Nils Petersen vom SC Freiburg (Foto: IMAGO, Imago)

Fußball | Bundesliga

Warum nicht einer wie Nils Petersen, VfB Stuttgart?

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Torschuss-Panik beim VfB Stuttgart: Seit vier Spielen sind die Schwaben ohne Treffer. Beim SC Freiburg sitzt mit Nils Petersen ein Torjäger auf der Bank, der dem VfB im Abstiegskampf vielleicht kurzfristig aus der Patsche helfen könnte, findet SWR-Sportredakteur Kersten Eichhorn.

Die Qualitäten von Nils Petersen in der sogenannten "Box" sind unbestritten Als Abschlussspieler im gegnerischen Strafraum besitzt der Stürmer des SC Freiburg seine ganz große Stärke. 84 Tore in 254 Bundesligaspielen, dazu 60 Treffer in 110 Zweitliga-Begegnungen, das sind beeindruckende Zahlen.

Dem VfB Stuttgart fehlen Torgefahr und Präzision

In Stuttgart hätte man sich auf der Tribüne nicht erst beim 0:2 gegen Leipzig haareraufend einen Knipser in der Art eines Nils Petersen gewünscht. Chancen gab`s genug gegen die "Roten Bullen" bei 16:7 Torschüssen, allein Zielstrebigkeit und Präzision fehlten. Seit vier Spielen sind die Schwaben jetzt schon ohne Torerfolg.

Offensivspieler wie Tanguy Coulibaly, Mateo Klimowicz oder auch der erst 18-jährige Startelf-Debütant Alexis Tibidi sind unbestritten hochtalentiert, aber nicht die torjägertypischen Strafraumspieler, die auch mal aus dem Nichts zum Erfolg kommen.

Einer, der das eher beherrscht, die Wolfsburg-Leihgabe Omar Marmoush, weilt gerade beim Afrika-Cup. Die zweite Nachverpflichtung des Sommers, Wahid Faghir (18) aus Dänemark, kämpft noch mit den Anforderungen in der Bundesliga, war zuletzt auch noch coronainfiziert. Dass der mit vier Treffern beste VfB-Torjäger aktuell Konstantinos Mavropanos heißt und eigentlich als Innenverteidiger agiert, passt ins torarme Bild.

Sasa Kalajdzic braucht noch Spielpraxis

Und Sasa Kalajdzic? Der nach seiner langen Verletzungspause sehnsüchtig zurückerwartete Goalgetter der vergangenen Saison (16 Treffer) spielte zwar nach seinem Comeback gegen Fürth und Leipzig jeweils 90 Minuten durch, zeigte sich als Zentrumsspieler auch präsent mit einigen Abschlüssen, ihm aber sollte man jetzt nicht die ganze Last des alleinigen Toremachers aufbürden. Dafür ist der lange Österreicher in Sachen Körperlichkeit und Spielpraxis noch nicht fit genug, Folgeverletzungen wären bei dauernder Überlastung im Abstiegskampf nicht auszuschließen. Ähnliches gilt für Angriffspartner Silas Katompa Mvumpa nach Kreuzbandriss und Corona-Infektion.

Warum also nicht einen erfahrenen Mann wie Petersen als willkommene Alternative für den VfB-Angriff ins Auge fassen? Aufgrund der gleich doppelten Konkurrenzsituation in Freiburgs Sturmzentrum (Lucas Höler und Ermedin Demirovic) kam der Ex-Nationalspieler im Breisgau, auch aufgrund von Verletzungen, in dieser Saison nur zu acht Einsätzen (1 Tor), stand dabei insgesamt nur 112 Minuten auf dem Rasen. Letzten Freitag in Dortmund durfte Petersen die letzten neun Minuten ran. Ein unbefriedigender Zustand für einen Vollblutkicker wie Petersen.

Routine für den "VfB-Kindergarten"

Klar, mit seinen 33 Jahren passt der Torjäger im Wartestand wahrlich nicht ins übliche Anforderungsprofil von VfB-Kaderplaner Sven Mislintat (jung und entwicklungsfähig). Dafür aber könnte der auch im Abstiegskampf gestählte Stürmer mit seiner enormen Routine und seinem vorbildlichen Charakter dem aktuellen "VfB-Kindergarten" (O-Ton Kalajdzic) sicherlich weiterhelfen.

Dazu kommen die ausgewiesenen Qualitäten von Petersen als Rekord-Joker der Bundesliga (24 Tore nach Einwechslung). Einer wie er muss nicht volle 90 Minuten den Rasen beackern, um wertvoll zu sein. Ein Petersen funktioniert gerade auch als Mann für späte Erlebnisse. Auch als Zeichen für den Gegner: Achtung, jetzt kommt nochmal ein ganz Gefährlicher!

Auch die VfB-Konkurrenz hat personell nachgelegt

Wäre Nils Petersen also eine erfahrene Alternative für den VfB Stuttgart? Klar doch. Gerade in der momentanen, extrem gefährlichen Situation auf Abstiegsplatz 17 könnte der Toremacher ein Unterstützer und Lehrmeister für die vielen Jungen sein. Auch die Konkurrenz aus Bielefeld (Ex-VfB-Kapitän Castro) und Bochum (der frühere Hoffenheimer Locadia) beispielsweise hat seinen Kader auf dem Winter-Transfermarkt noch einmal mit Routine beziehungsweise Angriffswucht ergänzt.

Petersens Vertrag beim SC Freiburg läuft im Sommer aus

Im Sommer läuft der Vertrag von Nils Petersen beim SC Freiburg aus. Ob es zu einer weiteren Zusammenarbeit kommt, ist noch unklar. Eine Veränderung, so Petersen vor einigen Tagen im "Kicker", sei durchaus vorstellbar, "auch wenn man gar nicht weg möchte."

Warum also nicht eine Verlängerung mit dem verdienten Profi in Freiburg über die Saison hinaus, verbunden mit einer kurzfristiger "Nachbarschaftshilfe" und Ausleihe für die Rest-Rückrunde ins Schwäbische? Finanziell auch für den klammen VfB machbar. Eine Art Win-Win für alle Beteiligten?

Es muss ja nicht schon diese Woche sein. Am Samstag spielt der VfB Stuttgart in Freiburg...

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