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Als Aufsteiger bringt der VfB Stuttgart viel Angriffs-Schwung in die Bundesliga. Nach sieben Spieltagen schmücken zehn wertvolle Punkte das Konto, was Rang acht bedeutet. Nur ein Heimsieg fehlt noch.

Die Lage

Mit welcher Geschwindigkeit der VfB in der ersten Halbzeit seinen Gegner Eintracht Frankfurt durcheinander wirbelte, war beeindruckend. Trainer Pellegrino Matarazzo sah sich nach der 45-minütigen Tempo-Demonstration dazu genötigt klarzustellen, dass es ihm nicht "um Spektakel, sondern um Leistung" gehe. Dass Stuttgart Spektakel kann, ist eine Bereicherung für die Liga, bringt aber nicht automatisch den Sieg. So war`s auch gegen Frankfurt, als der Aufsteiger zeitweise durchhing. Aus einer 2:0-Führung wurde am Ende ein 2:2.

Der Aufsteiger hat sechs Mal hintereinander nun nicht mehr verloren. Bisher steht nur die Auftaktniederlage zu Hause gegen Freiburg zu Buche. Geschenkt! Die zwei Auswärtssiege in Mainz und bei der Hertha waren wichtig fürs Punktekonto. Zuletzt sorgten die Unentschieden gegen Köln, Schalke und eben Frankfurt nicht immer für heitere Stimmung beim VfB.

Das läuft gut

Der Eindruck ist, dass die Mannschaft eine Einheit darstellt. Sie ist jung, selbstkritisch, bescheiden im Auftreten und - ganz wichtig - begeisterungsfähig. Manchmal scheint es sogar, als berauschen sich die VfB-Profis selbst an den eigenen Leistungen. "Die Spieler geben schon Gas im Training. Man sieht Entwicklungsschritte, deswegen macht es schon Spaß," gibt der Trainer Einblicke in sein Inneres.

Dass die Stuttgarter im Zentrum bisher so gut stehen, ist einem überragenden Abräumer zu verdanken. Wataru Endo ist vor der Abwehr eine defensive Zweikampfmaschine. Kopfball- und spielstark mit viel Energie. Pellegrino Matarazzo bezeichnete den Japaner auch als "Raumschließer". Dahinter machen Pascal Stenzel und Marc Oliver Kempf einen tollen Job. Abwehrchef Waldemar Anton kehrt nach Verletzung nun wieder zurück, dürfte noch mehr Sicherheit in den Defensiv-Verbund einbringen. Neun Gegentore, zugegebenermaßen nicht gegen die offensivstärksten Ligateams, sind nicht zu beanstanden.

In der Offensive zeigt sich der VfB mit Sasa Kalajdzic (3 Tore), Mateo Klimowicz (1) und dem wieder einsatzbereiten Geschwindigkeitskicker Nicolas Gonzalez (2 Treffer) äußerst flexibel. Einen atemberaubenden Aufschwung erlebt hinter den Spitzen Gonzalo Castro. Mit 33 Jahren, 390 Bundesligaspielen und zwei Saisontoren ist der neue Kapitän so stark wie noch nie beim VfB.

Das muss besser werden

Für 16 Stuttgarter Spieler war die Bundesliga zu Saisonbeginn noch unbekanntes Terrain. Die mangelnde Erfahrung war zuletzt gegen Frankfurt sichtbar. Da verlor der VfB Mitte der 2. Halbzeit erstmals in dieser Spielzeit komplett den Faden. Vorsicht! Die ganz starken Gegner kommen erst noch.

Cooler werden heißt es auch beim Toreschießen. Zwar hat der VfB bisher 13 Treffer erzielt. Doch es bleiben zahlreiche Großchancen liegen. Auffallend ist, dass alle Ecken und Flanken noch zu keinem einzigen Treffer führten.

Ein Unsicherheitsfaktor in der Abwehr war bei den Unentschieden gegen Schalke und Frankfurt Atakan Karazor. Der 24-Jährige dürfte schon in der anstehenden Partie gegen Hoffenheim durch den wieder genesenen Waldemar Anton ersetzt werden.

Die Neuen

Waldemar Anton kam für vier Millionen Euro von Hannover 96. Der 24-Jährige wurde schnell zum neuen Stuttgarter Abwehrchef. Seine robuste Spielweise und seine Körpersprache verleihen dem zuletzt verletzten Anton Führungsqualitäten.

Vom FC Arsenal kam auf Leih-Basis der Abwehr-Grieche Konstantinos Mavropanos, der aber verletzt ist. Noch nicht in Erscheinung trat der junge Naouirou Ahamada der von Juventus Turin ausgeliehen wurde.

Darüber hinaus wurden die zuvor ausgeliehenen Gregor Kobel, Wataru Endo und Pascal Stenzel fest verpflichtet. Alle drei sind mittlerweile Stammspieler.

Der Trainer

Pellegrino Matarazzo hat aus einem wenig überzeugenden Zweitligisten wieder einen Bundesligisten gemacht, dem perspektivisch viel zuzutrauen ist. Die jungen Wilden leben wieder.

Der studierte Mathematiker Matarazzo will von seiner Mannschaft kein risikoarmes Spiel sehen, das sich auf die Verteidigung des eigenen Tors beschränkt. Der gebürtige US-Amerikaner will die schnelle Spieleröffnung mit flachen Pässen. Dribblings, gerade im Mittelfeld, sind durchaus erwünscht. Die Hauptsache ist Tempo, Tempo, Tempo im Spiel nach vorne.

Pellegrino Matarazzo bringt die nötige Ruhe mit, um in der hektischen Bundesliga mit einem jungen Team zu bestehen.

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