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Leistungsträger statt Reservist: Daniel Didavi will es mit 31 Jahren nochmal wissen beim VfB Stuttgart. Und wehrt sich gegen den Vorwurf, er sei eine Diva.

Daniel Didavi hat gewonnen. Beim Pokern am Dienstagmittag mit der Mannschaft im Quarantäne-Hotel. "Das ist die Erfahrung", sagt Didavi in einer digitalen Medienrunde grinsend. Der 31-Jährige wirkt entspannt. Am Dienstag gab der VfB bekannt, dass Didavis auslaufender Vertrag um ein Jahr bis 2022 verlängert wurde. "Seit ich sieben bin ist der VfB bis heute täglich ein Teil meines Lebens", sagt Didavi, und ergänzt: "Das ist etwas Schönes, wenn man bei seinem Heimatverein verlängern kann."

Mittelfeldspieler war unzufrieden

Der Spielmacher spielt mit wenigen Unterbrechungen seit 24 Jahren beim VfB Stuttgart. Didavi ist Identifikationsfigur auf und neben dem Platz. Aktuell ist er der einzige Spieler aus der eigenen Jugend mit regelmäßigen Einsatzzeiten. “Daniel ist unser Junge, unser Akademiespieler”, betonte Sven Mislintat zuletzt.

Didavis Vertragsverlängerung war alles andere als sicher. Weil der Verein auf junge Spieler wie den kürzlich verpflichteten Ömer Beyaz setzt, wurde zuletzt der Vertrag vom 33-jährigen Kapitän Gonzalo Castro nicht verlängert. Im Gegensatz zu Castro war Didavi in der aktuellen Saison kein Stammspieler, kam zwölf Mal erst von der Bank ins Spiel. Doch der Spielmacher will beim VfB nach einer durchwachsenen Saison nochmal angreifen. Nur weil er jetzt 31 Jahre alt ist, werde er sich nicht mit einer Rolle als Einwechselspieler begnügen, sagte Didavi. "Natürlich gehe ich in die Saison und sag: Ich will mehr spielen", betont er.

Didavi wehrt sich gegen Diva-Vorwurf

Der 31-Jährige wehrt sich gegen den Vorwurf, eine Diva zu sein, die beleidigt sei, wenn sie nicht spiele: "Ich habe nicht ein Mal die Schuld bei anderen gesucht. Ich war unzufrieden, aber unzufrieden mit mir", betont Didavi. Im Gespräch mit Trainer Pellegrino Matarazzo vor der Vertragsverlängerung sei es ihm wichtig gewesen zu hören, dass der Trainer nicht nur auf seine Erfahrung setze.

Es sei ihm nicht darum gegangen, dass er 20 Spiele machen müsse, sondern, dass der Trainer sagt: "Ich seh auch das Sportliche in dir und wenn du deine Leistung bringst, dann wirst du spielen". Ab da sei die Vertragsverlängerung nur noch "Formsache" gewesen, auch wenn andere Clubs am Spielmacher interessiert waren und es Gespräche gab: "Man hat sich kurz Gedanken gemacht, aber im Endeffekt war nichts dabei, wo ich gesagt habe, das ist das, was ich mir vorstellen könnte", so Didavi.

Beim VfB schätzt man Didavi nicht nur wegen seiner Erfahrung

Beim VfB schätzen sie seine Erfahrung, die er an die jüngeren Spieler im Team weitergeben kann. Trainer und Sportvorstand sehen im Spielmacher aber immer noch einen sportlichen Mehrwert: "Daniel Didavi ist in der laufenden Spielzeit unser torgefährlichster zentraler Mittelfeldspieler. Sowohl als Startelfspieler als auch nach Einwechslungen hat er eine große Wichtigkeit für unser Spiel”, sagte Sven Mislintat über Didavi. Der 31-Jährige kommt in 22 Spielen auf vier Tore und vier Assists. Zwei Mal stieg er mit dem VfB innerhalb von drei Jahren ab - jetzt kämpft er mit dem VfB als Aufsteiger sogar noch um einen Platz in der Europa Conference League.

Didavi verzichtet auf Geld

In Zeiten einer globalen Pandemie muss Didavi bei seinem neuen Vertrag finanzielle Abstriche machen. Für Didavi kein Grund zu gehen: "Geld ist wichtig und ich verdiene jetzt immer noch viel Geld, aber Geld ist jetzt nicht mehr mein primärer Antrieb", sagt Didavi und ergänzt: "So richtige Verhandlungen gab es im Endeffekt gar nicht." Dass der neue Vertrag nur ein Jahr gültig ist, sei "kein Thema" gewesen. Für seine Zeit nach der Fußballerkarriere habe er "Konzepte im Kopf", doch "jetzt spiele ich erstmal noch Fußball", sagt Didavi. Nach seinem Vertrag beim VfB könne er sich auch einen Wechsel ins Ausland vorstellen.

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Immer wieder kämpfte sich Daniel Didavi nach schweren Verletzungen in seiner Karriere zurück, selbst als Ärzte ihm das Karriereende bescheinigten. Der 31-Jährige hat viel an sich gearbeitet und ernährt sich inzwischen vegan. Mit dem VfB möchte er auch nächste Saison nochmal erfolgreich sein. Nicht nur beim Pokern, sondern auch auf dem Platz – am liebsten als Stammspieler.

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