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Die Turbulenzen bei Fußball-Bundesligist VfB Stuttgart nehmen kein Ende. Jetzt könnte sogar der Beschluss zur Ausgliederung der Profiabteilung wackeln.

Fast täglich wird von neuen Zerwürfnissen in der Führungsebene des schwäbischen Klubs berichtet. Inzwischen hat auch der Aufsichtsrat der AG personelle Konsequenzen gezogen und zwei Vorstände entlassen. Und am Ende der undurchsichtigen Machtkämpfe an der Mercedesstrasse könnte sogar die 2017 erfolgte Ausgliederung der Profiabteilung rückabgewickelt werden müssen – wegen schwerwiegender rechtlicher Verstöße.

War die Profi-Ausgliederung rechtens?

SWR-Sportreporter Stefan Kiss hat dazu mit dem renommierten Fachanwalt Marius Breucker (Handels- und Gesellschaftsrecht/Bank- und Kapitalmarktrecht) gesprochen. Was der Experte der Kanzlei Wüterich/Breucker sagt, gibt durchaus Anlass zur Sorge. Gleichzeitig wirft die Einschätzung des Stuttgarter Anwalts neue, brisante Fragen auf. So sei der Ausgliederungsbeschluss "nichtig", wenn ein schwerwiegender Mangel vorliege, sagt Breucker.

"Wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass der Beschluss nichtig war, dann dürfte er auch von Amtswegen nicht mehr beachtet werden." Weiter sagt Breucker: "Das würde zum Beispiel in einem Fall bejaht, in dem ein Kandidat im Vorfeld einer Wahl Zugang zu Mitgliederdaten hatte und sein Konkurrent nicht, und deshalb ein Verstoß gegen die Chancengleichheit der anschließenden Wahl bejaht wurde."

Verstöße gegen Datenschutz

Heikel sei auch der Vorwurf, dass nicht nur Daten von volljährigen Mitgliedern unerlaubt weitergegeben worden seien. Im Zuge des sogenannten Guerilla-Marketings, so die Vorwürfe, seien auch Daten von Minderjährigen unter 18 Jahren verwendet worden, die noch vor der Mitgliederversammlung 2017 volljährig geworden waren, um diese positiv im Sinne der Ausgliederung zu beeinflussen. "Wenn man personenbezogene Daten von Mitgliedern an Dritte weitergibt, dann braucht man dafür regelmäßig das Einverständnis der Mitglieder, gerade bei Jugendlichen. Wenn man ohne dieses Einverständnis die Daten weitergibt, ist das ein Verstoß gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen und auch gegen vereins - und, je nachdem, gegen vertragsrechtliche Bestimmungen", so Breucker.

Abmahnungen oder sogar fristlose Kündigungen denkbar

Obwohl die Europäische Union nach 2016 neue Datenschutzgesetze erlassen habe, lägen in dem Fall unter Umständen Verstöße gegen das damals geltende deutsche Datenschutzgesetz vor. Im Zuge der ausufernden Datenschutz-Affäre seien Abmahnungen und fristlose Kündigungen von handelnden Personen durchaus denkbar. "Das ist dann immer eine Frage des Einzelfalls, aber natürlich, ein bewusster Verstoß gegen das Datenschutzgesetz, wenn das vorsätzlich erfolgt sein sollte, könnte schon ein Ansatzpunkt sein für eine fristlose Kündigung“, so Breucker.

Mitwisserschaft allein sei dabei noch kein Pflichtverstoß. Wenn aber Amtspflichten verletzt wurden, in etwa Unterlassung vorliege, könnten fristlose Kündigungen drohen.

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