Sven Mislintat, VfB Stuttgart (Foto: imago images, imago images/Jan Huebner)

Fußball | Bundesliga

Nach Mislintat Vorstoß - neue Krise beim VfB Stuttgart?

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VfB-Sportdirektor Sven Mislintat hat bei der Suche nach einem neuen Sportvorstand eine interne Lösung gefordert, außerdem solle zeitnah ein zweiter Investor gefunden werden. Droht den Stuttgartern jetzt die nächste Führungskrise? Präsident Claus Vogt schweigt vorerst.

Nicht schon wieder! Das mag sich mancher VfB-Fan denken, nachdem VfB-Sportdirektor Sven Mislintat seine Vorstellungen zur Zukunft des Fußball-Bundesligisten in einem Interview mit "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" geäußert hat. Denn sofort wurden Erinnerungen wach an die Eskalation des Streits zwischen dem scheidenden AG-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger sowie Vereins- und AG-Aufsichtsratschef Claus Vogt Ende 2020.

Warum ging Mislintat an die Öffentlichkeit?

Der Aufschwung der vergangenen Jahre ist eng mit dem 49-Jährigen und seinen Transferentscheidungen verbunden. Der spätestens im Herbst 2022 scheidende Vorstandschef Thomas Hitzlsperger lässt den mit vielen Kompetenzen ausgestatteten Mislintat weitgehend machen. Bei einem neuen Sportvorstand, der von außen käme, würde er offenbar seine Machtfülle gefährdet sehen. Daher fordert er eine interne Lösung: Markus Rüdt (Direktor für Organisation), Nachwuchschef Thomas Krücken - oder sich selbst. Wobei Mislintat erneut betont hat, dass er diese Beförderung nicht brauche.

Wie reagieren Präsident Vogt und der Aufsichtsrat?

Mislintats Vorgehen über die Öffentlichkeit wirkt zunächst wie schlechter Stil. Er selbst erklärte allerdings, zuletzt in der Frage des Sportvorstands nicht mehr angehört worden zu sein. Ein VfB-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Aufsichtsrat und sein Chef Claus Vogt werden sich am Dienstag nicht dazu äußern. Offenbar soll der Streit zumindest vorerst intern ausgetragen werden, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Der Konflikt zwischen Hitzlsperger und Vogt hatte dem Verein einen riesigen Imageschaden beschert.

Wie ist das Verhältnis zwischen Mislintat und Vogt?

Mislintat ist ein Hitzlsperger-Mann, er hat ihn zusammen mit dem früheren Präsidenten Wolfgang Dietrich nach Stuttgart geholt. Über größere Konflikte zwischen Vogt und Mislintat ist öffentlich nichts bekannt. Offenbar pflegen sie ein eher distanziertes, aber professionelles Arbeitsverhältnis. Zudem weiß auch Vogt, dass Mislintat mit seiner erfolgreichen Kaderplanung für sportlichen Erfolg und - wenn nötig - für hohe Transfereinnahmen sorgt.

Steht der Club nun vor einer weiteren Zerreißprobe?

Das lässt sich noch nicht vorhersagen. Entscheidet sich der Aufsichtsrat um Vogt und Rainer Adrion beim neuen Sportvorstand für eine externe Lösung, könnte allerdings der Weggang von Mislintat drohen - und neue Probleme. Das gilt auch dann, wenn sich die Suche nach einem zweiten Investor noch lange hinzieht, der VfB wegen der Einbußen in der Corona-Krise weitere Stars verkaufen muss - und Mislintat den sportlichen Erfolg gefährdet sieht.

Wirkt sich der Konflikt auf die Mannschaft aus?

Trainer Pellegrino Matarazzo hat schon bei der großen Krise zwischen Hitzlsperger und Vogt seine Fähigkeiten als Schutzschild unter Beweis gestellt. Sportlich hat sich die Mannschaft zu Jahresbeginn nicht von den Querelen beeinflussen lassen. Aktuell sieht es nicht anders aus. Dass mit einem etwaigen Weggang von Mislintat auch die Zukunft von Trainer Matarazzo beim VfB ungewiss ist, ist reine Spekulation. Fakt ist aber: Pellegrino Matarazzo wurde Ende 2019 hauptsächlich von Mislintat nach Stuttgart geholt.

Am besten Vogt, Adrion und Mislintat findet beim Thema Sportvorstand schnell eine klare und gemeinsame Linie, dann würde ihr derzeitiger Streit die Profis wohl nicht weiter beschäftigen.

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