Serhou Guirassy wird von seinen Teamkollegen vom VfB Stuttgart für den 2:2-Ausgleich bei Bayern München gefeiert (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

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VfB-Stürmer Serhou Guirassy: Eine Premiere, die Lust auf Mehr macht

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Johann Schicklinski

Serhou Guirassy war der Spieler des Spiels beim 2:2 des VfB Stuttgart in München. Der 26-jährige Angreifer zeigte bei seinem Startelfdebüt, dass die Fußstapfen von Sasa Kalajdzic nicht zu groß für ihn sind.

Es gab schon schlechtere Startelfdebüts beim VfB Stuttgart als das von Serhou Guirassy. Am Ende gab es zwar keinen Sieg zu feiern, aber das Last-Minute-2:2 der Schwaben beim FC Bayern München fühlte sich wie ein Erfolg an, auch wenn es dafür nur einen Zähler gab.

Ein Elfmeter wie aus dem Lehrbuch

Verantwortlich dafür zeichnete sich vor allem Guirassy, der den Punktgewinn mit seinem verwandelten Elfmeter in der Nachspielzeit überhaupt erst ermöglicht hatte. Zudem hatte er den Strafstoß auch noch selbst herausgeholt.

Bayern-Verteidiger Matthijs de Ligt (verdeckt) tritt Serhou Guirassy auf den Fuß - Elfmeter für den VfB Stuttgart (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Bayern-Verteidiger Matthijs de Ligt (verdeckt) tritt Serhou Guirassy auf den Fuß - Elfmeter für den VfB Stuttgart Picture Alliance

Und dann eiskalt vollstreckt, trotz der Pfiffe in der Münchner Arena und immerhin mit Nationalkeeper Manuel Neuer als Gegenüber. Doch Guirassy ließ dem FCB-Schlussmann keine Chance. Kurzer Anlauf, trockener Schuss - und schon schlug der Ball im rechten Torwinkel des Bayern-Tores ein. Ein Elfmeter wie aus dem Lehrbuch. Und danach jubelte der 26-Jährige nicht etwa überschwänglich, sondern so cool, wie er zuvor vom Punkt aus getroffen hatte.

Und ebenso gelassen präsentierte sich der Neuzugang anschließend im ARD-Interview. "Ich war richtig selbstbewusst und wollte den Elfmeter unbedingt schießen. Ich habe mich dann für eine Seite entschieden und alles in den Schuss gelegt", sagte der Stürmer.

Lob von Sportdirektor Sven Mislintat

Fast schon Understatement - Lob gab es dagegen von anderer Seite. "Es ist schon gut, den so spät dazubekommen zu haben", sagte Sportdirektor Sven Mislintat nach der Partie zur Leistung von Guirassy und spielte damit auf die Last-Minute-Verpflichtung am 1. September an. Der neue Mann sei vorne drin "ein Top-Zielspieler".

Und das hatte der Stürmer gegen die Bayern bewiesen. Zwei weitere Tore hatte er erzielt, eines davon zählte nach und trotz Videobeweis zu unrecht nicht, das andere wurde von Schiedsrichter Christian Dingert wegen eines klaren Foulspiels von Naouirou Ahamada zurückgenommen.

VfB-Angreifer Serhou Guirassy trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich beim FC Bayern, doch Schiedsrichter Christian Dingert erkannte den Treffer nach Videobeweis wieder ab (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
VfB-Angreifer Serhou Guirassy trifft zum vermeintlichen 1:1-Ausgleich beim FC Bayern, doch Schiedsrichter Christian Dingert erkannte den Treffer nach Videobeweis wieder ab Picture Alliance

Zudem hatte er beim Stand von 1:2 mit einem fulminanten Schuss aus knapp 20 Metern nur die Latte getroffen. Viel mehr geht nicht, zumal er es in der Abwehr des deutschen Rekordmeisters mit den Weltklasse-Innenverteidigern Matthijs de Ligt und Dayot Upamecano zu tun hatte - und aus diesen Duellen als klarer Punktsieger hervorgegangen war.

