Die im Umbau befindliche Haupttribüne des VfB Stuttgart (Foto: IMAGO, IMAGO / Sven Simon)

Fußball | Bundesliga

Höhere Kosten im Abstiegskampf: So läuft der Stadionumbau des VfB Stuttgart

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REDAKTEUR/IN
Patrick Stricker

Die Kosten für den Stadionumbau des VfB Stuttgart steigen, die wirtschaftliche Lage des Clubs ist angespannt. Welche Summen müssen Fans jetzt kennen? Ein Überblick.

Beim VfB Stuttgart werden die Baustellen zu Beginn des neuen Jahres nicht weniger - im wahrsten Sinne des Wortes. Während die Mannschaft in der Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt kämpft, läuft im Stadion der Umbau beziehungsweise die Modernisierung der Haupttribüne. Der Club erhofft sich perspektivisch höhere Einnahmen, und das muss er auch: Im in dieser Woche im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernabschluss der VfB-AG für das Geschäftsjahr 2021 ist von einer "wirtschaftlich angespannten Lage" die Rede. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation.

Um was geht's genau?

Um die Anforderungen für die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland erfüllen zu können, wird das Stuttgarter Stadion seit dem vergangenen Sommer in Teilen umfangreich umgebaut und modernisiert. Der sogenannte Baggerbiss, der den Beginn der Bauarbeiten symbolisierte, erfolgte am 3. Juni und damit knapp drei Wochen nach dem irrsinnigen Bundesliga-Klassenerhalt des VfB. Das Problem an solchen Baustellen: Sie verursachen gerne mal enorme Kosten, erst recht in Zeiten von Pandemien, weltweiten Krisen und Baustoffknappheiten. Im Falle der Stuttgarter Arena ist es aber vor allem die Kommunikation über einen Anstieg der Gesamtkosten, die jüngst für mächtig Stirnrunzeln gesorgt hat.

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Was ist neu an der Thematik?

Erstmals stutzig wurden Fans und Beobachter am 12. Dezember, als der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle von einem "Stadioninvest in Höhe von 130 Millionen Euro" sprach. Diese Summe war in jenem Moment völlig neu, liegt sie doch um einiges über den bis dahin veranschlagten 98,5 Millionen Euro. Das bedeutet: Innerhalb eines halben Jahres sind die Gesamtkosten für den Umbau des Stadions um rund ein Drittel in die Höhe geschossen. Ein Plus, das auf den ersten Blick nicht allzu groß erscheinen mag. Sehr wohl aber, wenn man bedenkt, dass der VfB einmal mehr gegen den Abstieg in die 2. Liga und damit gegen einen Verlust der finanziellen Leistungsfähigkeit kämpft.

Welche Zahlen sind jetzt wichtig?

Mit dem Anstieg von 98,5 Millionen auf 130 Millionen Euro sind die wichtigsten Summen genannt, aber noch längst nicht alle. Recherchen des "kicker" haben ergeben, dass die Mehrkosten wohl durch einen Ausbau des Stadion-Innenraums verursacht werden. Hierzu zählen demnach unter anderem eine Aufwertung der digitalen Infrastruktur sowie der Hospitality-Bereiche. Diesen Innenausbau finanziert dem Bericht zufolge allein die VfB-AG, die damit insgesamt rund 55 Millionen Euro der kompletten Modernisierung tragen soll. An den Hauptarbeiten beteilige sie sich mit 24,75 Millionen Euro.

Was muss man sonst noch wissen?

Teurer als 98,5 Millionen Euro sollten die wichtigsten Arbeiten wohl nicht werden, nach "kicker"-Informationen bestätigte die Stadt Stuttgart noch einmal eine vertragliche Fixkosten-Vereinbarung mit einem Generalunternehmer. Durch den auf eigene Kappe veranlassten Innenausbau dürfte der VfB mittel- und langfristig naturgemäß auf höhere Einnahmen im VIP-Segment hoffen, bis dahin muss der Club aber seit Beginn der Bauarbeiten beziehungsweise der neuen Saison Einbußen im Ticketing in Kauf nehmen. Auf der Haupttribüne, die während der Maßnahmen modernisiert wird, entfallen aktuell knapp 10.000 Sitzplätze.

