Hoffnungsträger: Stürmer Sasa Kalajdzic kehrt beim VfB Stuttgart zurück (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Bundesliga

Das verflixte zweite Jahr: Der VfB Stuttgart muss in der Rückrunde liefern

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Das verflixte zweite Jahr: Der VfB Stuttgart - eine der Überraschungen der letzten Saison - überwintert in der zweiten Spielzeit seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga nur auf dem Relegationsrang 16. Die Schwaben sind im neuen Jahr gefordert, um den Klassenerhalt zu schaffen.

So lief die Hinrunde

Der VfB Stuttgart fand gut in die neue Spielzeit - nämlich als Tabellenführer nach dem ersten Spieltag. Dem beeindruckend herausgespielten 5:1-Heimsieg gegen Aufsteiger Greuther Fürth folgte allerdings eine wochenlange Durststrecke. Auch aufgrund der schweren Verletzungen von absoluten Leistungsträgern wie Silas Katompa Mvumpa (Kreuzbandriss) oder Sasa Kalajdzic (fehlte zunächst aufgrund einer Corona-Infektion, ab dem zweiten Spieltag dann wegen einer Schulterverletzung) zeigte sich rasch, dass für die junge Mannschaft der Schwaben die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Gegen RB Leipzig (0:4) und Bayer 04 Leverkusen (1:3) bekam der VfB klar seine Grenzen aufgezeigt, gegen den SC Freiburg (2:3) verlor Stuttgart, weil die Breisgauer schlicht cleverer und abgebrühter agierten.

Es folgten drei Spiele ohne Niederlage mit insgesamt fünf Punkten, doch auch im weiteren Verlauf der Hinrunde schaffte es Stuttgart nicht, Konstanz in seine Leistungen zu bringen. Weder über die kompletten 90 Minuten eines Spiels noch über mehrere Spiele. Ein Corona-Ausbruch mit zahlreichen Infektionen sorgte zusätzlich dafür, dass sich Eingespieltheit und Automatismen nur in Ansätzen einstellten.

Absolute Tiefpunkte waren das 1:4 beim FC Augsburg am zehnten und die 0:1-Heimpleite gegen Arminia Bielefeld am elften Spieltag. Schlüsselduelle im Kampf um den Klassenerhalt, vor denen eigentlich die Devise galt: verlieren verboten! Positive Ausreißer gab es zwar auch immer mal wieder, so wie der 3:1-Heimsieg gegen Hoffenheim oder das 2:0 in Wolfsburg. Doch festzuhalten bleibt: Insbesondere die Defensive der Schwaben agierte oft zu fehlerhaft. 31 Gegentreffer sind die drittmeisten der Liga und der Hauptfaktor dafür, dass der VfB als Tabellen-16. überwintert.

In der Rückrunde soll alles besser werden, doch nach Wiederaufnahme des Trainings wurden die Schwaben erstmal mit einem altbekannten Problem konfrontiert. Bei Silas, Wahid Faghir und Naouirou Ahamada fielen die PCR-Tests positiv aus. Gar nicht erst nach Stuttgart schafften es zunächst Verteidiger Konstantinos Mavropanos und Offensivspieler Mateo Klimowicz aufgrund positiver Tests. Immerhin konnte sich der griechische Abwehrspieler mittlerweile freitesten. Trotzdem hat der VfB im Kampf um den Klassenerhalt keine schlechten Karten. Die anderen Teams sind in Schlagdistanz, im Tabellenkeller geht es eng zu. Der Nichtabstieg bleibt ein absolut realistisches Ziel.

Wer kommt, wer geht

Der VfB Stuttgart wurde wie die meisten Bundesligisten finanziell hart von der Corona-Pandemie getroffen. Gab man bereits im Sommer mit Torhüter Gregor Kobel (zu Borussia Dortmund) und Angreifer Nicolás Gonzalez (zum AC Florenz) zwei Stammspieler der Vorsaison ab, so ist in der kurzen Winterpause nicht zu erwarten, dass weitere Leistungsträger den Klub verlassen. Trotz leerer Kassen. Dafür ist nämlich die tabellarische Lage zu brisant, auch wenn es für Spieler wie Mavropanos oder Borna Sosa einen Markt gibt. Höchstens astronomische Summen könnten die Verantwortlichen hierbei schwach werden lassen. Gehen dürfen indes Spieler aus der zweiten Reihe, die ohne realistische Stammplatz- oder gar Einsatzchancen sind. Auch, um das Gehaltsbudget zu entlasten, würden Profis wie Erik Thommy oder Philipp Klement keine Steine in den Weg gelegt werden.

