann, da zaubert er auch immer mal wieder. Seine Härte und seine Energie sind bewundernswert."

Mavropanos ist auf bestem Weg zum Top-Spieler. Dass der VfB für den Nationalspieler eine Kaufverpflichtung bei Klassenerhalt von gerade einmal drei Millionen Euro besitzt, wie Sportdirektor Sven Mislintat öffentlich kundtat, ist bei den heutigen Transferpreisen als absolutes Schnäppchen zu betrachten: "Er ist ein super Typ, seine Energie gibt uns Mut", so Pellegrino Matarazzo schmunzelnd.

"Ich bin mal aufbauend, aber auch mal kritisch-zerstörend"

Höchst erfreulich war für den VfB-Trainer gegen Hoffenheim auch das erste Bundesligator im 25. Bundesligaspiel von U21-Nationalspieler Roberto Massimo zum entscheidenden 3:0. Aber der Trainer fordert noch mehr: "Robbie kann sich noch viel mehr trauen, er hat noch viel Potenzial." Auch im Fall des 21-jährigen Massimo wird Matarazzos gekonnt fürsorgliche und zielgerichtete Arbeit mit jungen Talenten sichtbar: Fördern und Fordern, aber nicht überfordern.

Seinen kommunikativen Umgang mit den Profis beschreibt er als "ganz unterschiedlich. Jeder Spieler ist anders. Mal braucht man ein Einzelgespräch, mal ein Gespräch vor der ganzen Mannschaft." Matarazzo ganz offen bei SWR Sport: "Ich bin mal aufbauend, aber auch mal kritisch-zerstörend. Wir arbeiten situativ." Es gehe immer darum, "den Spieler weiterzuentwickeln, dass er den nächsten Schritt gehen kann. Da geht es auch nicht um Jung oder Alt, das gilt auch für einen 28-Jährigen."

"Die Zeit es Studiums in New York hat mich zu dem Mann entwickelt, der ich heute bin"

Ihn selbst hat übrigens nicht seine Zeit als Fußballprofi oder Trainer persönlich am meisten geprägt, sondern sein vierjähriges Mathematik-Studium in New York, das er als damals 17-Jähriger begonnen hatte: "Das hat mich zu dem Mann entwickelt, der ich heute bin, das hat mich sehr geprägt", erinnerte sich Pellegrino Matarazzo im SWR-Studio an seine Zeit an der Columbia-University. Erst danach ging er als gereifter junger Mann nach Deutschland, verwirklichte seinen Kindheitstraum und wurde Fußballprofi. Seit Januar 2020 ist er Trainer des VfB Stuttgart, schaffte den Wiederaufstieg und etablierte das junge Team in der Bundesliga.

Matarazzo genießt das Vertrauen der Vereinsführung

Der Sieg gegen Hoffenheim hat die Szenerie rund um den VfB sportlich erstmal wieder beruhigt. Stuttgart hat den drohenden Sturz in den Tabellenkeller gestoppt, steht mit acht Punkten auf Platz zwölf. Das ist allerdings kein Ruhekissen, auch wenn Matarazzo in den vergangenen erfolgloseren Wochen mit der Unterstützung der sportlichen Führung völlig ruhig arbeiten konnte: "Es freut mich, dass ich das Vertrauen genießen darf", bestätigte der Coach die harmonische Zusammenarbeit vor allem mit Vorstandsboss und Sportvorstand Thomas Hitzlsperger sowie Sportdirektor Mislintat, "wir diskutieren produktiv, manchmal aber auch hitzig, das funktioniert gut und macht Spaß".

Ob Mislintat nach dem Abschied von Sportvorstand Hitzlsperger im Oktober 2022 als dessen Nachfolger in Frage käme? "Sven macht einen hervorragenden Job", so Matarazzo eher ausweichend, "ich weiß nicht, was noch an Bürokratie dazukommt, wenn er Sportvorstand sein sollte. Da muss ich mal die Stellenbeschreibung lesen..."

Das lange Warten auf Silas und Kalajdzic

In jedem Fall werden die fußballerischen Baustellen beim VfB weiterhin intensiv bearbeitet. Vor allem das langfristige Fehlen der beiden verletzten Torjäger Silas (Kreuzbandriss) und Kalajdzic (Schulter-OP) beschäftigt den VfB seit Monaten, eine konkrete Rückkehr der beiden ist noch nicht absehbar. "Man sieht an den Statistiken der letzten Saison, wie bedeutsam sie für uns waren", so Matarazzo, "aber ich beschäftige mich nicht mit Spielern, die nicht da sind".

Der VfB-Trainer richtet sein Augenmerk vielmehr auf die Jungs, die ihm zur Verfügung stehen. Wie etwa der Paderborner Neuzugang Chris Führich, der nach seinem Schlüsselbeinbruch frischen Wind ins Angriffsspiel brachte, oder die hochtalentierte Wolfsburg-Leihgabe Oumar Marmoush: "Er hat eine gute Ballführung, ist zielstrebig und hat Speed", lobt Matarazzo, "es wird noch eine Weile dauern, bis er richtig eingespielt ist. Aber er ist auf gutem Weg". Was sozusagen sinnbildlich für das gesamte VfB-Team gilt.

Der beste Spieler? "Andrej Kramaric"

Die Abschlussfrage von Moderatorin Lea Wagner, wer denn der beste Spieler sei, mit dem er jemals zusammengearbeitet habe, beantwortete Matarazzo übrigens nicht mit dem Namen eines VfB-Profis. Der Stuttgarter Coach nannte ohne einen Augenblick zu zögern: "Andrej Kramaric." Der Torjäger der TSG Hoffenheim, gleichzeitig auch der Lieblingsspieler von Matarazzos Sohn Leopoldo, hat ihn bei seiner vormaligen Station als Jugend- und Assistenztrainer im Kraichgau tief beeindruckt.

Beim Wiedersehen am Samstag war Könner Kramaric zum Glück für Stuttgart und Pellegrino Matarazzo torlos geblieben. Und so durfte vor der Cannstatter Kurve endlich wieder gehüpft und getanzt werden.

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