Der VfB Stuttgart jubelt wieder (Foto: IMAGO, Imago)

Fußball | Meinung

Mit dieser Wucht wird der VfB Stuttgart bald wieder durchstarten

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Kersten Eichhorn

Vor dem Baden-Württemberg-Duell zwischen dem VfB Stuttgart und dem SC Freiburg stellt sich wieder einmal die Frage: Wer ist die Nummer eins im Land? SWR-Sportreporter Kersten Eichhorn glaubt an eine Renaissance der Schwaben.

Keine Frage, der SC Freiburg ist aktuell auch für mich die klare Nummer eins im Land. Vor den beeindruckenden Zahlen und Sympathiewerten der vergangenen Jahre kann keiner die Augen verschließen.

Die Breisgauer tummelten sich zuletzt als Underdog sogar im vorderen Drittel der Bundesliga und freuen sich auf die Europa League. Im Mai standen sie auch im Pokalfinale von Berlin und eroberten bundesweit die Herzen unzähliger Nicht-Freiburger. Der VfB Stuttgart dagegen schaffte gerade so den Klassenerhalt, musste in den vergangenen Jahren gleich zweimal durch die Mühlen der 2. Liga und sich erst mühsam wieder zurückkämpfen.

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Der VfB hat sich personell runderneuert

In dieser Zeit war ich skeptisch, was die erfolgreiche Zukunft der Schwaben angeht. Aber nach beiden Abstiegen sind die Stuttgarter sofort wieder zurückgekommen, haben sich vor allem nach dem letzten Crash personell runderneuert und viel dazugelernt. Und auch das VfB-Gefühl ist bei mir inzwischen wieder ein ganz anderes, ein überaus positives.

Das irre Saison-Finish mit der Last-Minute-Rettung gegen Köln war für alle atemberaubend. Ein Glücksgefühl, das selbst in der Vorbereitung auf die neue Saison für mich noch immer zu spüren war. Selbst bei einem kleinen Stuttgarter Testspiel in Böblingen mit 5.000 Zuschauern und grandioser VfB-Begeisterung, die frische Kräfte verleiht.

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Und dann erst dieses Erlebnis zum Saisonstart gegen Leipzig. Ich war mittendrin in der Stuttgarter Arena und tief beeindruckt. Was ich an diesem Sonntagnachmittag sehen und spüren konnte, hat mich in seiner ganzen emotionalen Wucht unglaublich berührt. Spätestens da war mir klar: Der VfB ist wieder da.

Unglaubliche Begeisterung der VfB-Fans

Einerseits diese Euphorie schon vor der Partie mit dem gewaltigen Fan-Marsch vom Cannstatter Bahnhof zur Arena. Tausende von weiß gekleideten Menschen mit rotem Brustring, wohin man auch blickte. Danach die mitreißende Stimmung der knapp 50.000 auf den Rängen, verbunden mit einer Mannschaft auf dem Rasen, die mit Herz und Leidenschaft dem Top-Team aus Sachsen einen Punkt abtrotzte.

Dabei lebt der VfB inzwischen wieder extreme Jugendlichkeit vor: Stuttgart stellt das jüngste Team der Bundesliga. Hochtalentierte Profis im Dutzend, die ihre beste Zeit vermutlich erst noch vor sich haben. Ein Müller, ein Vagnoman, ein Silas, ein Ito,ein Führich, ein Ahamada, ein Tomas, auch ein Kalajdzic oder Sosa im besten Alter. Dem pfiffigen VfB-Sportdirektor Sven Mislintat ist es gelungen, ein Team mit großem Potenzial zusammenzustellen, dem bei guter Entwicklung die Zukunft gehört.

Endlich Konstanz auf der Stuttgarter Trainerbank

Das könnte gelingen, weil der VfB endlich auch die lange vermisste Konstanz auf der Trainerposition besitzt, Pellegrino Matarazzo feiert im Dezember in Stuttgart immerhin sein Dreijähriges. Die erfrischend positive und offene Art des neuen Vorstandsbosses Alexander Wehrle kommt nicht nur bei mir sehr gut an. Dazu die mächtige Mitglieder- und Fan-Basis eines Traditionsvereins mit zahlreichen Titeln, das industrielle Umland und die Größe der Landeshauptstadt, in zwei Jahren die renovierte Arena. Alles zusammen eine erfolgsversprechende Mixtur.

Der VfB wird Freiburg wieder die Stirn bieten

Vor der Arbeit des SC Freiburg habe ich allergrößten Respekt, zumal mit der neuen Arena auch die Infrastruktur im Breisgau eine andere Dimension erreicht hat. Noch ist der Sport-Club die Nummer eins im Land. Noch.