Neueinkäufe sind aktuell nicht geplant. Das hat Sportdirektor Sven Mislintat bereits mehrfacht betont. Für diese Zurückhaltung gibt es mehrere Gründe: Die prominenten Rückkehrer - allen voran Silas und Kaladjzic. Silas, der acht Monate lang wegen eines Kreuzbandrisses fehlte, kam mittlerweile schon zu fünf Kurzeinsätzen. In denen hatte er noch wenig mit dem Überflieger aus der Vorsaison zu tun, in der er es in der Liga auf elf Tore und sechs Vorlagen gebracht hatte. Ab Januar soll der Kongolese aber wieder voll angreifen - wurde aber zunächst von seiner Corona-Infektion ausgebremst. Auch Kalajdzic, vergangene Spielzeit 16-facher Torschütze, wird nach seiner im August erlittenen Schulterverletzung im Januar zurückkehren. Beim VfB setzt man darauf, dass die beiden Offensivspieler schnell wieder in die Spur finden.

Ein weiterer Grund dafür, dass personell nicht nachjustiert wird, ist, dass die jungen Spieler den nächsten Entwicklungsschritt gehen sollen. Und - last, but not least: Die klammen Kassen lassen Neuzugänge im Winter schlicht nicht zu. Zumindest nicht solche, die sicher sofort helfen.

Trainer

Pellegrino Matarazzo sitzt fest im Sattel und steht trotz des Abrutschens auf den Relegationsrang nicht zur Debatte. Er feierte am 30. Dezember sein zweijähriges Jubiläum beim VfB Stuttgart - in der Schwaben-Metropole längst keine Selbstverständlichkeit. Grundsätzliche Zweifel an der Arbeit des 44-Jährigen gibt es nicht, im Gegenteil. Matarazzo gilt als idealer Coach der sehr jungen Mannschaft, als ein Entwicklungstrainer. Die Verantwortlichen, allen voran Mislintat, trauen ihm zu, das Team wieder aus dem Keller zu führen.

"Wir dürfen uns nicht komplett verrückt machen lassen von Leuten, die angesichts von 17 Punkten und Platz 16 die Grund-Konstellation in Frage stellen. Das mache ich nicht mit", so der Sportdirektor unmittelbar vor der Winterpause. Der VfB liege drei Punkte unter der Zielvorgabe, "das waren zwei mal 20", sagte er: "Da sind wir ein bisschen hinten dran, zumal ich glaube, dass man dieses Jahr wirklich 37 oder 38 Punkte braucht. Aber das ist nichts, was man nicht kompensieren könnte. Wir haben eine Hypothek, aber keine sechs oder acht Punkte. Ich bin ziemlich sicher, dass wir am Ende die 40 Punkte holen werden." Die Botschaft ist klar: Am in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg soll festgehalten werden und somit auch an Matarazzo - selbst, wenn es mal stürmisch wird.

Der Trainer selbst strahlt Zuversicht aus, der 44-Jährige glaubt an seine Mannschaft. "Ich sehe eine Gruppe, die gewillt ist. Die von Spieler Nummer eins bis zum Zeugwart einen guten Spirit hat. Ich bin sehr sicher, dass wir in der Rückrunde noch mal angreifen werden", sagte er mit Blick auf das erste Halbjahr 2022.

Erwartungen an die Saison

Auf den Punkt gebracht: Ein weniger turbulentes Halbjahr als das abgelaufene - und daraus resultierend mehr Zähler. Die "magischen" 40 Punkte werden zwar schwierig, aber 20 sollten es in der Rückrunde mindestens sein, um den Klassenerhalt knapp zu schaffen. Wenn sich dazu die jungen Spieler weiterentwickeln und die zurückkehrenden Profis zu den Stützen werden, die sie einmal waren, dann hat der VfB Stuttgart nicht nur das verflixte zweite Jahr überstanden, sondern sogar mittelfristig eine ordentliche bis gute Perspektive.

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