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Ein offener Brief an Fans und Mitglieder. VfB-Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger hat sich gestern den Frust der letzten Wochen und Monate von der Seele geschrieben. SWR-Sportreporter Jens Ottmann kommentiert.

Hitzlspergers Opfer, Claus Vogt, seit 2019 Präsident der Schwaben. Es sind vier Seiten voll mit Vorwürfen. Vogt soll intern seiner Informationspflicht nicht nachgekommen sein, "sensible Interna" soll er an Dritte weitergegeben haben. Besonders ärgerlich empfindet der Ex-Profi den Umgang mit der Aufklärung des Datenskandals. Die Berliner Kanzlei Esecon wurde beauftragt, die mutmaßliche Weitergabe von Mitgliederdaten an Dritte zu klären. Die Beauftragung wurde laut Hitzlsperger "ohne Ausschreibung, ohne Kostenschätzung und ohne Projektplanung durchgedrückt". Dazu kommt der finanzielle Aspekt.

In seinem Brandbrief schreibt der 38-Jährige weiter, dass die "unkontrolliert ausufernden Kosten" dazu führen, dass die AG den Verein unterstützen muss, um ihn vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Der Grund für die heftige Kritik könnte aber auch die Angst vor der Aufklärung sein. Einige aus dem Vorstand waren zur Zeit der Vorwürfe bereits im Amt. Bislang wurde lediglich Mediendirektor Oliver Schraft aus der Schusslinie genommen. Wer weiß schon, was die anderen wissen?

Hitzlsperger geht aufs Ganze

Hitzlsperger will jetzt auch den Posten des Präsidenten beim Traditionsverein einnehmen und dabei geht es weniger darum, mehr Macht zu haben, sondern viel mehr darum, in Zukunft nicht mehr mit dem aktuellen Amtsinhaber zusammen arbeiten zu müssen. Beim Pokern nennt man das "All in" - Hitzlsperger geht aufs Ganze und damit volles Risiko.

"Typisch VfB! Was se vorna grad uffbaut hend, reisset se henda mit'm Arsch glei wiedr ei!"

VfB-Fan Thorsten Seiter (auf Facebook)

Mit diesem Brief hat sich "The Hammer" nicht nur Freunde gemacht. Viele Anhänger sind geradezu geschockt, dass Hitzlsperger den Präsidenten öffentlich dermaßen massiv angeht. Vogt ist bei vielen Fans und Mitgliedern so beliebt und anerkannt wie kaum ein anderer vor ihm. Vor allem seine Transparenz und seine Fan-Nähe werden ihm hoch angerechnet. 

Richtig interessant wird es aber erst, wenn Claus Vogt sich zu den Vorwürfen äußert. Kann er sie entkräften oder sogar die Mitglieder von seinem Tun überzeugen, dann könnte es am 18. März bei der Mitgliederversammlung zu einem wahren Showdown kommen. 

Hitzlsperger oder Vogt? Einer von beiden wird den VfB verlassen müssen.

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