Günther Schäfer 1986 beim VfB Stuttgart (Foto: IMAGO, Imago)

Fußball | DFB-Pokal

VfB-Urgestein Günther Schäfer und die Erinnerungen an das Pokal-Duell gegen den BVB

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AUTOR/IN
Kersten Eichhorn, Andreas Köstler
INTERVIEW
Andreas Köstler

Am Mittwoch (20.45 Uhr) trifft der VfB Stuttgart im Achtelfinale des DFB-Pokal auf Borussia Dortmund. Eine Begegnung, die vor allem 1986 die Stuttgarter Fans bewegte. SWR Sport erinnert sich mit Günther Schäfer an das damalige Pokal-Duell.

Günther Schäfer hat schon viel erlebt im Fußball und viel erreicht mit dem VfB Stuttgart. 331 Bundesligaspiele mit dem Brustring-Trikot, er steht in der Jahrhundert-Elf des VfB, wurde Deutscher Meister 1984 und 1992.

Nur den DFB-Pokal, den durfte der frühere beinharte Abwehrmann nie in die Hand nehmen: "Da bin ich ehrlich", blickt Schäfer im Interview mit SWR Sport wehmütig zurück, "das wäre eins gewesen, was ich gerne noch gehoben hätte. Nach der Meisterschale auch den Pokal". Als der VfB zuletzt 1997 den goldenen Pott in den Berliner Himmel stemmte, trug Günther Schäfer nicht mehr das VfB-Trikot. Ein Jahr zuvor war er zu Arminia Bielefeld gewechselt. Ein Jahr zu früh...

4:1 im Halbfinale 1986 gegen Borussia Dortmund

Knapp vorbeigeschrammt am DFB-Pokal hieß es für Günther Schäfer auch in der Pokal-Saison 1985/86. Der VfB schaffte es mit dem Verteidiger Schäfer bis ins Pokalfinale nach Berlin, bezwang zuvor im Halbfinale im damaligen Neckarstadion Borussia Dortmund mit 4:1. Ein klarer Sieg über den BVB, den Gegner des VfB Stuttgart auch am Mittwochabend (20:45 Uhr live im Audiostream auf Sportschau.de) im DFB-Pokal-Achtelfinale. Diesmal ist Schäfer, der gebürtige Schwabe, als VfB-Teammanager dabei.

VfB Stuttgart mit zwei späteren Weltmeistern in der Start-Elf

Klar, dass bei Günther Schäfer die Erinnerungen an das erfolgreiche Pokal-Duell mit Borussia Dortmund vor 37 Jahren blühen. Die Stuttgarter Mannschaft war damals mit klangvollen Namen bestückt. Neben Schäfer räumten hinten Europameister Karlheinz Förster und der spätere Weltmeister Guido Buchwald ab, im Mittelfeld zogen der geniale Isländer Asgeir Sigurvinsson und der schussstarke Karl Allgöwer die Fäden. Vorne wirbelte der junge Jürgen Klinsmann durch die gegnerischen Abwehrreihen.

Die Schwaben hatten an jenem 26. März 1986, einem Mittwochabend, keine große Mühe, den BVB deutlich zu besiegen. "Dortmund haben wir kontrolliert", sagt Günther Schäfer über den Spielverlauf, "wobei Dortmund damals auch noch keine Spitzenmannschaft war. In dieser Saison mussten sie sogar als Tabellen-16. in die Bundesliga-Relegation", erinnerte er sich an die Schwarz-Gelben Mitte der 1980er Jahre.

Eike Immel spielte 1986 im Pokal gegen Stuttgart

Bester und bekanntester Spieler der Dortmunder war 1986 Nationaltorhüter Eike Immel, der nach der Saison zum VfB wechselte. Aber auch er konnte den Stuttgarter 4:1-Sieg durch die Treffer von zweimal Jürgen Klinsmann, Andreas Müller und Dirk Schlegel vor 34.000 Zuschauern nicht verhindern. Begeistert zeigt sich Schäfer auch heute noch vom damaligen Ex-VfB-Goalgetter Klinsmann: "Die Art und Weise, wie er seine Tore gemacht hat, da war er unschlagbar. Unten am Boden mit schnellen Drehungen, da konntest du ihn kaum packen".

Keine Chance im Pokalfinale gegen die Bayern

Der VfB, in der Bundesliga seinerzeit Fünfter, zog ins Pokalfinale ein. Der Gegner hieß Bayern München. Der Rekord-Pokalsieger hatte sich mit einem 2:0 beim SV Waldhof Mannheim für das Endspiel qualifiziert. Die Stuttgarter Pokal-Träume waren an jenem 3. Mai 1986 im Berliner Olympiastadion aber schnell erloschen. Dreimal Roland Wohlfahrt und zweimal Michael Rummenigge schossen die Tore für das überlegene Bayern-Team von Trainer Udo Lattek.

Für Stuttgart, betreut von Willi Entenmann, trafen nur Guido Buchwald zum zwischenzeitlichen 1:4 und Jürgen Klinsmann zum Endstand von 2:5. "Wir haben in diesem Spiel keinen Zugriff bekommen. Es war eine verdiente Niederlage gegen die Bayern, die damals auch schon eine gute Mannschaft hatten", ärgert sich Günther Schäfer noch immer über die verpasste Pokal-Chance vor 37 Jahren. "Es tut im Nachhinein weh. Aber es war ein tolles Erlebnis im Pokal dabei zu sein - 2:5 zu verlieren war nicht so toll."

Günther Schäfer: "Der VfB lebte von der mannschaftlichen Geschlossenheit"

Umso freudiger war davor in Stuttgart der Einzug ins Finale mit dem Sieg über Dortmund gefeiert worden: "Wir haben öfters mal gefeiert, nicht nur im Pokal. Wir haben auch in der Bundesliga unsere Siege gefeiert, waren unterwegs und haben es uns gut gehen lassen. Wir haben immer gewusst, dass wir von der mannschaftlichen Geschlossenheit leben", erinnert sich Schäfer immer wieder gerne an die gesellige und kameradschaftliche Fußball-Zeit beim VfB in den 80ern.

Eine Geschlossenheit, die ihn an das heutige VfB-Team von Sebastian Hoeneß erinnert, für das es aktuell in der Bundesliga mit Platz drei überragend läuft. Umso größer der Optimismus bei Schäfer vor dem Pokalspiel am Mittwochabend, zumal nach dem überzeugenden 2:1 gegen den BVB in der Bundesliga im November: "Der Bessere wird gewinnen, und ich bin überzeugt dass wir das sind." Vielleicht bekommt Günther Schäfer ja doch noch in Berlin die Hand an den DFB-Pokal. Im Mai nächsten Jahres. Wenn nicht als Spieler, dann als Teammanager des VfB Stuttgart.

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Kersten Eichhorn, Andreas Köstler
INTERVIEW
Andreas Köstler