Sven Mislintat lobt den Konkurrenten SC Freiburg (Foto: IMAGO, 1013688883)

Fußball | Bundesliga

Sven Mislintat adelt den SC Freiburg

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Lennert Brinkhoff

Vor dem Bundesliga-Duell zwischen Stuttgart und Freiburg ist es ruhig. Die Kräfteverhältnisse sind zu klar. VfB-Sportdirektor Sven Mislintat sieht in Freiburg einen Club, der die Etablierten herausfordert.

Sven Mislintat weiß, was er sagt. Und er kennt die Wirkung seiner Worte. Die Frage zum nächsten VfB-Gegner SC Freiburg, nutzt er auch, um entscheidende Probleme der Bundesliga anzusprechen. Der Sport-Club sei das Beispiel dafür, "dass man sich noch was erarbeiten kann". In einer Branche, in der die Kräfteverhältnisse immer einseitiger werden und die Distanz zwischen Groß und Klein mit dem Wort Kluft kaum noch treffend beschrieben werden kann.

Freiburg als Gegenpol zu "Leipzig, Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim"

Der VfB-Sportdirektor nennt die Probleme beim Namen: Clubs, die "fast eine Ownership" haben. Also Clubs, die einem reichen Menschen oder einem Unternehmen zuzuordnen sind. "Leipzig, Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim", zählt Mislintat auf und ergänzt, die "unfassbaren Ressourcen" der Clubs, die auch noch international spielen - wie Borussia Dortmund oder Bayern München. Die Frage zum nächsten Gegner nutzt Mislintat, um in diese Kerbe der sozialen oder eher finanziellen Ungerechtigkeit zu schlagen.

Dabei behält Mislintat den Blick auf den Gegenpol, auf die "Vorbildfunktion" des SC Freiburg. Als Dortmunder, der sich inzwischen im Schwäbischen eingelebt hat, könne er das offen aussprechen. "Ihr Stadion ist bezahlt und schon gebaut. Sie können Transfers machen. Es ist ein völlig gesunder Verein." Qualitätsmerkmale, die auf den VfB Stuttgart aktuell nicht zutreffen. Die Kräfteverhältnisse in Baden-Württemberg, so verrät es Mislintats offene Demut, haben sich verschoben.

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Kräfteverhältnisse auf den Kopf gestellt

Sprach Freiburg-Trainer Christian Streich jahrelang ehrfurchtsvoll von der guten, vorbildlichen Jugendarbeit in Stuttgart, zielt die Lobhudelei heute von der Landeshauptstadt in Richtung Breisgau. Der VfB Stuttgart hat den Anschluss verloren. Freiburg spielt seit 2016 durchgehend erstklassig, in dieser Saison sogar international. Der VfB pendelt aktuell da, wo Freiburg sich selbst jahrelang gesehen hat: Zwischen erster und zweiter Liga. In Freiburg genießen sie das in aller Stille.

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Freiburg hat das erreicht, was sie in Stuttgart als langfristige Ziele definiert haben. Freiburg nervt und fordert die Etablierten. Der Abstieg ist - auch wenn sie es in Freiburg gerne anders definieren - in weite Ferne gerückt. Neureiche Vereine wie Wolfsburg und Berlin können Freiburg aktuell nicht das Wasser reichen. Auch deswegen sagt Mislintat: "Freiburg darf weiter Beispiel sein. Und deswegen: nicht nur Respekt, sondern auch richtig Anerkennung, für das, was geleistet wird."

Keiner will der Favorit sein

Am Samstagnachmittag werden beide Seiten mit großem Respekt über den Gegner reden. Beide werden versuchen, sich die Favoritenrolle zuzuschieben. Der letzte Stuttgarter Bundesliga-Sieg gegen Freiburg liegt mehr als vier Jahre zurück (2:1 am 16.03.2018). Um das wieder regelmäßig zu schaffen, müsste der VfB wohl einen Teil der Freiburger Arbeit erfolgreich kopieren. Erst, wenn der große VfB wieder sportlich an Freiburg vorbeizieht, wird es auch wieder lauter vor den direkten Duellen.

