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Christian Riethmüller war bei der letzten Präsidentenwahl der Gegenkandidat von Claus Vogt. Jetzt hat er als Mitglied und Fan einen offenen Brief an Thomas Hitzlsperger geschrieben.

"Lieber Hitz"...mit diesen Worten beginnt der ehemalige Widersacher von Claus Vogt im Rennen um das Präsidentenamt beim VfB Stuttgart seinen offenen Brief. Einen sehr ausführlichen Brief. Handschriftlich geschrieben und per Post verschickt hätte das Standardbriefporto möglicherweise nicht ausgereicht. Seinen Gang an die Öffentlichkeit beschreibt Christian Riethmüller so: "...weil ich damit eine Brücke bauen will, mir Transparenz sehr wichtig ist und ich die Argumente auch für andere handelnde Personen beim VfB für wichtig halte."

Lieber Hitz, weil ich Sie sehr schätze und mir Ihres Wertes für den VfB bewusst bin, ich in meinem Leben auch schon den...Posted by Christian Riethmüller on Tuesday, February 2, 2021

Es ist ein persönlicher Brief, der trotzdem nicht nur Thomas Hitzlsperger anspricht. "Der Vereinsbeirat hätte ihre Bewerbung ablehnen müssen. Dann wäre es zu diesem Brief erst gar nicht gekommen." Riethmüller macht einen Rundumschlag, ohne um sich zu schlagen. Dabei nimmt er auch sich selbst in die Pflicht ("Auch ich muss mir vorwerfen lassen, zur Spaltung beigetragen zu haben.") Mit konkreten Überlegungen tritt Riethmüller an Hitzlsperger heran, fordert Mut "Größe zu zeigen" und fragt zum Beispiel, ob "es nicht im Sinne aller besser wäre, Vogt zur Wahl zuzulassen". Sein Grund ist ein simpler: das Zutrauen in die Mitglieder, ihn abzuwählen, wenn er tatsächlich nicht geeignet ist.

"Wir brauchen Sie. Als starken Vorstandsvorsitzenden.... überlassen sie es aber bitte den Mitgliedern, welchen Präsidenten sie wählen!"

Christian Riethmüller

Es ist ein anklagender Brief, ohne unter die Gürtellinie zu gehen oder persönlich zu werden. Aber Riethmüller scheut sich nicht, seine Sicht der Dinge klar zu benennen. So zum Beispiel auch das fehlende Verantwortungsbewusstsein Einzelner dem Verein gegenüber: "Leider gibt es offenbar weder im Aufsichtsrat, noch im Präsidium, noch im Vorstand und auch nicht im Vereinsbeirat jemanden, der erfolgreich moderierend eingreift."

Kurzum, es ist ein Brief, der nachhallen könnte. Aber nur, wenn sich die Beteiligten, die neben dem "lieben Hitz" angesprochen werden, auch darauf einlassen. Ob Christian Riethmüller daran glaubt, das lässt sich nicht einmal zwischen den Zeilen lesen. Aber ohne ein bisschen Hoffnung auf Erfolg hätte er sich wahrscheinlich nicht die Zeit genommen, diesen Brief zu schreiben.

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