Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart hat Spuren hinterlassen. Eine davon ist der Rücktritt von Wilfried Porth als Aufsichtsrat der VfB AG. Und das ist auch gut so, findet VfB-Blogger Ron Merz, da der Personalvorstand des Daimler-Konzerns zur Belastung für den Verein wurde. (Foto: imago images, image/Michael Weber)

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So bewertet Blogger Ron Merz den Porth-Rücktritt beim VfB Stuttgart

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Die Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart hat Spuren hinterlassen. Eine davon ist der Rücktritt von Wilfried Porth als Aufsichtsrat der VfB AG. Und das ist auch gut so, meint VfB-Blogger Ron Merz.

Zufällige Schnappschüsse auf der VfB-Tribüne ja - Bilder der gemeinsamen Einigkeit, nein. Claus Vogt und Wilfried Porth haben sich wohl nie zusammen ablichten lassen. Es gibt keine Fotografie der beiden, auf der sie in harmonischer Zweisamkeit abgebildet sind - und das bestimmt nicht nur durch Zufall. Denn der Aufsichtsratsvorsitzende Vogt und sein Stellvertreter Porth konnten und wollten am Ende vielleicht auch nicht mehr miteinander. "Ich glaube, dass Porth von seiner Persönlichkeit und von seinem Auftreten her zunehmend blockiert hat. Ich glaube zunehmend, von ihm als Person und seinem Auftreten wurde es zur Belastung für den VfB," sagt Ron Merz, der den VfB-Blog "Nachspielzeit" betreibt und lebenslanges VfB-Mitglied ist.

Porth Rücktritt beim VfB Stuttgart "kein Paukenschlag"

Ron Merz hatte auf der Mitgliederversammlung am Sonntag selbst eine Rede gehalten und fand, dass "die Stimmung schon recht eindeutig" gegen Porth war. Der hatte auch angekündigt, im Falle einer Wiederwahl von Claus Vogt zurücktreten zu wollen. Und so "war's am Ende kein Paukenschlag, sondern wirklich nur konsequent", dass Wilfried Porth sein Amt nun ruhen lässt.

Merz betont, dass er Porth nicht persönlich kenne, aber dass sich doch anhand von Indizien ein Bild zusammensetze, "dass da jemand ist, der sehr stark darauf aus ist, seinen Willen und seine Vorstellungen durchzusetzen" und der sich "im Lauf der Zeit immer weiter davon entfernt hat, was gut für den VfB ist".

Keine Reaktion des VfB Stuttgart

Vom VfB Stuttgart gibt es noch keine Reaktion, vielleicht auch deshalb, weil die Rücktrittsabsicht von Wilfried Porth erst einmal angenommen werden muss. Der Daimler-Konzern muss nun überlegen, wer Porth-Nachfolger als Aufsichtsrat werden soll. Ron Merz hat keinen Wunschkandidaten: "Ich hoffe einfach, dass es eine Person ist, die ihr Wissen mit einbringen kann und möchte - die versteht in welchem Umfeld sie sich bewegt. Denn so ein hoch emotionaler Verein, wie es der VfB nun einmal ist, ist vielleicht etwas anderes als ein normales Konzern-Umfeld." Deswegen brauche es eine Person, die mit entsprechender Empathie an die Sache herangeht. Mittlerweile machen auch die ersten Gerüchte die Runde, wonach Porth auch seinen Vorstandsposten bei der Daimler AG vorzeitig verlässt.

Zielgerichtete Suche

Dass der VfB und Daimler daher Gespräche miteinander führen müssen, hält VfB-Kenner Ron Merz für "sinnvoll". Es gibt Fragen zu klären. "Wo wollen wir in den nächsten vier Jahren hin? Welche Ziele wollen wir erreichen? Wo würde sich der VfB vielleicht auch einen Input wünschen?" Mit diesem Wissen könnte sich der Autobauer dann auf die Suche nach einem neuen Aufsichtsrat für die VfB AG machen.

Annäherung Vogt/Hitzlsperger?

Viele VfB-Fans haben Wilfried Porth nicht gemocht und dürften daher die Zeit der personellen Erneuerung nach der Mitgliedersammlung begrüßen. Für Vorstandboss Thomas Hitzlsperger, dem ein gutes Verhältnis mit dem 62-jährigen Porth nachgesagt wurde, ist es "die Möglichkeit, sich etwas zu emanzipieren, sich vielleicht auch von diesem Bild los zu lösen, das zumindest in der Öffentlichkeit herrscht, dass Wilfried Porth zu viel Einfluss genommen hat, und da noch mehr am eigenen Profil arbeiten kann." Ron Merz sieht nun auch eine Chance, dass sich der Vorstandsvorsitzende und Präsident Vogt weiter annähern.

Weiterer Einfluss von Porth?

Offiziell ist Wilfried Porth beim VfB raus. "Dass der Einfluss damit schwindet, wage ich zu bezweifeln", munkelt Ron Merz. "Im Gegenteil, vielleicht lässt es sich jetzt im Hintergrund, zumindest aus seiner Sicht, noch einfacher arbeiten, wenn man auch nicht mehr in irgendeiner Art und Weise Rechenschaft schuldig ist."

Gemeinsame Fotos von Wilfried Porth und Claus Vogt wird es auch in Zukunft wohl keine mehr geben. Aber vielleicht häufen sich ja die Bilder des Präsidenten Vogt mit dem Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger.

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