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Bayern-Chef Karl Heinz Rummenigge hat eingeladen – und alle dürfen kommen. Fast alle. Denn das Gespräch der Bundesligisten findet ohne Mainz, Stuttgart, Bielefeld und Augsburg statt. Ein Kommentar von SWR Sport-Reporter Günther Schroth.

Erst neulich habe ich Karl Heinz Rummenigge bei einem mehrstündigen, langen Podcast zugehört. Er erzählte von Gott, der Welt und von Fußball, und ich dachte mir noch – das ist doch eigentlich ein ganz netter, durchaus reflektierter Mensch. Das denke ich mir jetzt nicht mehr. Ich bin zurückgekehrt zu all den Vorbehalten, die man den Bayern gegenüber haben kann.

Denn eine der großen Fragen unserer Zeit lautet ja: Warum haben die da oben so viel und die da unten so wenig? Diese Frage ist jetzt auch bei den Fußball-Millionarios angekommen. Man könnte darüber lächeln. Und man könnte diese Frage banalisieren und meinen, da regen sich die einen darüber auf, dass die anderen ein paar Millionen mehr haben. Der übliche Neid-Sozialismus halt. Könnte man sagen. Schaut man dann genauer hin, dann zeigt sich, dass es um etwas anderes geht: Nämlich um den Kern des Fußballspiels, der da lautet: Man weiß nicht, wie es am Ende ausgeht.

Bayern sind ein zuverlässiger Punkte-Lieferant

So war das mal. Betonung auf war. Mittlerweile weiß jeder, dass 22 Leute auf dem Platz stehen - und am Ende immer die Bayern gewinnen. Immer. Zuletzt gegen Dortmund. Ich bin Mitglied in einer Tippspiel-Gruppe - und die Bayern sind mein zuverlässigster Punkte-Lieferant. Es geht nur noch um die Höhe des Sieges.

Und deshalb melden sich jetzt die Nachdenklichen des Systems Fußball zu Wort und haben scheinbar revolutionäre Ideen. Es geht um die Verteilung der Fernsehgelder - da kriegen die Bayern den Löwenanteil - und die anderen werden Woche für Woche zum Fraß vorgeworfen. Nun haben die Mainzer und Stuttgarter zusammen mit Bielefeld und Augsburg mal laut darüber nachgedacht, dass man das Geld ja auch anders verteilen könne. Andersdenkende aber werden im Fußball prompt bestraft: Man lädt sie nicht ein zum "Geheimtreffen" in Frankfurt, das jetzt plötzlich gar nicht mehr so geheim ist.

Bayern laden nur Ja-Sager ein

Die Bundesliga lebte mal davon, dass man vorher nicht wusste, wie es nachher ausgeht. Jetzt ist es längst kein Geheimnis mehr, dass Bayern Meister wird, Borussia Dortmund kommt in die Champions League und RB Leipzig und Bayer Leverkusen höchstwahrscheinlich auch. Der Rest ist Langeweile. Und deshalb treffen sich die da oben unter sich, laden die übliche Mehrheit der Ja-Sager dazu ein und wollen andere gar nicht erst zu Wort kommen lassen. Das ist nicht nur schlechter Stil. Für mich ist das armselig. In den USA haben sie die Armseligkeit übrigens gerade abgewählt. Manchmal finde ich es schade, dass man den Fußballmeister nicht abwählen kann.

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