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Der Kampf um das Amt des Präsidenten beim VfB Stuttgart nimmt eine unerwartete Wendung und brüskiert den aktuellen Präsidenten Claus Vogt. Nach Informationen des SWR wirft Thomas Hitzlsperger seinen Hut für die Wahl am 18. März 2021 in den Ring.

Der Ex-Nationalspieler ist einer von vier Kandidaten, die ihre Bewerbung eingereicht haben. Neben Vogt und Hitzlsperger stehen der Remstäler Geschäftsmann Volker Zeh und die als Stuttgarter OB-Kandidatin gescheiterte Friedhild "Fridi" Miller (0,3 Prozent) auf der Liste. Ein achtköpfiger Vereinsbeirat wählt in den kommenden Tagen zwei Bewerber aus, die sich dem Votum der Mitglieder stellen dürfen. Während die Namen von Vogt, Zeh und Miller mittlerweile bekannt sind, wurde von einem anonymen vierten Kandidaten berichtet. In Vereinskreisen war zuletzt von einem ehemaligen Profi die Rede, der antreten wolle. Zeh und Miller werden nur geringe Chancen eingeräumt.

Überraschungskandidat Hitzlsperger

Hintergrund der Bewerbung des 38 Jahre alten deutschen Meisters von 2007 soll ein interner Machtkampf sein. Der seit Dezember 2019 amtierende Vogt zog sich mit kritischen Nachfragen in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender den Zorn einiger altgedienter VfB-Funktionäre zu. Vogt nutze seine in der Vereinssatzung festgeschriebene Kontrollfunktion zu ausgiebig, heißt es. Seine Kritiker werfen Vogt außerdem vor, medial sehr präsent zu sein, die interne Kommunikation dagegen zu vernachlässigen und so zur Spaltung des Vereins beizutragen.

Der 51-Jahre alte Unternehmer aus Waldenbuch hatte nicht nur vergangenes Frühjahr aus seiner Sicht übereilte und kostspielige Vertragsverlängerungen hinterfragt, sondern auch die Aufklärung der sogenannten Datenaffäre in externe Hände gegeben, um für eine lückenlose Aufklärung außerhalb des Einflusses des Vereins zu sorgen. Während die externe Aufarbeitung der Affäre innerhalb des Vereins weitgehend unstrittig ist, werden vermehrt Stimmen laut, die beklagen, dass die Aufklärung zu lange dauere, zu kostspielig sei und bislang keine konkreten Ergebnisse erbracht habe. Vogt wird vorgeworfen, ohne Ausschreibung und Kostenrahmen die externen Ermittler beauftragt zu haben.

Nächster Streitpunkt zwischen Vogt und Hitzlsperger: Im Mai 2020 verlängerte der damalige Zweitligist den Vertrag von Trainer Pellegrino Matarazzo bis 2022. Und das, obwohl der Italo-Amerikaner noch einen Kontrakt bis zum Ende der Saison 2020/21 besaß und der avisierte Bundesliga-Aufstieg in große Gefahr geraten war. Den Schwaben gelang nur mit einiger Mühe am Ende unter Matarazzo die Rückkehr in die Bundesliga. Dort sorgt die vom einflussreichen Sportdirektor Sven Mislintat zusammengestellte junge Mannschaft mit guten Ergebnissen und einem erfrischenden Spielstil für Aufsehen.

Angesprochen auf die Vorwürfe beharrte der bei den Fans angesehene Vogt zuletzt immer darauf, er nehme mit kritischen Nachfragen nur seine Kontrollfunktion wahr.

Doppelfunktion möglich?

Hitzlspergers Bewerbung als Präsident wirft nicht nur Fragen zu seinem aktuellen Job als hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender auf, sondern auch ein Gegenkandidat Vogt wäre wohl chancenlos gegen den beliebten und erfolgreichen Ex-Profi.. 

Beide Ämter in Personalunion auszuüben, lässt sich auf den ersten Blick nur schwer vereinbaren. Während der Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart 1893 AG mit einem Millionen-Gehalt entlohnt wird, ist das Amt des Präsidenten des e.V. bisher eine ehrenamtliche Tätigkeit. Der Präsident ist zudem satzungsgemäß zugleich Aufsichtsrats-Vorsitzender der AG. Denkbar ist nach SWR-Informationen allerdings, dass ein Präsident und Vorstandsvorsitzender Hitzlsperger das Präsidentenamt ehrenamtlich übernimmt und gleichzeitig auf seinen Sitz im Aufsichtsrat verzichtet. Der Gesamtverein behält auf alle Fälle zwei Sitze im Aufsichtsrat und kann den freiwerdenden Sitz Hitzlspergers durch jedes ordentliche Vereinsmitglied besetzen.

Eine Stellungnahme Hitzlspergers, Vogts oder des Vereins war bis zum Nachmittag zunächst nicht zu erhalten. Dann meldete sich Hitzlsperger mit einem offenen Brief und begründete seine Kandidatur um den Posten mit einem tiefen Riss innerhalb des Vereins.

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