Stuttgarts Torschütze Sasa Kalajdzic (hinten) umarmt Stuttgarts Philipp Klement. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow)

Fußball | Bundesliga

Lang, pfiffig, torgefährlich: VfB-Edeljoker Sasa Kalajdzic

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Der österreichische Mittelstürmer Sasa Kalajdzic ist ein echter Gewinn für den VfB Stuttgart. Der 23-Jährige, der gegen Union Berlin beide Tore erzielte, ist nicht nur cool vor dem gegnerischen Tor. Auch seine Interviews sind äußerst unterhaltsam.

In München haben sie gestern gejubelt und gefeiert. Die Mitarbeiter der Fußballmanager-App Kickbase, die ihren Sitz in der bayerischen Metropole hat, trauten ihren Ohren nicht, als sie den Aussagen von Stuttgarts Torjäger Sasa Kalajdzic nach dem 2:2 des VfB Stuttgart gegen Union Berlin lauschten. Als er im Sky-Interview gefragt wurde, warum er denn so oft auf sein Handy schaue, entgegnete der Österreicher ehrlich und staubtrocken mit Verweis auf die App: "Ich hab auf Kickbase geschaut, und ich Trottel hab mich nicht aufgestellt. Das ist wirklich doof gewesen." Eine bessere kostenlose Werbung im TV kann sich ein Unternehmen kaum vorstellen.

Cooler Edeljoker

Ähnlich cool, wie der 23-Jährige nach dem Schlusspfiff die Interviewfragen beantwortete, hatte er zuvor bei seinem zehnminütigen Auftritt gegen Union Berlin agiert. Als der österreichische Stürmer in der 80. Minute den Platz betrat, waren die Gäste aus Berlin soeben mit 2:0 in Führung gegangen. Kaum einer setzte noch einen Pfifferling auf den VfB Stuttgart. Aber dann kam "Edeljoker" Kalajdzic. In der 85. Minute köpfte er den Ausgleich, in der letzten Spielminute nahm er nach einem langen Zuspiel von Daniel Didavi den Ball mustergültig an und verwandelte eiskalt zum 2:2-Endstand. Gegen Berlin erzielte der Offensivspieler seine Saisontore vier und fünf.

Kalajdzic: "Es gibt bei uns keinen Fixplatz"

Fünf Mal wurde Kalajdzic in dieser Spielzeit eingewechselt, sechs Mal stand er in der Startformation. Der österreichische Nationalspieler muss - wie nahezu jeder Profi im Kader von Trainer Pellegrino Matarazzo - täglich neu um seinen Platz kämpfen. Für den Mann, der im Sommer 2019 für 2,5 Millionen Euro von Admira Wacker Mödling zu den Schwaben kam, ist das kein Problem. "Es hat keiner bei uns einen Fixplatz," sagte Kalajdzic im SWR-Interview. "Da sieht man, wie riesig der Konkurrenzkampf ist. Das spricht für die Qualität der Truppe."

Für die Mentalität des VfB-Teams sprach am Dienstag Abend die Einstellung nach dem Rückstand. Bereits zum siebten Mal mussten die Schwaben in dieser Saison einer Führung des Gegners hinterher rennen. "Gegen Union lagen wir sogar 0:2 zurück. Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Wir sind alle erleichtert, dass wir das 2:2 noch geschafft haben und sind mit dem Punkt zufrieden. Das Team ist sehr charakterstark." Man spürt Kalajdzic seinen Stolz ab, Teil dieses Teams zu sein.

Harte Zeit in der Reha

Der in Wien geborene Sohn serbischer Eltern ist womöglich einer der spannendsten Spieler der Bundesliga. Er hatte großes Pech, dass er sich kurz nach seinem Wechsel zum VfB einen Kreuzbandriss zuzog. Schlimmer hätte der Start in Stuttgart nicht sein können. Mit großen Hoffnungen hatte er seine Heimat verlassen - und war plötzlich monatelang auf sich alleine gestellt.

Aber Kalajdzic kämpfte sich durch die Reha zurück in den Kader. Aufgrund seiner Körpergröße von 2,00 Metern wird der längste Feldspieler der Bundesliga gerne unterschätzt. Wer denkt, der Österreicher sei nur gut im Kopfballspiel, irrt gewaltig. Kalajdzic profitiert davon, dass er als junger Fußballer auf verschiedenen Positionen im Mittelfeld gespielt hat. Der Stürmer ist ein Schlaks, der richtig gut mit dem Ball umgehen kann.

In jeder Hinsicht ein Gewinn

Kalajdzic gehörte nie einem Nachwuchsleitungszentrum an. Stattdessen hat er sein technisches Abitur absolviert. Der Schwerpunkt in seiner Jugend lag eher auf der Schule, nicht so sehr auf dem Fußball. Dieser 23-Jährige ist in jeder Hinsicht ein Gewinn für den VfB Stuttgart. Er ist ein guter Fußballer mit viel Potenzial. Er ist intelligent, pfiffig und charakterstark. Nebenbei ist sein Marktwert in den vergangenen Wochen ordentlich gestiegen. Von 2,5 Millionen Euro im Sommer 2019 auf aktuell 4,5 Millionen (Quelle: transfermarkt). Es wird also nicht nur in München gejubelt, sondern auch in Stuttgart.

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