Eine Leihe zum Nulltarif

Eine hervorragende Bilanz also für Guirassy, der für seine neue Mannschaft erstmals von Beginn an auf dem Platz stand, nachdem er eine Woche vorher beim 1:1 gegen Schalke 04 eingewechselt worden war. Da war er allerdings erst zwei Tage vorher nach Stuttgart gewechselt. Eine Leihe von Stade Rennes zum Nulltarif, die VfB-Sportdirektor Mislintat erst in allerletzter Minute, unmittelbar vor Schließung der Transferliste, eingetütet hatte. Die Schwaben müssen nur das Gehalt übernehmen und besitzen zudem eine Kaufoption. Es scheint ein sehr guter Deal für den VfB zu sein.

Laut Mislintat habe man sich bereits viel länger mit Guirassy beschäftigt. Nach dem Abgang von Sasa Kalajdzic zu den Wolverhampton Wanderers für rund 18 Millionen Euro konnte der VfB also schnell reagieren.

Mislintat: "Guirassy war früh unser Wunschspieler"

"Ich kannte ihn schon zu seinen Kölner Zeiten. Da war er ein unfassbar großes Talent, dass durch Verletzungen zurückgeworfen wurde", sagte Mislintat im Gespäch mit SWR Sport. "Ich war seitdem immer wieder mit ihm in Kontakt. Serhou war sehr, sehr früh unser Wunschspieler als Ersatz für Sasa Kalajdzic. Das Fenster ist erst sehr spät aufgegangen, war dann aber vom Timing her perfekt für uns. Auch in der Art und Weise, wie wir es wirtschaftlich hinbekommen haben."

Und der neue Angreifer zeigte, dass die Fußstapfen des Österreichers nicht zu groß für ihn sind. Guirassy ist der gewünschte Zielspieler im Sturmzentrum des VfB Stuttgart, auch wenn er mit 1,87 Metern deutlich kleiner als Zwei-Meter-Mann Kalajdzic ist. Trotz seiner "nur" 82 Kilogramm bringt der Nationalspieler Guineas eine enorme Robustheit mit, an der sich sogar die Abwehrkanten des FC Bayern die Zähne ausbissen. Zudem zeigte Guirassy, dass er auch technisch beschlagen ist, etwa als er zwei Gegenspieler mit einer eleganten Pirouette aussteigen ließ.

Und das Wichtigste: Er weiß, wo das Tor steht. Insgesamt vier Abschlüsse hatte er in München, allesamt gefährlich. In der Ligue 1 traf er in den letzten Jahren insgesamt 31 mal, für den 1. FC Köln, wo er von 2016 bis 2019 spielte, erzielte er in 45 Pflichtspielen neun Tore. Damals war er allerdings noch jünger und unerfahrener. Seitdem hat er viel dazugelernt, doch nicht nur Mislintat ist sich sicher, dass Guirassy noch nicht am Ende seiner Entwicklung angelangt ist und noch besser werden kann.

Guter Einstand für Guirassy

Und auch charakterlich scheint sich Guirassy rasch in der baden-württembergischen Landeshauptstadt eingefügt zu haben. "Er ist ein feiner Kerl, der sehr schnell sehr beliebt war bei seinen Mannschaftskollegen", sagte Mislintat. "Er spricht deutsch, französisch und englisch. Er ist schon cool und weiß auch, was er kann. Er ist kein junger Spieler mehr, hat mit Stade Rennes international gespielt und einiges erlebt."

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo ist sehr zufrieden

Und genau deshalb ist auch VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo happy über die Neuverpflichtung. Stuttgart hat immer noch die jüngste Mannschaft der Bundesliga, da soll Guirassy mit seiner Erfahrung helfen. "Man braucht immer Jungs, die vorangehen, die mutig sind, die auch mal ein Risiko eingehen", sagte der 44-Jährige und wurde konkret: "Er wollte den Elfer schießen und das Tor machen, das tut immer gut."

Vorangegangen ist Serhou Guirassy also bereits, wie das Spiel in München gezeigt hat. Erste Schritte beim VfB Stuttgart, noch in den großen Fußstapfen seines Vorgängers. Es sollen noch viele weitere folgen.

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Johann Schicklinski

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