Claus Vogt (links) und Pierre-Enric Steiger (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Bundesliga

Vogt vs. Steiger - das Duell um die Präsidentschaft beim VfB Stuttgart

STAND
AUTOR/IN

Bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart am 18. Juli wird ein neuer Präsident gewählt. Zur Wahl stehen Amtsinhaber Claus Vogt und Herausforderer Pierre-Enric Steiger. Beide kämpfen seit Wochen um die Gunst der Mitglieder. SWR Sport gibt einen Überblick über die beiden Kandidaten und ihre Standpunkte.

Ausgangslage

Claus Vogt ist seit dem 15. Dezember 2019 Präsident des VfB Stuttgart. Er wurde von den Mitgliedern zunächst für ein Jahr als Nachfolger des wenige Monate zuvor zurückgetretenen Wolfgang Dietrich gewählt. Des Weiteren ist der 51-Jährige Aufsichtsratsvorsitzender der in eine Aktiengesellschaft ausgegliederten Fußball-Abteilung des Bundesligisten.

Vogts Amtszeit war seit Ende des vergangenen Jahres von heftigen Turbulenzen geprägt. Ein vom Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger mit einem offenen Brief angezettelter Machtkampf - Hitzlsperger wollte Vogt aus dem Amt drängen - entwickelte sich zur Zerreißprobe für den Verein. Der Hauptauslöser für die internen Querelen waren unterschiedliche Auffassungen, was die Aufarbeitung einer Datenaffäre aus den Jahren 2016 bis 2018 betrifft. Damals wurden Mitgliederdaten zu Werbezwecken an Dritte weitergegeben, ohne dass die Mitglieder dem zugestimmt hatten. Nach Abschluss der Aufarbeitung mussten mehrere langjährige Vorstandsmitglieder den Verein verlassen. Hitzlsperger entschuldigte sich für seinen Affront. Vogt dagegen ging gestärkt aus dem Machtkampf hervor und präsentierte sich als Aufklärer. Vogt ist seit 1984 Mitglied beim VfB Stuttgart.

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Machtkampf und Datenaffäre: Das VfB-Chaos in der Chronik

Seit Monaten gibt es im Datenskandal und im Machtkampf auf der Führungsebene des VfB Stuttgart fast täglich neue Nachrichten. In der Chronik fassen wir die neuesten Entwicklungen rund um das Chaos zusammen.  mehr...

Pierre-Enric Steiger ist der Herausforderer im Kampf um das Präsidentenamt. Der 49-Jährige wirbt für sich als "Mann für den Neuanfang". Anfang April kündigte Steiger seine Bewerbung an. Am 11. Mai wurde er vom Vereinsbeirat als Gegenkandidat von Amtsinhaber Vogt nominiert. Steiger ist seit 2017 Mitglied beim VfB Stuttgart. Seit 2019 ist er Mitglied im VfB-Freundeskreis und unterstützt darüber finanziell die Jugendarbeit des Bundesligisten.

Positionen und Standpunkte 

Vogt genießt bei großen Teilen der Fanbasis hohes Ansehen. Nicht zuletzt, weil er sich um eine transparente Aufarbeitung der Datenaffäre bemühte. Seine Amtszeit war vor allem von den Herausforderungen der Corona-Pandemie und internen Machtkämpfen geprägt. Grundsätzlich möchte Vogt die Rechte der Anhänger innerhalb des Vereins stärken. So soll beispielsweise der Fan-Ausschuss, der den Vorstand in Fan-Angelegenheiten berät, weiterentwickelt werden. Des Weiteren möchte Vogt den Mitgliedsbeitrag von 48 auf 60 Euro im Jahr erhöhen. Dadurch sollen die anderen Abteilungen des Vereins finanziell aufgewertet werden (u.a. Leichtathletik, Tischtennis, Faustball, Hockey). Das Gesamt-Budget des eingetragenen Vereins liegt aktuell bei gut 2,6 Millionen Euro. Als größte Herausforderung sieht Vogt aktuell ein finanzielles Loch der Fußball-AG von mehr als 40 Millionen Euro, das es zu stopfen gilt. Ein offizielles Wahlprogramm hat Vogt nicht.  

Steiger hat ein 18 Seiten umfassendes Positionspapier ausgearbeitet, um darzustellen, wie er den VfB Stuttgart in Zukunft gestalten und umgestalten will. Eines seiner Hauptanliegen ist die Gründung einer Vertreterversammlung, bestehend aus bis zu 72 Vereinsmitgliedern (ein Vertreter pro 1.000 Mitglieder). Das Gremiums soll ein Mitspracherecht bei Entscheidungen innerhalb der Fußball-AG bekommen. Außerdem will Steiger die anderen Abteilungen des Vereins mit mehr Geld ausstatten. Der 49-Jährige will die Einnahmen des Vereins in den kommenden zwei Jahren mindestens verdoppeln. Zum einen durch eine Aufstockung der Mitgliederzahl auf gut 100.000 (aktuell ca. 72.000), zum anderen durch neu generierte Sponsoren für die einzelnen Abteilungen.

Darüber hinaus kündigt Steiger an, dass er im Falle einer Wahl zum VfB-Präsidenten auf eine Aufwandsentschädigung (ca. 50.000 Euro im Jahr plus Dienstwagen) verzichten würde.

