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Der Stuttgarter Profi Silas Katompa Mvumpa spielte bislang unter falscher Identität. Spieler und Verein sprechen von Machenschaften eines früheren Spielervermittlers des Kongolesen. Spielerberater Jörg Neblung hält das für wahrscheinlich, sieht aber auch eine Mitschuld beim Offensivmann des VfB, wie er exklusiv gegenüber SWR Sport erklärt.

Jörg Neblung ist seit über zwei Jahrzehnten im Fußballgeschäft als Berater und Vermittler tätig. Er betreute unter anderem den ehemaligen Keeper des VfB Stuttgart Timo Hildebrand. Der Fall von Silas Katompa Mvumpa, der bei den Schwaben aktuell für großes Aufsehen sorgt, hat den 53-Jährigen nicht überrascht. Daher lehnt Neblung mit seiner Beraterfirma aus Erfahrung jegliche Geschäfte oder Zusammenarbeit mit Spielern aus Afrika ab. Für ihn aus Gründen.

"Die Erfahrung aus den letzten Jahrzehnten zeigt, dass die Fälschung der Geburtsdaten gängige Praxis ist. Für eine Ausnahme (wie im Fall Silas Katompa Mvumpa) sind die Fälle zu zahlreich. Es ist eine Methodik erkennbar."

Natürlich kennt auch Neblung die wirtschaftlichen Zwänge und Abhängigkeiten afrikanischer Spieler, die ihr Glück in Europa versuchen wollen. Aber "am Ende ist es immer der Spieler, der sich entscheidet, einen gefälschten Pass anzunehmen und mit dieser Identität Verträge zu unterzeichnen", erklärt der Berater.   

"Am Ende ist es immer der Spieler, der sich entscheidet, einen gefälschten Pass anzunehmen“ 

Die Erklärung, die Stuttgarts Flügelspieler am vergangenen Montag abgegeben hatte, hält Neblung nur für bedingt glaubwürdig. "Der Berater fädelt Dinge ein, in diesem Fall wohl auch illegale, aber der Spieler ist derjenige, der mit seiner Unterschrift tätig wird." Neblung fordert klar: "Betrug muss sanktioniert werden, sonst verliert der Fußball weiter an Glaubwürdigkeit. Fraglich nur von welcher Stelle. Justiz, Verband oder Verein."

Der VfB-Profi habe laut Spielervermittler Neblung früher für klare Verhältnisse sorgen können

Aus Sicht des Kölner Spielervermittlers hatte Mvumpa bereits Ende 2019 die Gelegenheit, "für klare Verhältnisse zu sorgen." Damals berichtete das französische Fachmagazin L’Equipe, dass es sich bei Silas Wamangituka, der bereits bei den Schwaben unter Vertrag stand, in Wirklichkeit um den ein Jahr älteren Silas Katompa Mvumpa handele. "Warum hat er da nicht reinen Tisch gemacht?" Dass der Verein sich vor den Kongolesen stelle, findet Neblung völlig in Ordnung. Dass aber "reflexartig auf den Berater eingedroschen wird", ist für ihn zu einfach. "Es ist eine kollektive Schuld, die da passiert ist."

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