Claus Vogt und Thomas Hitzlsperger. (Foto: imago images, IMAGO / Pressefoto Baumann)

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Esecon-Abschlussbericht: Verstrickungen und Vertuschungen beim VfB Stuttgart

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Der VfB Stuttgart hat in der Datenaffäre seine Mitglieder offenbar massiv hintergangen. Die mit der Untersuchung beauftragte Kanzlei Esecon kommt laut "Spiegel" in ihrem Abschlussbericht zu dem Ergebnis, dass der Verein Zehntausende Daten an einen externen Dienstleister weitergegeben habe, ohne die Mitglieder darüber zu informieren. Der Bericht nennt zudem weitere pikante Details.

Die Weitergabe der Daten stelle einen "Täuschungsversuch" und "damit einen Vertrauensbruch dar", heißt es in dem streng vertraulichen Abschlussbericht, den die Esecon-Ermittler in dieser Woche dem Verein zugestellt haben und der auch dem Nachrichtenmagazin vorliegt. Das Urteil der Prüfer fällt eindeutig aus: Zehntausende Mitgliederdaten habe der Verein weitergegeben, und es sei "sehr wahrscheinlich", dass die Daten für "Guerilla-Marketing" benutzt worden seien, um subtil Einfluss zu nehmen.

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Viele "Eingeweihte"

Esecon belastet auf einer Namens-Liste viele VfB-Funktionäre. Demnach hätten die zwei leitenden Angestellten Oliver Schraft (Kommunikation) und Uwe Fischer (Marketing) die Datenpakete verschickt. Die Vorstände Stefan Heim, Jochen Röttgermann und das heutige Präsidiumsmitglied Rainer Mutschler sollen in die Pläne für das "Guerilla-Marketing" eingeweiht gewesen sein. In den Fokus rücken die Ermittler dabei Rainer Mutschler. Er soll den Budgettopf verantwortet haben, aus dem der Dienstleister bezahlt worden sei, an den die Daten verschickt wurden. Der VfB Stuttgart teilte laut Spiegel mit, er wolle sich bis zur "Bekanntgabe der Ergebnisse der Aufarbeitung" nicht äußern.

Ziel des fragwürdigen Umgangs mit den Mitgliederdaten sei es gewesen, die Anhänger 2017 im Vorfeld der Mitgliederversammlung von der Ausgliederung des Profifußballs in eine Aktiengesellschaft zu überzeugen. Nachdem die Datenaffäre im September öffentlich geworden war, hatte VfB-Präsident Claus Vogt die Kanzlei Esecon mit der Untersuchung beauftragt.

"Zahlreiche Versuche" von Beschneidungen

Die Aufklärungsarbeit sei von mehreren Funktionsträgern im Verein behindert worden, zitiert der Spiegel aus dem Abschlussbericht Esecons. Vor allem die Präsidiumsmitglieder Bernd Gaiser und Rainer Mutschler hätten "zahlreiche Versuche" unternommen, die Arbeit Esecons zu beschneiden. Diese beiden hätten "erhebliche Verzögerungen des Untersuchungsablauf" verursacht. Auch die AG unter ihrem Vorsitzenden Thomas Hitzlsperger hätte "nachhaltig" Einfluss "auf die Untersuchung genommen." So soll Hitzlsperger VfB-Mitglieder in E-Mails darüber informiert haben, dass sie sich der Befragung durch die Ermittler verweigern könnten.

Präsident Vogt verspricht Aufklärung "in aller Transparenz"

Vogt will den Bericht veröffentlichen und versprach am Freitag erneut, "das Datenthema in aller Transparenz aufzuklären. Daran werden wir uns halten", sagte er auf SID-Anfrage. Es werde derzeit aber intern noch beraten, "in welcher Form wir informieren werden".

Die Berliner Kanzlei kommt zu der ernüchternden Schlussfolgerung, dass eine unabhängige Aufarbeitung der Geschehnisse "nicht gewährleistet" gewesen sei. In den Vereinsgremien säßen Personen, die "direkt mit den zu untersuchenden Vorgängen in Verbindung" stünden. Glaubwürdigkeit und Verwertbarkeit der Untersuchungsergebnisse seien daher eingeschränkt.

Wer übernimmt die rechtliche Bewertung?

Über die rechtliche Bewertung der Esecon-Ergebnisse ist beim VfB längst ein heftiger Streit entstanden. Man müsse das "erst einmal intern klären. Es gibt unterschiedliche Anschauungen darüber, wer die rechtliche Bewertung vornehmen soll", sagte Vogt dazu. Am Mittwochabend hatte Stefan Brink, der Landesbeauftragte für Datenschutz, bereits mitgeteilt, dass gegen den Verein ein Bußgeldverfahren eröffnet werde. "Die Datenschutzverstöße sind erheblich", hieß es, dafür gebe es "hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte". Es werde "weitergehende Ermittlungen geben". Vorstandschef Thomas Hitzlsperger kündigte daraufhin an, mit der Behörde "weiter zu kooperieren".

Inzwischen scheint auch geklärt zu sein, wer die rechtliche Bewertung der zwei Esecon-Abschlussberichte (einer wurde für den Verein, ein anderer für die AG erarbeitet) vornehmen soll. Nach BILD-Informationen soll dies - gegen den ausdrücklichen Willen von Präsident Claus Vogt - die Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz tun. Jene Kanzlei, die im LKW-Kartellverfahren erfolgreich die Daimler AG vertreten hatte.

Der VfB erlebt wegen der Datenaffäre seit Wochen eine Schlammschlacht und steht vor einer Zerreißprobe. Präsident Claus Vogt hatte erst am Donnerstagabend die Stuttgarter Staatsanwaltschaft eingeschaltet, da "der Verdacht eines Geheimnisverrats (...) im Raume steht". Es gebe "das Ziel und die Absicht", ihn zu beschädigen. Details nannte Vogt nicht.

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