Sasa Kalajdzic und Borna Sosa im Trikot des VfB Stuttgart (Foto: IMAGO, Imago)

Fußball | Meinung

Die Beispiele Kalajdzic und Sosa: Vor- und Nachteile des späten Transferschlusses

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Kersten Eichhorn

Vier Spieltage sind in der Bundesliga schon absolviert, und noch immer herrscht hektische Betriebsamkeit auf dem Spielermarkt. Erst morgen, am 1. September, endet die Transferfrist. Fluch oder Segen? Das fragt sich auch SWR-Fußballreporter Kersten Eichhorn.

Alle Jahre wieder glühen bei Spielern, Beratern und Managern in der Bundesliga die Handys, fiebern die Fans den letzten Meldungen entgegen. Immer dann, wenn es Richtung Deadline Day geht, dem "D-Day" des Transfermarkts. In diesem Jahr heißt es am Donnerstag, Punkt 18 Uhr, gnadenlos: Handys aus, nichts geht mehr. Dann müssen alle Wechsel abgeschlossen sein.

Endlich, sagen die einen zum späten Transferschluss am 1.September. Passt schon, meinen die anderen.

Hektik und Unruhe bis zum 1. September

Ich kann beide Seiten gut verstehen. Gerade auch jene, die nicht müde werden mit ihrer Forderung, die Wechselfrist auf den 1. August vorzuziehen. Denn in diesem Sommer sind bis zum Transferschluß bereits vier Spieltage absolviert, und noch immer herrscht bei vielen Vereinen bis zu diesem 1. September Hektik und Unruhe. Begehrte Spieler wollen noch wechseln, überzählige Spieler sollen noch wechseln. Es geht zu wie auf einem Basar: Wer will nochmal, wer hat noch nicht? Und die Zeit drängt.

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Bestes Beispiel für diese unruhige Transferphase ist die zähe und nervige Hängepartie im Fall Sasa Kalajdzic. Und das über viele Wochen mitten im laufenden Spielbetrieb. Letzten Samstag sah sich der wechselwillige Stürmer des VfB Stuttgart mental nicht mehr in der Lage, beim Auswärtsspiel in Köln seiner Arbeit nachzugehen. Ein Unding gegenüber Verein, Fans und Mitspielern. Letztlich aber auch dem späten Transferschluss geschuldet.

Wechselt nach Kalajdzic auch Sosa kurz vor Toresschluss?

Letztlich wechselt der österreichische Torjäger jetzt doch noch nach England. Zu den Wolverhampton Wanderers. Und der Verteidiger-Kollege Borna Sosa wird vielleicht auch noch auf den letzten Drücker nach Italien transferiert, auch hier ziehen sich die Gerüchte seit Wochen. Dem VfB winkt zwar zweimal eine dicke Geldbörse, Stuttgart benötigt aber auch im Gegenzug kurzfristig Ersatz für die beiden Leistungsträger. Kaufen? Oder aus den eigenen Reihen lösen? Eine Herkulesaufgabe für den Kaderplaner Sven Mislintat. Und ein Graus für den Trainer Pellegrino Matarazzo, dessen Personal-Tableau durcheinandergewirbelt wird.

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

Andererseits aber auch Vorteil 1. September, weil alle Beteiligten - trotz der unschönen Nebengeräusche - auch vom Kalajdzic-Transfer profitieren: Den Stuttgartern spült er kolportierte 18 Millionen Euro plus Boni in die Kassen. Der Stürmer wird sein Gehalt in England mit einem Langzeit-Vertrag vermutlich vervielfachen. Der Spielerberater bekommt eine satte Provision. Und Wolverhampton wiederum verstärkt kurz vor knapp seinen Kader mit einem klasse Stürmer.

Mit Transferschluss vier Wochen früher hätte dieser Wechsel vielleicht nie stattgefunden. Und: Nächsten Sommer wäre Sasa Kalajdzic ablösefrei zu haben gewesen. Letztlich macht das Geld die Musik. Es ist ein Pokerspiel, bei dem man die Nerven behalten muss.

Mehr Zeit für die Vereine, den Kader zu verschlanken

Vorteil 1. September auch was die sogenannten Edelreservisten angeht: Nicht nur der VfB Stuttgart, sondern alle Bundesligisten haben vier Wochen länger Zeit, den aufgeblähten Kader zu verschlanken, überzählige Spieler nach den ersten Spieltagen zu erkennen, zu verkaufen oder ihnen per Ausleihe Spielpraxis zu geben.

Dazu kommt, dass in den europäischen Top-fünf-Ligen in diesem Jahr das Transferfenster einheitlich auf den 1. September angepasst wurde. Damit entsteht den deutschen Vereinen international kein Wettbewerbsnachteil.

1. August oder 1. September?

Also Jammern oder Jubeln über den 1. September? Unterm Strich sage ich: Alles so lassen wie es ist. Jeder kennt die Probleme und Störgeräusche, aber auch die Vorteile des späten Transferschlusses. Wetten, dass es bis Donnerstagabend noch heiß hergehen wird beim Spieler-Shopping? Dann wird sich manch einer, der seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wieder wünschen, das Transferfenster hätte noch länger geöffnet.

Und schließlich gilt: Jeder kann, keiner muss. Zumindest in der Theorie.

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Kersten Eichhorn

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