Torjubel beim VfB Stuttgart (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck VfB Stuttgart: Nur Geduld mit der jungen Mannschaft

STAND
AUTOR/IN

Der VfB Stuttgart befindet sich nach rund einem Fünftel der Spielzeit als Tabellenzwölfter voll im Soll. Trotz der starken Vorsaison ist einzig der Klassenerhalt das Ziel.

Der Saisonstart

Der VfB Stuttgart kam gut in die neue Spielzeit - obwohl einige Schlüsselspieler aufgrund von Verletzungen fehlten (und aktuell weiterhin fehlen). Dem souveränen 6:0-Pokalerfolg beim BFC Dynamo, immerhin Tabellenzweiter der Regionalliga Nordost, folgte ein beeindruckend herausgespielter 5:1-Heimsieg am ersten Spieltag gegen Aufsteiger Greuther Fürth. Dass für die junge Mannschaft der Schwaben die Bäume nicht in den Himmel wachsen, zeigte sich allerdings in den folgenden Spielen: Gegen RB Leipzig (0:4) und Bayer 04 Leverkusen (1:3) bekam der VfB klar seine Grenzen aufgezeigt, gegen den SC Freiburg (2:3) verlor Stuttgart, weil die Breisgauer schlicht cleverer und abgebrühter agierten. In den letzten beiden Partien vor der Länderspielpause fand der VfB dann wieder in die Spur, holte gegen Bochum (0:0) und die TSG Hoffenheim (3:1) vier Zähler. Somit steht die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo aktuell im Tabellenmittelfeld und hat ein Polster von vier Punkten auf die Abstiegsränge.

Und um nichts anderes geht es - beteuern zumindest die Verantwortlichen um Coach Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat gebetsmühlenartig. Auch wenn die starke Vorsaison, die der VfB als Neunter abschloss, vielleicht den ein oder anderen Fan zum Träumen veranlasst hat, ist das große Ziel der Klassenerhalt - bei gleichzeitiger Entwicklung der sehr jungen Mannschaft.

Die Anhänger auf den Tribünen haben bislang jedenfalls Geduld mit dem jungen Team. Es genießt Kredit, auch wenn immer wieder mal "gebruddelt" wird - das gehört im Schwabenland einfach dazu. Die Rückkehr der Fans tut dem VfB gut, die Mannschaft profitiert von der Unterstützung von den Rängen. Bislang kamen fast 23.000 Zuschauer im Schnitt, bald dürfte dieser deutlich steigen. Künftig will der VfB Stuttgart nur noch Geimpfte und Genesene ins Stadion lassen - auf Grundlage der geplanten neuen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg, die ab Mitte Oktober gelten soll. Demnach dürften im Heimspiel gegen Union Berlin (24. Oktober, 17:30 Uhr) erstmals seit März 2020 wieder 60.000 Zuschauer ins Stadion kommen - so sie denn wollen. Seit wieder Zuschauer zugelassen sind, lag die prozentuale Auslastung in der Stuttgarter Arena noch nicht bei 100 Prozent.

Was läuft schon gut?

Der VfB Stuttgart ist immer für ein Tor gut - und das trotz der langfristigen Ausfälle von Sasa Kalajdzic (Schulter-Operation) sowie Silas Katompa Mvumpa (Kreuzbandriss). Auch ohne die beiden Shooting-Stars der Vorsaison haben die Schwaben bereits zwölf Treffer erzielt - nur fünf Teams in der Liga ließen es öfter klingeln. Bereits acht verschiedene Torschützen belegen, dass der VfB die Ausfälle der beiden Angreifer durch das Kollektiv kompensiert.

Ein wichtiger Faktor für die Stabilität der jungen Mannschaft in den letzten Spielen vor der Länderspielpause war die Rückkehr von Sechser Orel Mangala, der durch seine Ballsicherheit und Pressingresistenz überzeugt. Der Belgier hatte zuvor lange gefehlt, nachdem er im März einen Muskelfaserriss im Oberschenkel erlitten hatte und im Juli die nächste schwere Muskelverletzung folgte. Nun ist der 23-Jährige seit wenigen Wochen zurück und bringt "Balance" ins Stuttgarter Spiel, im eingespielten Verbund mit Kapitän Wataru Endo, dem anderen Sechser.

Erfreulich ist auch die Entwicklung einiger Spieler. Matarazzo gilt als Coach, unter dem sich Profis verbessern - und in dieser Saison haben etwa der 23-jährige Abwehrspieler Konstantinos Mavropanos oder der 20-jährige Außenbahnflitzer Roberto Massimo einen deutlichen Sprung gemacht. Dahinter steckt Methode: Sportdirektor Mislintat setzt darauf, dass sich Top-Talente entwickeln, um diese dann gewinnbringend abzugeben. So geschehen etwa mit Nicolas Gonzalez (für 23 Millionen Euro zum AC Florenz) oder Gregor Kobel (für 15 Millionen Euro zu Borussia Dortmund) im letzten Sommer.

Hoffnung macht auch Neuzugang Chris Führich, der sich im Sommer bei seinem ersten Einsatz für den VfB in einem Freundschaftsspiel nach nur wenigen Minuten einen Schlüsselbeinbruch zugezogen hatte. Nun ist er zurück - und gleich mittendrin. In Bochum und gegen Hoffenheim zeigte der 23-Jährige, wie wichtig er für die Stuttgarter werden kann: Schnelligkeit, Dribbelstärke und Zug zum Tor waren schnell sichtbar, nach der Länderspielpause sollte es bei Führich dann auch für 90 Minuten reichen. Ein belebender Faktor ist er jetzt schon.