Wahlkampf

Vogt und Steiger sind im Wahlkampf bisher respektvoll miteinander umgegangen. Einzelne Spitzen in Richtung des Kontrahenten blieben dennoch nicht aus. 

"Dinge versprechen, das kann jeder. Ich möchte darauf verweisen, was ich für den VfB getan habe."

"Ich brauche das Amt nicht für mein Ego. Auch nicht für meinen Geldbeutel. Ich bin finanziell unabhängig."

Der im Vergleich zu Vogt noch relativ unbekannte Steiger nahm weitaus mehr Gelegenheiten wahr, um sich und sein Programm zu präsentieren. Unter anderem bot er VfB-Mitgliedern in den vergangenen Wochen fast täglich die Gelegenheit, mit ihm über Video-Konferenzen in Kontakt zu treten. Für Kritik sorgte eine Äußerung Steigers in einem Podcast Ende Juni. Steiger sagte sinngemäß, dass im Ausland ein Rettungsdienst ohne den christlichen Glauben nicht funktioniere.

Präsident Hans Weitpert (li.) und Trainer Branco Zebec (beide Stuttgart) 1970 beim Spiel gegen den FC Bayern München (Foto: Imago, IMAGO / WEREK)
Hans Weitpert (links): 1969 - 1975 Imago IMAGO / WEREK Bild in Detailansicht öffnen
Gerhard Mayer-Vorfelder: 1975 - 2000 picture-alliance/ dpa | Oliver_Berg Bild in Detailansicht öffnen
Manfred Haas: 2000 - 2003 Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Erwin Staudt: 2003 - 2011 Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Gerd E. Mäuser: 2011 - 2013 Imago IMAGO / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
Bernd Wahler: 2013 - 2016 Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Wolfgang Dietrich: 2016 - 2019 Imago IMAGO / Pressefoto Baumann Bild in Detailansicht öffnen
Claus Vogt: Seit Dezember 2019 amtierender Präsident des VfB Stuttgart. Imago IMAGO / Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen

Beruflicher Werdegang und Privates

Vogt hat Maschinenbau und Umweltschutztechnik studiert. Anschließend  war er für mehrere Firmen im Bereich der Gebäudebewirtschaftung tätig. 2010 gründete er sein eigenes Facility-Management-Unternehmen, die Intesia Group Holding GmbH, mit Sitz in Böblingen. 2017 rief er den Verein "FC PlayFair!" ins Leben, eine kommerzkritische Fan-Initiative. Nach seiner Wahl zum VfB-Präsidenten gab er sein Amt als Vorsitzender der Initiative auf. Vogt ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit seiner Familie in Waldenbuch. Zu seinen Hobbys zählen Fußball, Skifahren und Golf.

Steiger ist gelernter Bankkaufmann. Seit 2010 ist er Präsident der Björn-Steiger-Stiftung in Winnenden. Die Stiftung kümmert sich seit mehr als 50 Jahren um die Verbesserung des Rettungsdienstes in Deutschland. Steiger ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Winnenden. Seine Hobbys sind Fußball, Tauchen, Reiten und Tennis.

Mehr zum Thema:

Fußball | Bundesliga VfB Stuttgart: Herausforderer Steiger kritisiert Amtsinhaber Vogt

Herausforderer Pierre-Enric Steiger hat im Kampf um das Präsidentenamt beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart Amtsinhaber Claus Vogt kritisiert.  mehr...

Stutgart

Fußball | Bundesliga VfB Stuttgart: Die Präsidentschaftskandidaten Claus Vogt und Pierre-Enric Steiger stellen sich gemeinsam den Fragen der Mitglieder.

Die Präsidentschaftskandidaten Claus Vogt und Pierre-Enric Steiger stellen sich gemeinsam den Fragen der Mitglieder. Beginnt der heiße Wahlkampf oder bleibt es beim Kuschelkurs?  mehr...

Stuttgart

Fußball | Bundesliga VfB-Mitgliederversammlung: Zwei Duelle um Präsidiumsposten

Wer gehört in Zukunft dem Präsidium des VfB Stuttgart an? Über diese Frage können die Mitglieder des VfB am 18. Juli entscheiden. Nun hat der Vereinsbeirat entschieden, wer zur Wahl steht.  mehr...

Meistgeklickt

Rastatt

Corona-Verordnung in BW, 16.9.21 Diese neuen Corona-Regeln gelten für Kinder und Jugendliche im Sport

Dürfen ungeimpfte Jugendliche beim Training mitmachen? Wann müssen Kinder vor dem Sport getestet werden? Die neue Corona-Verordnung in BW wirft Fragen auf. Wir haben die Antworten.  mehr...

Freiburg

Fußball | Bundesliga Ein letztes Spiel: Abschied vom Freiburger Dreisamstadion

Eine Ära geht zu Ende. Die Profis des SC Freiburg werden am Sonntag gegen den FC Augsburg (17:30 Uhr) zum letzten Mal ein Spiel in ihrem vertrauten Dreisamstadion bestreiten. Erinnerungen an 67 Jahre Fußballgeschichte.  mehr...

Es droht der Verlust einer ganzen Generation Was bringt die Schwimmkurs-Offensive für Kinder in Baden-Württemberg?

Lange Wartelisten, zu wenige Ausbilder, Rückstau durch Corona: Es gibt immer mehr Kinder, die das Schwimmen nicht lernen. In Baden-Württemberg soll ein Sofortprogramm helfen. Ein Überblick.  mehr...

STAND
AUTOR/IN