Wie reagiert der VfB Stuttgart?

Zumindest hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Lage sind die Stuttgarter in Person von Vorstandschef Wehrle ein klein wenig in eine verbale Vorleistung gegangen - auch wenn die Wortwahl des 47-Jährigen im vergangenen Dezember alles andere als erbaulich war. Zu prekär ist zu allem Übel auch die sportliche Situation, als Tabellensechzehnter stecken die Schwaben schon wieder im Tabellenkeller der Bundesliga fest. "Ein möglicher Abstieg im Jahr 2023 ist nicht vergleichbar mit 2019 oder 2016", sagte Wehrle vor rund vier Wochen und führte neben dem "Stadioninvest" auch die zweieinhalb Jahre Corona-Pandemie "mit einem Corona-Umsatzverlust von 90 Millionen Euro" auf. "Ein möglicher Abstieg würde über 40 Millionen Euro Umsatzverlust für den VfB Stuttgart bedeuten. Das heißt: Die Situation ist ernst", so Wehrle damals.

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Wie steht es sonst um die Finanzen des VfB?

Interessant ist, dass in dieser Woche der Konzernabschluss der VfB-AG für das Geschäftsjahr 2021 im "Bundesanzeiger" veröffentlicht wurde. Dort ist abschließend zwar die Rede davon, dass "hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung nach Überprüfung der gegenwärtigen Chancen- und Risikosituation keine kurzfristige wirtschaftliche oder rechtliche Bestandsgefährdung" existiere. Es ist aber auch festgehalten: "Gleichwohl ist die wirtschaftliche Lage des Clubs infolge der pandemiebedingten Einnahmenausfälle wirtschaftlich angespannt."

Die gestiegene Verschuldung und die weitere Fortdauer pandemiebedingter Umsatzausfälle hätten dazu geführt, dass ein Festhalten an der bisherigen Kostenstruktur einer Gegenfinanzierung durch außerordentliche Erträge, insbesondere auf dem Transfermarkt, bedarf - ausdrücklich auch vor dem Hintergrund des "Umbaus der Haupttribüne der Mercedes-Benz Arena, welcher zunächst zu einer kapazitätsbedingten Einnahmenminderung und Baukosten führen wird, bevor er ab dem Jahr 2024 planmäßig einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Situation der Gesellschaft leisten soll". Kein Wunder also, dass der neue Sportdirektor Fabian Wohlgemuth mögliche Abgänge wie den von Kroatiens WM-Star Borna Sosa (Marktwert laut transfermarkt.de immerhin 20 Millionen Euro) für diesen Winter nicht ausschließt.

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Und sonst, wie läuft der Umbau?

Der "Instagram"-Account der Arena dokumentiert in regelmäßigen Abständen die Baufortschritte - zuletzt kurz vor Weihnachten, als der Spielbetrieb wegen der Weltmeisterschaft in Katar schon rund fünf Wochen ruhte und weite Teile der Haupttribüne, allen voran der Unterrang, in der Tat einer Großbaustelle glichen. Bauschutt, Gerüste, mehrere Bagger, Betonmischer und -pumpen: Quasi direkt hinter der Seitenlinie wird fleißig gewerkelt. Die Fertigstellung der neuen Tribüne ist bis Ende 2023 geplant. Bemerkenswert: Bereits im April vergangenen Jahres sprach Architekt Eberhard Becker im Fußball-Podcast des "Zeitungsverlages Waiblingen" davon, dass es auf keinen Fall Verzögerungen geben dürfe: Das halbe Jahr an "Einspielzeit" bis zum EM-Beginn sei das absolute Minimum.

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Patrick Stricker

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