Denn ich bin mir sicher, dass der VfB Stuttgart kräftig durchstarten und der Freiburger Konkurrenz künftig wieder viel erfolgreicher die Stirn bieten wird. Vielleicht schon an diesem Samstag.

06.11.1993 - 15. Spieltag. Was für eine Überraschung: der favorisierte VfB Stuttgart verlor auswärts beim Aufsteiger SC Freiburg mit 1:2. Da war nicht nicht nur VfB-Meistercoach Christoph Daum fassungslos. Oliver Freund, Maximilian Heidenreich (ET) und Uwe Wassmer besorgten die Tore. VfB-Torhüter Eike Immel konnte noch einen von Rodolfo Cardoso getretenen Foulelfmeter parieren und so die Niederlage der Schwaben in Grenzen halten. (Foto: IMAGO, Sportfoto Rudel)
06.11.1993, 15. Spieltag: Was für eine Überraschung; der favorisierte VfB Stuttgart verlor auswärts beim Aufsteiger SC Freiburg mit 1:2. Da war nicht nicht nur VfB-Meistercoach Christoph Daum fassungslos. Oliver Freund, Maximilian Heidenreich (ET) und Uwe Wassmer besorgten die Tore. VfB-Torhüter Eike Immel konnte noch einen von Rodolfo Cardoso getretenen Foulelfmeter parieren und so die Niederlage der Schwaben in Grenzen halten. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
23.04.1994, 32. Spieltag: Wer jetzt gedacht hatte, der VfB würde im Rückspiel mit allen Mittel versuchen, die Scharte auszuwetzen, sah sich getäuscht. Der SC Freiburg siegte auch in Stuttgart. Und das deutlich mit 4:0. Je zwei Treffer steuerten zu diesem Coup Rodolfo Cardoso und Ralf Kohl (Spitzname "Kanzler") bei. Nach 34 Spieltagen belegte der VfB den 7. Platz. Der SC rettete sich als Neuling, dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem 1. FC Nürnberg, noch auf Rang 15. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
28.11.2014, 13. Spieltag: Besonders gern im Dress mit dem Brustring schoss Martin Harnik Tore gegen den SC Freiburg. In seiner Zeit bei den Schwaben (01.07.2010 - 18.07.2016) traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga achtmal für den VfB gegen den SCF. Im Winter 2014 zeigte er im Dreisamstadion zweimal seinen "Thor-Jubel" beim 4:1-Erfolg seines VfB. 28.11.2014 - 13. Spieltag. Besonders gern im Dress mit dem Brustring traf Martin Harnik gegen den SC Freiburg. In seiner Zeit bei den Schwaben (01.07.2010 - 18.07.2016) traf der österreichische Nationalspieler in der Bundesliga achtmal für den VfB gegen den SCF. Im Winter 2014 zeigte er im Dreisamstadion zweimal seinen "Thor-Jubel". Bild in Detailansicht öffnen
29.10.2017, 10. Spieltag: Das war eines der brisantesten Duelle zwischen dem VfB und dem SCF. Bereits nach zwölf Minuten sah Freiburgs Caglar Söyuncü die rote Karte wegen Handspiels nach Videobeweis. Die Freiburger waren konsterniert und danach völlig von der Rolle. Es entwickelte sich ein Spiel auf ein Tor - das von Freiburgs Torhüter Alexander Schwolow. Daniel Gincek, Benjamin Pavard und Simon Terodde schossen letzendlich einen deutlichen 3:0-Sieg des VfB Stuttgart heraus. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
16.03.2018, 27. Spieltag: An diesem Tag hat der VfB Stuttgart zum letzten Mal ein Bundesligaspiel gegen den SC Freiburg gewonnen. Mario Gomez gelangen beide Treffer beim 2:1-Auswärtserfolg in Freiburg. Der Beweis, dass sich Geschichte wiederholt: In der Abschlusstabelle belegte der VfB, genau wie 1994 ,den siebten Platz und Freiburg wurde wieder 15.. Sportfoto Rudel Bild in Detailansicht öffnen
22.01.2022, 20. Spieltag: Die letzte Partie gewann der SC Freiburg im neuen Stadion mit 2:0. Tatsuya Ito (ET) und Kevin Schade waren für die Treffer des Spiels verantwortlich. Spätestens nach dieser Partie darf man sich die Frage stellen, ob der SC Freiburg dem VfB Stuttgart endgültig sportlich den Rang abgelaufen hat. Von den letzten sechs Bundesliga-Spielen haben die Freiburger vier gewonnen und keines verloren. Eibner Bild in Detailansicht öffnen

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