Was muss besser werden?

Bereits 13 Gegentore zeigen, dass der VfB in der Defensive verwundbar ist. Marc Oliver Kempf, Borna Sosa oder Waldemar Anton - sie allesamt patzten schon. Auch Mittelfeld-Motor Endo leistete sich ungewohnte Ballverluste, wirkte teilweise überspielt. Dem Japaner, eigentlich die Zuverlässigkeit in Person, stecken unter anderem das Olympiaturnier mit der japanischen U23 sowie die vielen Länderspieleinsätze in den Knochen. Endo bräuchte eigentlich mal zwei Wochen Urlaub, so wirkt es. Allerdings profitierte der 28-Jährige zuletzt von der Rückkehr Mangalas und stabilisierte sich wieder.

Auffällig ist beim VfB auch, dass die Mannschaft bereits mehrfach die Anfangsphasen der Spiele verschlief. Gegen Freiburg lagen die Schwaben nach nur neun Minuten 0:2 hinten, gegen Leverkusen nach 19 Minuten. Zuletzt hätte das eigentlich überzeugende Spiel gegen Hoffenheim auch einen anderen Verlauf nehmen können, hätten die Kraichgauer ihre Torchancen in der Anfangsphase genutzt. Auch hier zeigte sich Stuttgart nicht von Beginn an hellwach.

Nicht gut läuft es auch in Sachen Corona bei den Schwaben. In der aktuellen Länderspielpause wurden mit Torwart Fabian Bredlow, Abwehrspieler Waldemar Anton sowie den Flügelflitzern Erik Thommy und Roberto Massimo vier Spieler positiv auf das Virus getestet. Sie alle mussten sich in häusliche Isolation begeben. Bereits vor der Saison hatte es einige Corona-Fälle beim VfB gegeben, ein Testspiel gegen den FC Barcelona hatte nur mit einer Notelf bestritten werden können.

Wie präsentieren sich die Neuen?

Der aus Mainz gekommene Torhüter Florian Müller ist unumstrittener Stammspieler. Der 23-Jährige präsentierte sich bisher stark im Eins gegen Eins und auf der Linie, an Schwächen in der Strafraumbeherrschung muss er noch arbeiten. Die Wolfsburger Leihgabe Omar Marmoush hat sich mit Dynamik, Wucht und Abschlussstärke ebenfalls direkt in der ersten Elf festgespielt. Der 22-jährige Ägypter kann sowohl im Sturmzentrum als auch auf der Außenbahn eingesetzt werden und dürfte bis zur Rückkehr von Silas und Kalajdzic gesetzt sein. Führich ist auf dem besten Weg zum Stammspieler, das dänische Sturmtalent Wahid Faghir fehlte bislang aufgrund von Verletzungsproblemen. Dem 18-Jährigen wollen Matarazzo und Mislintat Zeit einräumen, sein Wechsel war ein perspektivischer Transfer, ein Vorgriff also auf die Zukunft.

Zeit kriegen auch die Neuzugänge Hiroki Ito (22 Jahre), Ömer Beyaz (17), Enzo Millot (19) und Nikolas Nartey (21). Sie alle durften aber bereits Bundesligaluft schnuppern. Damit stehen sie sinnbildlich für den Weg des VfB Stuttgart: Anlaufstelle für nationale und internationale Toptalente zu sein, die sich entwickeln und einen sportlichen Mehrwert liefern sollen, um dann irgendwann teuer verkauft zu werden.

Alles in allem ist der VfB auf einem guten Weg, der allerdings auch weiterhin Rückschläge beinhalten kann - und vermutlich auch wird. Wenn der Reifeprozess der jungen Mannschaft anhält und Spieler wie Kalajdzic oder Silas zurückkehren, sollte der Klassenerhalt aber frühzeitig gelingen. Und nur darum geht es in dieser Saison - man frage nach bei Matarazzo oder Mislintat....

Stuttgart

Fußball | Bundesliga Schon der vierte VfB-Spieler mit positivem Corona-Test

Nach Waldemar Anton, Erik Thommy und Fabian Bredlow ist nun auch Roberto Massimo corona-positiv getestet worden. Der VfB Stuttgart muss bereits den vierten Corona-Fall verkraften.  mehr...

Stuttgart

Fußball | Bundesliga VfB Stuttgart lässt nur noch Geimpfte und Genesene ins Stadion

Der VfB Stuttgart plant, künftig nur noch Geimpfte und Genesene ins Stadion zu lassen. Grundlage ist die geplante neue Corona-Verordnung des Landes.  mehr...

Stuttgart

Fußball | Bundesliga VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo: "Ich bin mal aufbauend, mal kritisch-zerstörend"

Nach fünf sieglosen Spielen gewann der VfB Stuttgart gegen die TSG Hoffenheim mit 3:1. Am Sonntagabend war Trainer Pellegrino Matarazzo zu Gast bei SWR Sport BW und gab den Blick auf seine Arbeit frei.  mehr...

STAND
AUTOR/IN