06.11.1993 - 15. Spieltag. Was für eine Überraschung: der favorisierte VfB Stuttgart verlor auswärts beim Aufsteiger SC Freiburg mit 1:2. Da war nicht nicht nur VfB-Meistercoach Christoph Daum fassungslos. Oliver Freund, Maximilian Heidenreich (ET) und Uwe Wassmer besorgten die Tore. VfB-Torhüter Eike Immel konnte noch einen von Rodolfo Cardoso getretenen Foulelfmeter parieren und so die Niederlage der Schwaben in Grenzen halten. (Foto: IMAGO, Sportfoto Rudel)
06.11.1993, 15. Spieltag: Was für eine Überraschung; der favorisierte VfB Stuttgart verlor auswärts beim Aufsteiger SC Freiburg mit 1:2. Da war nicht nicht nur VfB-Meistercoach Christoph Daum fassungslos. Oliver Freund, Maximilian Heidenreich (ET) und Uwe Wassmer besorgten die Tore. VfB-Torhüter Eike Immel konnte noch einen von Rodolfo Cardoso getretenen Foulelfmeter parieren und so die Niederlage der Schwaben in Grenzen halten. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
23.04.1994, 32. Spieltag: Wer jetzt gedacht hatte, der VfB würde im Rückspiel mit allen Mittel versuchen, die Scharte auszuwetzen, sah sich getäuscht. Der SC Freiburg siegte auch in Stuttgart. Und das deutlich mit 4:0. Je zwei Treffer steuerten zu diesem Coup Rodolfo Cardoso und Ralf Kohl (Spitzname "Kanzler") bei. Nach 34 Spieltagen belegte der VfB den 7. Platz. Der SC rettete sich als Neuling, dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem 1. FC Nürnberg, noch auf Rang 15. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
28.11.2014, 13. Spieltag: Besonders gern im Dress mit dem Brustring schoss Martin Harnik Tore gegen den SC Freiburg. In seiner Zeit bei den Schwaben (01.07.2010 - 18.07.2016) traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga achtmal für den VfB gegen den SCF. Im Winter 2014 zeigte er im Dreisamstadion zweimal seinen "Thor-Jubel" beim 4:1-Erfolg seines VfB. 28.11.2014 - 13. Spieltag. Besonders gern im Dress mit dem Brustring traf Martin Harnik gegen den SC Freiburg. In seiner Zeit bei den Schwaben (01.07.2010 - 18.07.2016) traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga achtmal für den VfB gegen den SCF. Im Winter 2014 zeigte er im Dreisamstadion zweimal seinen "Thor-Jubel". Bild in Detailansicht öffnen
29.10.2017, 10. Spieltag: Das war eines der brisantesten Duelle zwischen dem VfB und dem SCF. Bereits nach zwölf Minuten sah Freiburgs Caglar Söyuncü die rote Karte wegen Handspiels nach Videobeweis. Die Freiburger waren konsterniert und danach völlig von der Rolle. Es entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor - das von Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow. Daniel Gincek, Benjamin Pavard und Simon Terodde schossen letzendlich einen deutlichen 3:0-Sieg des VfB Stuttgart heraus. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
16.03.2018, 27. Spieltag: An diesem Tag hat der VfB Stuttgart zum letzten Mal ein Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg gewonnen. Mario Gomez gelangen beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Freiburg. Der Beweis, dass sich Geschichte wiederholt: In der Abschlusstabelle belegte der VfB, genau wie 1994 ,den siebten Platz und Freiburg wurde wieder 15.. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
22.01.2022, 20. Spieltag: Die letzte Partie gewann der SC Freiburg im neuen Stadion mit 2:0. Tatsuya Ito (ET) und Kevin Schade waren für die Treffer des Spiels verantwortlich. Spätestens nach dieser Partie darf man sich die Frage stellen, ob der SC Freiburg dem VfB Stuttgart endgültig sportlich den Rang abgelaufen hat. Von den letzten sechs Bundesliga-Spielen haben die Freiburger vier gewonnen und keines verloren. Eibner Bild in Detailansicht öffnen

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