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Beim Aufstieg holperte es noch gewaltig, jetzt poltert der VfB Stuttgart eindrucksvoll durch die Bundesliga. Mit Geschwindigkeit, gutem Zweikampfverhalten und Spielintelligenz. Nur gegen die Bayern zuletzt war davon wenig zu sehen. Macht aber nichts.

Der junge VfB Stuttgart begeistert, erstaunt und ist erfolgreich. Der beste Aufsteiger seit fünf Jahren steht nach 26 Spieltagen auf Tabellenplatz neun. 36 Punkte haben die Stuttgarter bereits erobert. Mindestens genauso beeindruckend sind die 47 erzielten Treffer. Zuletzt war das "Magische Dreieck" der Stuttgarter (Giovane Elber, Fredi Bobic, Krassimir Balakov) vor einem Vierteljahrhundert in dieser Disziplin noch besser. Aktuell haben nur die Spitzenteams aus München, Dortmund, Frankfurt und Leipzig mehr Tore erzielt.

Jüngste Mannschaft der Liga

Der VfB Stuttgart ist die jüngste Bundesliga-Mannschaft in dieser Saison. Das Durchschnittsalter der eingesetzten Spieler beträgt 24,4 Jahre. Die Bayern beispielsweise sind im Schnitt fast drei Jahre älter.

"40 Punkte, damit sind wir sicher drin. Der Klassenerhalt, nicht anderes kann Thema sein."

VfB-Sportdirektor Sven Mislintat über das Saisonziel

Zwar fehlt Stuttgart noch ein Hauch, um die gewünschten 40 Punkte einzusammeln, doch die Erwartungen hat der Überraschungsklub der Saison schon erfüllt. Pflicht erfüllt, jetzt darf die Kür folgen.

Trainer Pellegrino Matarazzo dirigiert den VfB Stuttgart durch die Aufstiegssaison (Foto: Imago, imago/Michael Weber)
Trainer Pellegrino Matarazzo dirigiert den VfB Stuttgart durch die Aufstiegssaison Imago imago/Michael Weber

Der Trainer ist der Leader

Pellegrino Matarazzo ist vor allem eins: die Ruhe selbst. Das ist er, das strahlt er aus und das kommt auch bei seinen Spielern an. Mit seinen fast zwei Metern herrscht der 43-Jährige, ohne sich als Herrscher aufzuspielen. In seiner ersten Saison als Bundesligatrainer wirkt Matarazzo im Umgang mit seinen Spielern souverän. Er kommuniziert, ohne zu zerreden. Er bestimmt, ohne zu befehlen.

Die Erfolgsformel des Diplom-Mathematikers: Erfrischender Offensivfußball mit einem mutigen Pressing. Zudem hat sich die Defensive in den vergangenen Wochen dank einer starken Dreierkette stabilisiert. Der 0:4 Ausrutscher in München passt nicht in das Gesamtbild, zeigt aber die Verletzlichkeit dieser noch unerfahrenen Mannschaft.

Matarazzo bleibt auch nach Niederlagen gelassen und geduldig. Trotz aller Lässigkeit umgibt ihn aber eine natürlich Autorität. In schwierigen sportlichen Momenten bleibt der Trainer cool, analysiert nachdenklich und erkennt bessere Gegner neidlos an. Wenn es gut läuft, wird das eigene Team gelobt. Ganz selten hebt der gebürtige US-Amerikaner mit dem italienischen Pass einen einzelnen Spieler heraus. Gut in der Öffentlichkeit und bei vielen Medienvertretern kommt an, dass Matarazzo keine Phrasen drischt und in seinen Erklärungen immer auf den Punkt kommt. Sympathisch!

Sasa Kalajdzic ist der erfolgreichste Torschütze des VfB der bisherigen Saison (Foto: Imago, Imago/Pressefoto Baumann)
Sasa Kalajdzic ist der erfolgreichste Torschütze des VfB der bisherigen Saison Imago Imago/Pressefoto Baumann

Die Tops und Flops

Eindrucksvoll ist besonders in der Rückrunde Sasa Kalajdzic. Der Mittelstürmer konnte bis zur Partie in München gar nicht mehr mit dem Toreschießen aufhören. In sieben Bundesliga-Spielen nacheinander traf der lange Österreicher, stellte damit den VfB-Rekord von Fredi Bobic ein. Kalajdzic kommt insgesamt auf 13 Saisontreffer. Der 23-Jährige wird immer wertvoller. Die Konkurrenz beobachtet das sehr genau.

Einen Qualitätssprung hat auch Silas Wamangituka hinter sich. Seine Schnelligkeit, Dynamik und Technik waren bisher für elf Tore gut. Der einstige acht Millionen Mann ist mittlerweile ein Vielfaches wert, harmoniert mit Kalajdzic, ist Konterspezialist, wird den Stuttgartern nach seinem Kreuzbandriss aber lange fehlen und nur schwer ersetzbar sein.

Auffällig unauffällig

Nicht so auffällig spielt im defensiven Mittelfeld Wataru Endo. Nicht Tore, sondern sein Zweikampfverhalten und seine Übersicht zeichnen den vielleicht wichtigsten Spieler der Stuttgarter aus. "Er ist ein Leader. Er geht mit seiner Leistung voran", sagt Matarazzo über ihn. Endo ist ein Arbeiter und Vorbild.

Immer besser wird die Abwehrkette mit Konstantinos Mavropanos. Der bullige Grieche hat gerade sein Debüt im Nationalteam gegen Honduras gefeiert. Seine Nebenleute Waldemar Anton und Marc Oliver Kempf sollen angeblich bei Bundestrainer Joachim Löw auf dem Zettel stehen.

Ein Flop war Stuttgarts Einbruch beim FC Bayern. Innerhalb von wenigen Minuten zerbrach das Team wie eine dünne Eisschicht unter Belastung. Erst in der Halbzeit konnte der Trainer es neu ordnen. Wenn das ein Einzelfall bleibt - geschenkt.

Wie geht es weiter?

Es bleibt abzuwarten, wie schwer Wamangitukas Ausfall wiegt. Einen Hinweis wird vielleicht schon die nächste Partie (Sonntag, 15:30 Uhr) gegen Werder Bremen geben.

Ob es am Ende für Europa reicht, ist zweifelhaft, aber durchaus möglich. Fallen nicht noch mehr Stammspieler in den nächsten Wochen aus, hat der VfB das Zeug, seinen derzeitigen Tabellenplatz zu halten.

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